Zitat von Hagen_Rether:Ja, zurück zum Thema. Habe gerade einen Antwortbrief von ihr gelesen, nachdem ich ihr zum ersten Mal geschrieben habe. Ich habe versucht, ihr nicht sehr emotional zu schreiben. Was ich aus dem netten Brief von ihr allerdings rauslese, ist nichts als "...schön, dass Du an mich gedacht hast...hätte gar nicht mit einem Brief jetzt schon gerechnet...habe tolles Kopfkino...habe auch schon ein paar Mal an Dich gedacht(!)...freue mich auf ein Wiedersehen...", *beep*, *beep*, *beep*...die Briefe meiner Krankenkasse haben mehr Leidenschaft.
Hagen... das ist doch eine ganz erhellende Erkenntnis für dich... dass dich ihre eher inhaltsleere Antwort ernüchtert.
Frage dich, wieso das so ist. Es impliziert ja eine enttäuschte Erwartung. Was
hast du dir denn erhofft?
Dass sie deine Sehnsucht spiegelt, dir mitteilt, dass es ihr ohne dich nicht gut geht? Und
wenn es in diese Richtung geht:
Hat es dann nicht wieder viel mehr mit deinem Selbstwert zu tun, der, so magst du dir vielleicht wünschen, durch ihr Signal deiner Unentbehrlichkeit steigen könnte?
Und da bist du doch wieder bei deiner momentanen Herausforderung, unabhängig von dem Außen und all den Menschen um dich herum:
Wer bist DU?
Sie ist nur eine Botin. Sie ist nicht das Heilmittel. Du weißt es doch. Sie ist eine Projektionsfläche. Und auch diese hat bereits Sprünge und zeigt dir daher nur ein verzerrtes Bild dessen, was du wahrhaftig suchst. Sie ist eine kriminelle, dro.süch.tige Pros., die Entscheidungen in ihrem Leben traf, die nicht so langfristig und empathisch gedacht wurden von ihr, dass ihre Kinder nicht darunter leiden mussten.
Ja, es kann sein, dass, würde sie sehnsüchtiger, eventuell sogar leidender in ihrem Brief reagieren...
(Im Sinne von: Du fehlst mir so sehr, Hagen... Ich habe so etwas noch nie gefühlt... Ich habe nun das Gefühl, ich bin angekommen... du hast meine Seele gesehen... mit dir an meiner Seite kann ich alles schaffen...), ...
dir dies Kraft gibt. Weil du dich erkannt gefühlt hättest. Wahrgenommen. Weil dir eine Frau dein Mannsein gespiegelt hätte.
Doch bedenke: sie ist erstens eine Professionelle und das ist ihr täglich Brot, ihren Fr.ei.ern zu sagen, dass sie richtige Kerle sind. Und zweitens hat sie offenbar keinen Leidensdruck, im Knast zu sitzen. Ihre Taten sind also mehr als: Ich bin da wegen meinem letzten Typen irgendwie so reingerutscht. Sie sind ein Teil ihres Lifestyles. Straftaten zu begehen, ohne darüber zu reflektieren, im besten Falle sie zu bereuen ( und sich selbst dafür irgendwann zu vergeben), bedeutet, sich nicht unter die eigene Oberfläche begeben zu wollen.
Sie ist also offenbar nicht so tief wie du. Sie fühlt nicht so tief wie du. Und auch du, lieber Hagen, fühlst nicht tief für diese Person.
Du fühlst tief für dich selbst.
Bleibe dort. In dir. Da liegt dein Schlüssel zum Glück. Nutze die Energie, die diese kurze Begegnung in dir freigesetzt hat, weise.
Lass sie nicht verpuffen, indem du einem Gespenst hinterherjagst, das womöglich doch nur dein eigener Schatten ist.
Sieh dich um. Betrachte dein Leben. Und zwar in all seinen Facetten. Nicht nur den Mangel. Sondern auch und vor allem die Fülle deines Lebens.
Und du wirst sehen: da ist ganz viel... und nichts davon wäre ohne dich.
Wird es nicht mal Zeit, dass du dich dafür beglückwünscht?