Zitat von OddCypher:Das was Du jetzt beschreibst, ist genau das, was sich die meisten Fremdgeher wohl selber einreden, um mit ihrem Betrug umgehen zu können. Aber das ist absolut egozentriert!
Zitat von OddCypher:-> Ich glaube kaum jemand stellt sich eine Trennung einfach vor, nur bräuchte man dafür Rückgrat!
Zitat von OddCypher:-> Also betrügt man halt lieber einfach so, nur weil man ein paar Dinge vermisst. Klasse Einstellung! *ironie off*
Zitat von OddCypher:-> Natürlich nicht, man will ja von allen Seiten nur das beste für sich. Egoistisch!
Klingt ein bisschen nach der unreflektierten Sicht eines/einer Betrogenen...
Ich kann dir sagen, ich bin fremdgegangen. Heute lebe ich seit zwei Jahren glücklich in einer Beziehung mit meiner ehemaligen Affäre. Mein Ex-Partner weiß davon bis heute nichts.
Ich kann dir auch genau sagen, wieso es dazu gekommen ist und wieso ich mich nicht getrennt habe.
Ich war damals unglücklich aufgrund diverser Verhaltensweisen und Ansichten meines Ex. Darüber habe ich mit ihm gesprochen und versucht, gemeinsam mit ihm Lösungen dafür zu finden. Ich habe mich also nicht sofort getrennt nur weil mir etwas fehlte, sondern versucht die Beziehung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Er war mir ganz und gar nicht egal und es war auch nicht alles schlimm. Aber die Dinge die gefehlt haben, waren so essentiell für mich, das ich damit auf die Dauer nicht hätte leben können.
Nun passierte es: mein Freund rasselte nach 7 Jahren Studium durch einen Drittversuch in der Uni, das Studium war also beendet. Absolute Sinnkrise seinerseits. Ich habe mit ihm/für ihn Bewerbungen geschrieben.
Hätte ich ihn jetzt verlassen, das hätte ihn zerstört.
Später der nächste Schlag: sein Vater wird schwer krank und pflegebedürftig. Insgesamt lag er über ein Jahr im Krankenhaus, bis er schließlich verstarb. Ich bin mit ihm hingefahren, habe ihm alles abegenommen was ich konnte.
Hätte ich ihn jetzt verlassen, das hätte ihn zerstört.
Es wurde und wurde einfach nicht besser. Es kam ein Problem zum Anderen. Die beiden genannten waren nur die größten Krisen. Und sein Verhalten mir gegenüber hat sich auch immer weiter verschlechtert. Nun verstehe mich keiner falsch, ich bin selber Waise, ich weiß was es bedeutet jemanden zu verlieren. Ich weiß auch das jeder damit unterschiedlich umgeht. Aber er hat seine Frustration auf mich projiziert.
Er hat angefangen mir ständig vorzuwerfen ich würde fremdgehen (was damals nicht der Fall war). Wurde unfassbar eifersüchtig. Er war in jeder Hinsicht von mir abhängig. Ich konnte jedoch in keinem Bereich auf ihn zählen. Es ging immer nur um ihn, ihn, ihn (um mal deine Ausdrucksweise aufzugreifen).
Jetzt war ich seit Jahren unglücklich, hatte meine Bedürfnisse hinten angestellt und habe auch nach den vielen Versuchen keine Zukunft mehr gesehen. Also habe ich mir zum Ziel gesetzt ihn soweit aufzubauen, dass er es ohne mich schafft und mich dann zu trennen. Auch wenn ich ihn nicht mehr geliebt habe, war er mir nach all den Jahren auch nicht völlig egal.
Nun hatte ich, sicherlich auch empfänglich dafür, jemanden kennengelernt. Und ich habe mich drauf eingelassen. Für mich war die Beziehung beendet, ob mit oder ohne Affäre. Deswegen habe ich ihm, als ich mich später von ihm getrennt habe auch nichts davon erzählt. Wozu auch? Die Gründe für die Trennung habe ich ihm genannt, aber die Affäre war ja nicht der Grund. Sie hat die Trennung höchstens beschleunigt.
Ich denke, dass auch wenn die Umstände andere sein mögen, dieses Kernproblem doch häufig besteht, wenn ein Partner eine Affäre eingeht. D.h. es besteht ein großes emotionales Ungleichgewicht in einer Beziehung. Aber da nicht immer alles "so schlimm" ist (hier wird ja häufig gefragt, wieso man sich nicht getrennt hat wenn ja "alles so schlimm war") oder manchmal einfach eine nicht einfach auflösbare Abhängigkeit eines Partners (hier kann ich mir z.B. auch Kinder und die fehlende Berufstätigkeit der Partnerin vorstellen) besteht, kann man manchmal auch einfach nicht gehen.
Zu erwarten, dass dann aber ein Partner seine emotionalen Bedürfnisse komplett über lange Zeit hinweg zurückstellt, halte ich für genauso egoistisch, wie wenn er sie irgendwann dann doch priorisiert.