Zitat von Mann1989: Genau, meine Rede. Es geht mir nur um Fettgeschriebenes...
Also Fremdgehen braucht einen Fremdgehenden und jemand, der sich darauf einlässt. Aus diesem Einlassen wird dann eine Mitverantwortung gegenüber dem nicht eigenen Ehepartner konstruiert.
Das ist ja eins der großen Streitthemen in diesem Forum und aller Wahrscheinlichkeit werden wir auch heute darauf keine abschließende Antwort finden.
Meine Wertung ist, weiß ich als ungebundener Teil, daß der andere gebunden ist, dann muß ich eine Entscheidung treffen und Maßstab dieser Entscheidung muß ich selbst sein.
Fremdgehen ist kein Teamsport, sondern beide Parteien müssen sich immer wieder darüber klar sein, daß dies eine nicht dauerhafte Situation ist bei deren Ende zumeist zu Ungusten des anderen entschieden wird.
Also die Affäre wird nur recht selten neue Hauptbeziehung, sondern wird eines Tages aus dem Nichts heraus beendet, der Ehemann wiederum läuft Gefahr eine sehr verletzte Mitwisserin zurück zu lassen, die Glenn Close lässt grüßen, dann eventuell nicht mehr ganz so nett reagiert.
Zitat von Mann1989: Ich sehe eine Frau, die eine Affäre einging, die dann nicht lief, wie sie es sich vorgestellt hat und der offenkundig etwas anderes versprochen wurde... Statt mit Würde aus diesem Lügengebilde auszusteigen, informiert sie aus purer Rache die EF. Sie verpackt das aber noch wunderbar mit Schleife unter dem Deckmantel der moralischen Grundwerte... Doch, für mich ist das mimimi... Dann soll sie bitte die Courage haben, das Kind beim Namen zu nennen und nicht auf "Ehrlichkeit" machen...
Ok, ich sehe was Du meinst.
Die pure Rache, wird von Anfang nur unterstellt. Und schon an der Stelle würde ich mal folgendes differenzieren, beurteilen wir ihre Handlung oder beurteilen wir ihre Motivation?
Das wird hier nämlich immer vermischt.
Wenn wir einen Blick auf die Handlung werfen, Beseitigung der Unkenntnis des/der Dritten, dann wirst Du sehen, daß an der Stelle keine Einigkeit besteht, aber die großen Rufe des Forums schon auch immer die sind, das schlimmste am Fremdgehen ist weniger der Akt, als das Lügen und letztlich die Unkenntnis. Die Geliebte "weiß" (!) um den Betrug, der Ehepartner nicht. etc.
Die TE hat mit ihrer Handlung die Unkenntnis des Dritten beendet. Man kann an der Stelle unterschiedlicher Meinung sein. Da ich eher geneigt bin zu glauben, daß Geheimnisse schaden, beurteile ich Beendigung der Unkenntnis als eher erstrebenswert. Ich habe auch Verständnis für alle die sagen, mei ich hätte es nicht wissen wollen.
Die meisten sagen aber eigentlich, mei ich hätte es nicht "so" wissen wollen.
Womit wir bei Motivation sind. Zunächst der Überbringer. Do not kill the messenger. Um eine Racheaktion zu verhindern, wäre es an dem Ehemann aufzudecken. Tut dieser das nicht, hast Du eine klare Wertung in der Selbstsucht. Der fremdgehende wählt zunächst eine Affäre, schafft damit den Grund, daß ein Dritter sich in der Beziehung befindet und selbst bei Gefahr in Verzug wählt er immer noch aus Selbstschutz Verdeckung und lässt die Ehefrau in das zusätzliche offene Messer laufen. Ich mag mir nicht mal ausmalen, wie unfassbar wütend ich (m)einen Mann wäre, der mich in eine solche Situation brächte.
Und erst jetzt sind wir bei dem einbrechenden Dritten und dessen/deren Motivation.
Du hast etwas von Würde geschrieben, das fand ich gut. Ich erwähnte mehrfach, daß ich mir nicht sicher bin, ob Bienchens Weg meiner gewesen wäre. Ich kann nur sagen, bisher habe ich mich noch nie so verhalten.
Dennoch habe ich Verständnis für die Motivation und dort wo andere Rache sehen, sehe ich Selbstermächtigung. Für manche der Geliebten ist Würde der Ausweg und für andere braucht es Krach. Und dann hat die Geliebte diesen Weg gewählt.
Jeder der von vornherein sagt, Affären sind unmoralisch, kann dann nicht durch die Seitentür kommen und plötzlich über isolierte Moral reden wollen

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Und die Fraktion, die dennoch über Moral im Unmoralischen reden will, (Affären sind schlecht, aber - Menschen), der würde ich entgegenstellen, daß dem Argument, sie weiß doch, daß er verheiratet ist, ein und genau deshalb schuldet sie weder der Ehefrau noch dem Geliebten Loyalität entgegen steht.
Es ist eben keine Frage der Moral, sondern die Geliebte trifft die Entscheidung, Geliebte zu sein, so wie der Mann eine Entscheidung trifft, verdeckt die Ehe zu kündigen und damit trifft die Geliebte hinterher auch eine Entscheidung, wie sie mit ihrer Beteiligung umgehen möchte, genauso wie der verheiratet Part eine Entscheidung (meist zu Gunsten der Ehe) trifft.
Bienchen hat das in ihrem Eingangsbeitrag natürlich alles sehr gehässig formuliert, was darauf schließen lassen könnte, daß ihr selbst die Offenlegung noch nicht den gesuchten Abschied bringen wird, aber das ist ihr Weg.
Ob sie den nun mit ruhiger Würde oder einem großen Knall sucht bzw beginnt, ist einzig ihre Entscheidung.
Das Wesen der Affäre ist, daß die Loyalitäten rechtlich, faktisch und verdeckt emotional alle schon verteilt sind. Deswegen gibt es eben keinen an den anderen zu stellenden Anspruch auf Verschwiegenheit.
Zitat von Mann1989: Die moralischen Werte. Sie hat sich entschieden mit einem verheirateten Mann ins Bett zu gehen. Sie wusste, er hat noch eine Frau zuhause. Angeblich wollte er sich trennen. Wieso um Himmelswillen hat sie dann nicht gewartet mit "Hampipampi" bis er sich wirklich getrennt hat?
Hat sie nicht, bedeutet aber eben auch nicht, daß sie hinterher zu schweigen hätte

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Und natürlich steckt in dieser Beschreibung eben auch Wertung Deinerseits. Und diese Wertung teile ich nicht.