Ich persönlich halte - abseits meiner eigenen, derzeitigen Situation - eigentlich ganz generell nichts von Beziehungen oder von Liebe, was erstmal widersprüchlich klingt. Meine Erfahrungen in den letzten 12 Jahren haben mich derart desillusioniert, dass bei mir die Erkenntnis entstanden ist, dass das Konstrukt Liebe Hollywood'scher Art nicht existiert und auch nicht existieren kann - schon deshalb, weil von Liebe, übrigens unabhängig von Hollywood, verlangt wird, dass sie 1. unbegrenzt stark und 2. unendlich lange andauert. Diese Erwartung ist - leider - falsch.
Und das liegt nicht daran, dass alle anderen Menschen doof wären, denn auch ich bin ein Mensch. Ich bin für die anderen genauso doof oder nicht doof, wie die anderen für mich. Tatsächlich sitzen wir alle im selben Boot. Haben alle in etwa dasselbe Problem, wenn es um Liebe geht. Wenn man jung ist, ist das anders: Man denkt, man würde eines Tages seine große Liebe finden. Oft genug wird einem das auch erzählt. Es ist eben romantisch, daran zu glauben. So etwas existiert aber, in der erwarteten Form, nicht und der Grund liegt einfach nur in der Natur: Liebe ist eine Falle der Natur, um uns zur Fortpflanzung zu bewegen. Wir werden hinters Licht geführt, aber nicht so, wie man denkt:
Denn was es durchaus gibt, sind positive und negative Gefühle. Weil wir sie empfinden und spüren können, sind sie real und sie haben mit Liebe nicht zwangsläufig etwas zu tun. Unsere Gefühle sind vielfältig. Unser ganzes Leben besteht aus unterschiedlichen negativen, wie positiven Gefühlen. Ein Gefühl zu einem anderen Menschen ist ein positives Gefühl, das vergleichbar damit ist, vollends ausgeglichen und eins mit sich selbst zu sein, während man die Wärme des Kaffees oder Tees spürt, den man morgens nach dem Aufwachen trinkt und bewusst genießt. Das Gefühl ist deshalb vergleichbar, weil es bei der Empfindung zu einem anderen Menschen eben nicht darum geht, dass das Gefühl einen anderen Menschen betrifft, sondern weil das Gefühl als so positiv erlebt wird. Man hat keine tiefen und positiven Gefühle zu seinem Haustier, weil es ein Haustier ist, sondern weil man diese positiven Gefühle nun einmal hat. Diese positiven Gefühle sind real. Sie sind keine Falle. Sie beschreiben immer unsere Verfassung in der Gegenwart. Von Liebe wird stets verlangt, dass sie immer da ist, wie ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Gefühle (also solche, die bewusst als solche wahrgenommen werden, weil sie positiv oder negativ sind) aber sind nicht immer da. Wenn der Kaffee fertig ist, ist das gute Gefühl weg und wird durch ein anderes ersetzt. Wenn ich hochkonzentriert am Arbeiten bin, empfinde ich, zumindest bewusst, währenddessen nicht gleichzeitig auch ein positives Gefühl zu meiner Partnerin, außer, sie überrascht mich plötzlich von hinten mit einer Umarmung. Nur einen Unterschied gibt es zwischen positiven Gefühlen zu einem Menschen bzw. Lebewesen und allen anderen positiven/negativen Gefühlen: Diese Gefühle können erwidert oder nicht erwidert und dadurch massiv verstärkt werden bzw. ins Gegenteil umschlagen.
Was ich schlussendlich damit sagen möchte: Für mich gibt es Liebe nicht, weil diesem Begriff eine Beschreibung anhaftet, die für mich gar keinen Sinn ergibt. Ich brauche mir keine Gedanken zu machen, ob "die Liebe" ewig hält. Das einzige, was es für mich gibt, sind Gefühle, negative, sowie positive. Und weil ich anerkenne, dass ich ein menschliches Wesen bin, möchte ich diese Gefühle nicht unterdrücken. Ja, ich möchte auf mich achten - aber so, wie ich das Recht haben will, alleine zu sein und mir eine Beziehung gerade nicht zu wünschen, möchte ich auch das Recht haben, einfach nur ein gefühlvolles Wesen sein zu dürfen, wenn ich will, weil ich weiß, dass ich es bin. Ich möchte meine Gefühle nicht unterdrücken. Und im Laufe eines Lebens passiert es nun einmal, dass man Menschen kennenlernt, zu denen man Gefühle entwickelt. Dann bin ich bereit, mich auf diesen Menschen einzulassen - selbst wenn ich überhaupt nicht an Liebe glaube.