gast65657
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Zitat von Selbstliebe:
Menschen mit Borderline sind also genau in solchen Situationen völlig überfordert, und um nicht mehr denken zu müssen, wird auf selbstschädigendes Verhalten zurückgegriffen, z.B. sich Ritzen. ?
Auf einen Aussenstehenden , der noch nie mit solchen Dingen zu hattte, muss das doch abschreckend wirken. Da ja häufig das *weitere* Kennenlernen bei zwei Leuten oft mit Unsicherheiten verbunden ist, also ich meine dahingehend "Was wird das jetzt aus uns" ?, was hinsichtlich des Aushaltens bei Nicht-Borderliner auch schon Stress führen kann, ist das bei Borderlinern so wie das raushöre verstärkt.
Ich stelle es mir schwer vor, gerade über die Hürde des Kennenlernens drüber zu kommen. . . aber beim Kennenlernen schon davon zu erzählen halte ich für u.U. abschreckend, schwierig irgendwie. . .
Ja, das ist leider genau der Punkt. Ich befand bzw. befinde mich aktuell in dieser Situation. Mein Lieber ist selbst sehr unsicher und braucht viel Sicherheit, weil es nicht so schön auseinander ging in seiner letzten Beziehung nach 7 Jahren und wir hatten die ersten Wochen extrem mit der gegenseitigen Unsicherheit zu kämpfen. Sind häufig aneinander geraten und waren selbst überrascht, wie stark die Emotionen in dieser Situation waren. Wenn man aus "Machtlosigkeit" so richtig wütend ist, weil man bei seinem Gegenüber nur schwer durchdringen kann.
Da ich aber grundsätzlich schon mehr oder weniger gut damit lebe hatte ich mich entschieden ihm davon zu erzählen. Anfangs nur, dass ich "Probleme" habe und nicht so gut mit starken Emotionen und instabilen Beziehungen umgehen kann. Ein paar Wochen später aber auch, was dahinter steckt. Es ist allerdings sehr schwierig, denn wenn jemand, der damit keine Erfahrung hat, in der Suchmaschine "Borderline" eingibt findet er Beschreibungen, die äußerst abschreckend sind. Es wird immer wieder von einem sehr schweren psychischen Störungsbild, welches nahezu unbeherrschbar ist, gesprochen. Die Symptome werden in aller Ausführlichkeit und Extremität dargestellt. Das kann nur abschrecken. Zumindest sollte das auf einen vernünftigen Menschen zutreffen. Ich habe relativ offen darüber gesprochen, wie es früher war (Arme aufritzen etc.) und wo heute meine Probleme liegen. Ich hatte, bis jetzt zumindest, das "Glück", dass er es als "normal" empfand, dass instabile emotionale Beziehungen "unangenehm" sind. Wahrscheinlich, weil er selbst "auf gesunde Weise" viel Sicherheit braucht.
Ich denke nicht, dass der Grund für das Ritzen ist, nicht mehr denken zu müssen. Ich glaube es ist andersherum. Man kann nicht mehr klar denken und braucht irgendetwas, was Druck ablässt, was so stark ist, dass es den Schmerz überlagern kann, eben weil man nicht mehr klar denken kann. Im Endeffekt ist es etwas so... Kennt ihr vielleicht so aggressive Menschen? ich habe mal einen Mann erlebt, der so wütend war, dass er irgendwo drauf schlagen musste, um seine Aggression loszuwerden, auch wenn er sich danach selbst an der Hand verletzt hatte? Oder wenn man so wütend ist, dass man schreien muss? Da ist innerlich auch so ein Druck, so eine Anspannung da, die irgendwie raus muss. So ist der Schmerz. Er drückt, er drängt, er erstickt, er pulsiert... Bei mir ist es teilweise wirklich so, dass mir in so einer Panikattacke so schlecht wird, dass ich mich übergeben muss. Das Herz rast. Es ist kein Bezug zur Realität mehr da. Man ersucht sich an irgendetwas zu klammern, aber das ist nichts. Man wird von der Strömung mitgerissen und greift am Rand des Flussufers nach Grasbüscheln, aber die reißen alle mit aus. Da sind so viele Emotionen vereint, dass sich alles dreht. Verlustangst, das Gefühl alleine zu sein, nicht liebenswert zu sein, aber den anderen auch irgendwie dafür zu hassen, dass er einem das antut, aber der kann nichts dafür, weil man es ja nicht anders verdient hat, Schmerz über die Enttäuschung über die ganze Welt und ihre Schattenseiten, da ist kein Funken Glück, nur Schmerz. Und das selbstschädigende Verhalten resultiert aus dem Bedürfnis sich wieder real zu spüren und die Kontrolle über das Chaos zu erlangen, sich selbst irgendwie zu bestrafen, die Umwelt zu bestrafen, aber auch einfach den Schmerz zu überdecken. Es ist leider nicht so leicht das alles zu erklären. Daher sind meine Beschreibungen vermutlich sehr konfus. Ich habe einfach in solchen Situationen "das Bedürfnis" irgendetwas Krasses zu machen. Sei es Sex mit einem (fast) Fremden, Tablette und Alk., Selbstverletzung... Ich kann diesen Impulsen inzwischen gut widerstehen, aber die Gedanken sind da. Ich denke man will diese Anspannung loswerden und die emotionale Leere füllen. Mit einer krassen Aktion zeigt man dem Leben, das man es selbst in der Hand hat. Man will diesen Attacken nicht mehr ausgeliefert sein. Diesem Ungeheuer. Dieser Angst. Dieser Traurigkeit.