Karili
Gast
Du schreibst, dass du nicht verstanden hast warum dein Sohn nicht gegangen ist. Die Einsicht, dass er es durch dein Beispiel nicht getan haben könnte und er auf das gehofft hat, was alle Kinder von den Eltern erhoffen, nämlich Annahme, Zuneigung, ein friedliches Zeigen der Welt, diese Einsicht fehlt. Dass er darauf Anspruch gehabt hat, die Einsicht fehlt ebenfalls.
Wenn Elternteile vor Gericht stehen weil sie einen Peiniger gewähren ließen, dann sind sie fast immer in der Lage, die Passivität oder auch Mittäterschaft detailliert aus dem eigenen Kindheitserleben herzuleiten. Die Herleitung mündet in der Regel in " Ich war zu jung/ unerfahren/ schutzlis ausgeliefert", "Ich war zum Handeln aus physischen oder psychischen Krankheitsgründen nicht in der Lage". Sehr selten wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, warum man sich einen Partner wählt, der die Hölle der Kindheit weiterführt. Wozu man auf außenstehende Warner nicht gehört hat. Wozu man Hilfsangebote von außen strikt abgelehnt hat.
Während das Enabler Elternteil seine eigene Herleitung und Befindlichkeit meistens exakt kennt und als feste Erklärung zitieren kann, wird der Peiniger fast immer als Block beschrieben, der physisch und psychisch übermächtig war oder ist. Seine Auswirkungen auf einen selbst sind detailliert klar und beschreibbar. Was ihn bewegt, woher seine Aggression kommt ist manchmal ebenso deutlich. Man kennt seine Geschichte, versteht warum er so ist. Man gesteht ihm jedoch nicht die gleichen entlastenden Erklärungen zu, die man sich selbst zugesteht. Denn das würde das eigene Unvermögen und auch die Bequemlichkeit zu handeln offenlegen. Die Schuld läge dann nicht nur beim Peiniger, man müsste erkennen, dass man selbst ursächlich Schuld an der Pein hat. Dass man nicht nur das Opfer der eigenen Eltern und später des Partners war oder ist, sondern dass man nicht anders als die eigenen Eltern gehandelt hat. Und das obwohl man die Auswirkungen kennt und die Qual selbst gefühlt hat.
Wenn Kinder wie der Sohn von Angi2 ( als Beisoiel) dann das Muster von Eltern und Großeltern weiterführen, stößt das seltsamerweise oft auf Unverständnis beim Enabler Elternteil: "Warum geht er/ sie nicht? Sieht er/sie nicht wie sehr er/sie sich selbst schadet? Er/sie wird dem Peiniger immer ähnlicher!" - Erneut wird von anderen, die eine ähnlich schmerzvolle Vorgeschichte haben wie man selbst gefordert, eine Einsicht und der Wille für sich selbst schützend zu handeln, den das gewährende Elternteil selbst aus Unfähigkeit oder Bequemlichkeit nicht hatte. Von anderen wird gefordert was man selbst nicht bereit war zu tun.
Es gab immer Zeitpunkte, an denen eine Änderung der Lage und ein Ausstieg mögluch gewesen wäre. Dich den hat man nie genutzt.
Gründe dafür sind oft das Wissen um die grenzüberschreitenden Gewalterfahrungen. Man hat seelisch und kognitiv erkannt, dass man sehr leidensfähig ust. Was andere als Tabubruch scheuen, das kennt man und man weiß im Tabubruch zu überleben: Das Leben in der Hölle bringt mich nicht um.
Oft schwingt später Stolz mit: Ich war so stark, dass mich die Hölle nicht zerstört hat. Ich bin Außergewöhnlich. - Stimmt irgendwie auch - kann allerdings auch zu einer Haltung führen wie: Was nicht tötet härtet ab.
Oder es bahnt sich die Wut und Acgression ihren Weg, die man jahrelang aufgenommen hat. Was dann passieren kann, lesen wir in Zeitungen.
In jedem Fall geht es um das Azfbrechen von Mustern. Aufhören zu denken man wäre hilflos und nur die anderen wären in der Lage etwas zu verändern.
Angi, wann hast du deinem Jungen z.B. das letzte Mal gesagt was du an ihm positiv findest und ist es dir möglich so etwas wie Zuneigung für ihn zu haben, oder ist dort nur Unverständnis und Wut?