Ein Video findet sich sicherlich, ich bin heute Früh über Erich Fromm gestolpert und finde seine Überlegungen interessant, letztlich auch hilfreich. Über die Liebe denke ich ähnlich, dass es auch die Bereitschaft dazu geben sollte als erste Entscheidung.
In seinem Buch „Die Kunst des Liebens“ beschreibt Erich Fromm Liebe auf eine Weise, die sich deutlich von dem unterscheidet, was viele von uns intuitiv darunter verstehen. Wir sind oft mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Liebe etwas ist, das einfach passiert: Man trifft den richtigen Menschen, es „funkt“, und der Rest ergibt sich von selbst. Fromm stellt genau diese Idee infrage. Für ihn ist Liebe keine spontane Emotion, die uns widerfährt, sondern eher eine Fähigkeit bzw. etwas, das man lernen und entwickeln muss.
Er beschreibt Liebe als eine Art Kunst. Und wie bei jeder Kunst reicht Talent oder ein kurzer Moment der Begeisterung nicht aus. Es braucht Aufmerksamkeit, Übung, Geduld und auch ein gewisses Maß an Selbstreflexion.
Ein besonders interessanter Punkt ist die Unterscheidung zwischen Verliebtheit und dem, was Fromm als reife Liebe versteht.
Verliebtheit kennt wahrscheinlich jeder: dieses intensive Gefühl am Anfang, die starke Anziehung, das Bedürfnis nach Nähe, die Tendenz, den anderen vielleicht sogar ein Stück weit zu idealisieren. Aus heutiger Sicht weiß man, dass in dieser Phase auch viel Biologie im Spiel ist, bestimmte Botenstoffe im Gehirn sorgen dafür, dass sich alles besonders intensiv anfühlt. Diese Phase ist aber in der Regel nicht dauerhaft. Oft verändert sie sich nach ein bis drei Jahren.
Fromm würde sagen: Genau das ist der entscheidende Moment.
Denn wenn diese anfängliche Intensität nachlässt, zeigt sich, ob mehr da ist als nur dieses erste Gefühl. Für ihn beginnt Liebe im eigentlichen Sinne erst dann nämlich dort, wo sie nicht mehr selbstverständlich ist. Reife Liebe ist für Fromm nichts Passives. Sie zeigt sich darin, wie man mit dem anderen umgeht. Er spricht von Fürsorge, Verantwortung, Respekt und dem echten Bemühen, den anderen zu verstehen. Es geht also nicht nur darum, was man fühlt, sondern auch darum, wie man handelt.
Ein Gedanke von ihm bringt das sehr schön auf den Punkt: Man liebt nicht, weil man jemanden braucht sondern man braucht jemanden, weil man ihn liebt.
Wenn man das mit dem verbindet, was man heute über die biologische Seite weiß, ergibt sich ein ziemlich stimmiges Bild: Die erste Phase einer Beziehung ist oft stark von Emotionen und körperlichen Prozessen geprägt. Aber diese Phase trägt nicht von allein durch die Jahre.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem man, bewusst oder unbewusst, entscheidet, wie es weitergeht. Zieht man weiter, weil das Gefühl nicht mehr so intensiv ist? Oder bleibt man und entwickelt daraus etwas Tieferes?
Fromm sieht genau darin die eigentliche Herausforderung. Liebe ist für ihn keine Garantie und kein Zustand, in den man einmal „hineinfällt“ und dann bleibt. Sie ist eher etwas, das immer wieder neu entsteht: durch Aufmerksamkeit, durch Haltung und durch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht liegt gerade darin eine unbequeme, aber auch ehrliche Frage: Ist das Nachlassen der Verliebtheit ein Zeichen dafür, dass etwas fehlt oder ist es eigentlich der Moment, in dem echte Liebe überhaupt erst möglich wird?
@Nur-ein-Mensch wenn es nicht hierher passt, gib Bescheid, dann versuche ich es verschieben zu lassen 🙏😊