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Auf einen Lügner reingefallen

Claudi_1975

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Hallo Community.
Ich möchte gerne mal meine Geschichte aufschreiben. Ich möchte sie mir einfach von der Seele reden. Ich traue mich nicht, mit meinen Freunden darüber zu reden, da ich mich einfach so unendlich, unendlich schäme.
Aber von vorn.
Vor einem Jahr lernte ich einen Mann über eine einschlägige Singlebörse kennen. Wir schrieben, und waren uns auf Anhieb sympathisch. Beim ersten Telefonat merkten wir dann, dass wir uns von der Uni her kennen dass wir vor 25 Jahren schon mal in der Cafeteria zusammen saßen, dass wir zusammen auf einigen Studenten-Partys waren. Wow dachte ich, das muss Schicksal sein.
Wir verabredeten uns und verbrachten einen wundervollen Tag zusammen. So ein Wiedersehen, nach 25 Jahren wie schön Wir swaren auf einer Wellenlänge, hatten die gleichen Themen, die gleichen Interessen.
In derselben Woche trafen wir uns noch mal. Er erzählte mir dann seine teils rührende, teils dramatische Geschichte: Seine erste Frau hat ihn mit seinem besten Kumpel betrogen. Er hat sie inflagranti erwischt.
Die Frau, mit der er danach zusammen war, ist bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen. Er selbst hat diesen Autounfall knapp überlebt. Hat aber lange gebraucht, um über ihren Tod hinwegzukommen.
Mir tat das unendlich leid, ich habe da schon viele Empathie-Tränen vergossen Über den Autounfall sprach er nicht gerne, aber mich hat das schwer beschäftigt. Wie traumatisiert muss ein Mensch sein, der so etwas erlebt, überlebt hat?

Na ja. Das war seine Vorgeschichte, damit hat er begründet, warum er vorsichtig ist, wenn es um Gefühle, um Beziehungen geht.

Wir trafen uns weiter, telefonierten, mailten, schrieben. Jedoch: Nie am Wochenende. Immer in meiner Wohnung. Er hat nie bei mir übernachtet.
Meine Freundinnen meinten natürlich: Da stimmt was nicht. Sicher, dass er nicht verheiratet ist? Doch ich war sicher, zumindest redete ich es mir ein. Denn immerhin schrieb er mir ständig, und ich konnte ihn auch immer anrufen, auch abends.
Nur an Wochenenden, da wurde es schwierig Er schickte mir auch immer Fotos von sich, was er macht, wo er gerade ist Ich hatte zwar ein komisches Bauchgefühl, sagte mir jedoch: Er ist mal schwer verletzt worden, ich muss einfach geduldig sein und nicht so viel hinterfragen.

Doch mein Gefühl wurde immer komischer. Irgendetwas stimmte nicht, das fühlt man ja
Und unsere Beziehung wurde immer komplizierter. Er wollte sich nicht festlegen, meinte, auch er will mich nicht verletzten. Wir haben eine Menge Hin- und Her durchgemacht, mit Kontaktabbrüchen, Kontakt wieder aufnehmen Wirklich, ein ewiges On-Off.

Die längste Kontaktpause betrug 7 Wochen. In diesen 7 Wochen hatte ich auch übelsten Liebeskummer. Ich lag blank, es fühlte sich an wie eine Wurzelentzündung der Seele, alles tat weh.
Aber nach und nach ging es mir besser, wie das mit Liebeskummer nun mal so ist.

Jedenfalls, als ich dann fast geheilt war, fing ich an zu googeln.
Über seinen dramatischen Autounfall (ich kannte das Datum und den Ort) konnte ich nichts finden. Komisch dachte ich, solche dramatischen Geschichten stehen immer irgendwo in einer Zeitung.
Dann: Seine Schwester. Angeblich Neurologin in einer Stadt in Bayern (wo er oft hinfuhr, um seine Wochenenden dort zu verbringen, weshalb er sie nicht mit mir verbringen konnte).
Ja, diese Neurologin gibt es auch, sie sieht ihm sogar ähnlich, wird vermutlich wirklich seine Schwester sein aber sie praktiziert in seiner Heimatstadt in NRW, und nicht in Bayern.

Ich habe ihn damit nicht konfrontiert. Stattdessen hab ich ihn zum wiederholten Male gefragt, ob er verheiratet sei.
Seine Antwort war natürlich: Nein, aber er spürt, dass er mich verletzt und schlägt mal wieder eine Kontaktpause vor.

Nun gut. Das Ganze ist nun vier Wochen her. Ich habe seitdem mehrere, andere Indizien gesammelt. Nachrichten inspiziert, die wir im vergangenen Jahr ausgetauscht haben, die mir damals schon komisch vorkamen, ich aber mein Alarm-Gefühl ausgeblendet habe. Indizien dafür, dass er verheiratet ist oder halt doch jemand anderen hat. Vermutlich in Bayern.
Mittlerweile schreibt er mir wieder, will sich mit mir treffen und ich bin nur noch angeekelt.
IAngeekelt und ich schäme mich halt. Vor ihm, vor meinen Freunden, vor mir selbst. Wie konnte ich so naiv sein. Wie konnte ich so blauäugig sein. NIE hätte ich gedacht, dass ein Mann, den ich seit 25 Jahre kenne, mich dermaßen hintergeht. Wir haben sogar noch einige gemeinsame Bekannte, zu denen wir unabhängig voneinander noch sporadischen Kontakt haben. WIE konnte er da dermaßen gelassen bleiben?

Jedenfalls, er meldet sich halt wieder, und ich antworte auch. Ich versuche, ihn in Sicherheit zu wiegen ich weiß nicht genau wofür. Warte ich auf einen Showdown? Hoffe ich, dass ich mich vielleicht doch irre, dass ich nicht so hintergangen worden bin?
Ich habe ja nach wie vor keine Beweise, dass er eine andere hat, und sie auch schon vor mir hatte. Es ist nur mein Bauchgefühl, und eine Menge Indizien halt

Das, was ich momentane fühle, ist vorrangig Scham.
Ich weiß absolut nicht, wie ich damit umgehen soll, wie ich mir selbst wieder in die Augen blicken kann. Hört sich jetzt dramatisch an, aber wirklich: jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, lache ich mich aus. Und denke: Du Naivchen. Mit deinen 45 Jahren so dumm zu sein. Man man man, selbst schuld, geschieht dir recht.

So. Das zu meiner Geschichte. Ich erwarte kein Mitleid, weil wirklich: Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen. Ich möchte nur diese

07.02.2020 11:21 • #1


NeuBeginn18


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Hey Claudi und Willkommen,

Sowas braucht nun auch kein Mensch, tut mir leid für Dich!

Komische Geschichte, aber wofür schämst Du Dich? Von aussen ist es immer leicht, aber es hat sich auch schon gezeigt, dass seltsame Geschichten stimmen können.

Vermutlich ist es hier anders, aber dennoch kein Grund sich zu schämen. Ja, warst naiv und wolltest gerne diesen Menschen in Deinem Leben haben. Da verschliesst man auch mal die Augen. Wir sind in etwa gleich alt, doch kann sich davon keiner freimachen.

Mir hat meine Frau 5 Jahre lang was vorgemacht. Wie sollte ich mich dann fühlen? Es ist doch eigentlich eine positive Eigenschaft erstmal zu vertrauen. Geht man gleich bei der ersten Ungereimtheit auf Detektivsuche, ist das auch nicht besser.

Ich würde an Deiner Stelle mit Deinen Freundinnen darüber reden. Sie dürften erleichtert sein, dass Du endlich aufwachst und für Dich eine Erleichterung mit jemanden darüber zu sprechen. Win Win!

Ich hoffe Du bekommst Gewissheit um damit abschließen zu können.

LG

07.02.2020 11:54 • x 3 #2




Emma14

Emma14


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Zitat von Claudi_1975:
Das, was ich momentane fühle, ist vorrangig Scham.


Das angemessene Gefühl wäre Wut, nicht Scham. Schämen sollte sich der Lügner.

07.02.2020 12:05 • x 10 #3


NeuBeginn18


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Zitat von Emma14:
Das angemessene Gefühl wäre Wut, nicht Scham. Schämen sollte sich der Lügner.


Ich denke die Scham ist gegenüber den Freundinnen. Über ihn empfindet sie ekel.

07.02.2020 12:16 • x 1 #4


Bones


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Du musst dich doch nicht vor deinen Freundinnen schämen,nur weil du nicht sofort auf sie hörst. Du solltest dich mitteilen, deine Hoffnung bricht dir gerade das Genick, da können sie dir helfen zu reflektieren.
Du kennst ihn eben auch nicht.Ihr habt euch vor 25 Jahren mal getroffen, was in der Zwischenzeit gewesen ist und wie er sich entwickelt hat,kannst du ja nicht einschätzen.
Du solltest alles daran setzen Abstand zu gewinnen, dann kannst du dir auch das Gesamtbild besser anschauen.

07.02.2020 12:19 • x 2 #5


Claudi_1975


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Vielen Dank für Euren Zuspruch. Ich mekre auch gerade, der letzte Satz in meinem Beitrag ist unvollständig. Es sollte heißen:

So. Das zu meiner Geschichte. Ich erwarte kein Mitleid, weil wirklich: Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen. Ich möchte nur diese Scham loswerden.

Tatsächlich schäme ich mich eher allgemein. Natürlich auch vor meinen Freundinnen, aber eher so allgemein. Ich kann jetzt verstehen, warum Betrugs-Opfer sich schämen (also ich rede hier zb. von Geld-Betrug zb.) Man hat ja oft ein komisches Bauchgefühl, und das stimmt meistens. So auch bei mir, nur habe ich nicht darauf gehört.

Klar - so richtig schämen sollte er sich. Ich weiß im Moment nicht, ob ich ihn mit meinen Indizien konfrontieren soll. Bzw.: das mit seiner Schwester ist ja schon ein Beweis, kein Indiz.

Vor allem denke ich mir: Wofür?! Es ist ja absolut schief gelaufen, was auch immer die Gründe sind - am Ergebnis ändert es ja nichts. Trotzdem, eine Gewissheit hätte ich schon noch gerne.
Vielleicht irgendwann mal, wenn die Wunde richtig verheilt ist? Oder doch lieber jetzt, damit die Wunde schneller verheilt?

Na ja. Ich danke Euch jedenfalls sehr für Euren Zuspruch.

Ach so. Und was ich mich aber wirklich, wirklich frage: Warum tun Menschen so etwas? Für den unverbindlichen Spaß, also für eine heiße Affäre? Die könnte man doch auch haben, wenn man mit offenen Karten spielt... Gut - nicht mit mir, aber scheinbar ging es ihm ja ohnehin nicht um mich...

07.02.2020 12:43 • x 1 #6


Merilin


Du weisst aber nicht sicher dass es da jemand gibt oder?
Fahr doch einfach mal hin schauen

07.02.2020 13:11 • x 1 #7


Claudi_1975


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Nein, ich weiß es nicht sicher. Aber meine Vermutung ist halt: Er hat eine andere, offizielle Beziehung in einer anderen Stadt - in Bayern halt. Da bringt es nichts, vorbei zu fahren. Außerdem war ich ja noch nie in seiner Wohnung. Ich weiß zwar, wo er wohnt (angeblich!), aber ich war halt noch nicht da. Außerdem würde ich mir damit irgendwie gefühlt noch mehr Blöße geben. So fühlt es sich zumindest an.

Also kurzum: Ich habe bislang nur Indizien. Diese sind aber zum Teil schwerwiegend. Ich habe ihn schon oft gefragt, ob er irgendwie gebunden ist. Anfangs immer nur sehr unbedacht und im Scherz, seine Antwort war jedoch immer ein lockeres "Nein".

Ich denke mir auch: Wenn mich jemand, den ich date, mehrmals fragt, ob ich gebunden bin, würde ich spätestens beim dritten Mal fragen, wie er denn darauf kommt. Ich BIN nun mal nicht gebunden und liefere auch keine Anzeichen dafür, da würde mich so eine "Unterstellung" schon neugierig machen. Er hat aber immer sehr locker reagiert.

Na ja. Zum Glück ist mein Liebeskummer, also der größte, vorbei. Natürlich tut das noch weh, aber so nach und nach kehrt mein Selbstwert-Gefühl wieder. Nur dieses "Facepalm-Gefühl", dieses ... "man, wie blöd war ich bitte?!" - das ist noch da.. Ich hoffe, es vergeht auch bald.

Und:
Zitat von Bones:
Du solltest dich mitteilen, deine Hoffnung bricht dir gerade das Genick, da können sie dir helfen zu reflektieren.

Da hast du auch wieder recht. Wobei meine Hoffnung nur noch sehr selten "aufkeimt", also dieser kleine Funken: "Vielleicht gibt es ja doch eine plausible Erklärung für das alles". Aber das weiß ich im Keim zu ersticken. Dennoch, ich werde wohl über meinen Schatten springen müssen und mich mitteilen.

07.02.2020 13:29 • x 1 #8


Kalinka82

Kalinka82


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Hey Claudi,

ich weiß genau wie du dich fühlst. Mir ist genau das gleiche passiert und ich hab mich auch für meine Naivität geschämt.

Aber wir können da echt nichts für, wir haben nur das nötige Vertrauen entgegen gebracht und man hat uns arglistig hinters Licht geführt mit ausgefeilten Lügen und Schauspielerei.
(Die Autounfall Geschichte ist echt krass!)

Ich hab's auch erst im Nachhinein heraus gefunden, so wie du, und habe ihn mit dem Wissen bis heute nicht konfrontiert, er hat also nicht den geringsten Schimmer. Und was soll ich sagen, es ist jetzt ein Jahr her und ich kann immer noch nicht richtig abschließen. Und ich glaube es liegt daran dass ich nie mit ihm darüber gesprochen hab.
Mit deinen Freundinnen solltest du auf jeden Fall sprechen, man bekommt da wirklich sehr viel Mitgefühl und Zuspruch, solche Geschichten schockieren die meisten Menschen und niemand wird dich verurteilen. Ich wünsche dir alles Gute!

07.02.2020 18:24 • x 1 #9


T4U

T4U


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Zitat von Kalinka82:
Und ich glaube es liegt daran dass ich nie mit ihm darüber gesprochen hab.

Daran liegt es nicht, m:E. nach - es liegt an der Erwartungshaltung, die man projiziert. Wenn du ehrlich bist - sollte es der Partner auch sein.

07.02.2020 18:34 • #10


Kalinka82

Kalinka82


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Zitat von T4U:
Daran liegt es nicht, m:E. nach - es liegt an der Erwartungshaltung, die man projiziert. Wenn du ehrlich bist - sollte es der Partner auch sein.


Das kann schon sein...
Aber ich fühle keine Wut mehr, keine Trauer, keine Enttäuschung. Das einzige was ich denke ist, ich würds ihm gern sagen. Weiß aber auch nicht ob das helfen würde, ist nur so ein Gefühl.

07.02.2020 18:41 • x 1 #11


Megeas


Zitat von Claudi_1975:
Es ist nur mein Bauchgefühl, und eine Menge Indizien halt

In diesen fall ist meist das Bauchgefühl nicht abwägig allerdings sollte man mit Indizien auch aufpassen, zumal es keine finde ich Handfeste beweise sind ...
Hmm du kennst ihn 25Jahre jetzt? - ich würde es knall hart ansprechen... aber das kenne ich irgendwie naja man kann sich immer in Menschen täuschen egal wie lange man sie kennt und woher du kannst immer nur vor kopf schauen

07.02.2020 18:57 • x 2 #12


Claudi_1975


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Zitat von Kalinka82:
es ist jetzt ein Jahr her und ich kann immer noch nicht richtig abschließen.


Das ist auch krass... Wobei ich ein Jahr jetzt noch nicht so lange finde. ZU lange - das schon, aber um eine Beziehung zu verarbeiten braucht es halt. Und dann noch, wenn es so eine Geschichte war.

Zitat von Megeas:
Hmm du kennst ihn 25Jahre jetzt? - ich würde es knall hart ansprechen...

Ich kenne ihn von der Uni, das ist 25 Jahre her. Wir hatten damals sporadisch Kontakt, aber nach der Uni dann nicht mehr. Also jetzt locker 20 Jahre - da kann viel passieren. Und angesprochen habe ich es - ich habe ihn oft gefragt, ob er verheiratet ist.

Vielleicht mache ich es aber auch noch. Und konfrontiere ihn mit den Indizien. Wenn ich mich überhaupt mal traue, noch mal ein Treffen mit ihm zu vereinbaren... Mal schauen, wie er reagiert.

07.02.2020 19:21 • x 2 #13


tina1955


Wenn ein Freund zig mal Schluss macht, die Beziehung on/off ist, hätte ich es eh beim letzten off belassen. Ich käme mir so vor, als hätte in der Zeit keine bessere Frau gefunden.
Das Du ihn an den Wochenenden von Anfang an nicht treffen konntest, noch nie in seiner Wohnung warst, hat Dir ein ungutes Bauchgefühl verursacht.
Aber trotzdem hast Du Dich immer tiefer in die Beziehung rein gestürzt.
Wenn ich Zweifel habe, beende ich das. Wenn ich nicht den Mut habe, meinem Freund meine Vermutung mitzuteilen, aus Angst vor der Antwort, aber trotzdem hoffe, er kommt immer wieder, dann bist Du in einer Abhängigkeit.

Und warum tun Männer so etwas?
Weil Frauen mitspielen und nicht konsequent genug sind, die Beziehung nicht bei den ersten Zweifeln beenden.

07.02.2020 19:35 • x 3 #14


Megeas


Zitat von Claudi_1975:
Ich kenne ihn von der Uni, das ist 25 Jahre her. Wir hatten damals sporadisch Kontakt, aber nach der Uni dann nicht mehr. Also jetzt locker 20 Jahre - da kann viel passieren. Und angesprochen habe ich es - ich habe ihn oft gefragt, ob er verheiratet ist.

Aso okay verstehe hmm..


Zitat von Claudi_1975:
Mal schauen, wie er reagiert.

Wenn es dir danach besser gehen wird dann mach es

07.02.2020 20:37 • x 1 #15



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