Guten Morgen Forumgemeinde,
vielen Dank für eure Antworten und Feedbacks in den letzten Tagen. Es tut mir sehr gut, mir Dinge von der Seele zu schreiben und so habe ich beschlossen, dieses Forum zu nutzen um ein kleines Tagebuch im Hinblick auf die Trennung zu schreiben.
Nun sind es fast 48 Stunden seit unserer letzten Kommunikation und der erste Schock scheint überwunden. Ich habe wieder Boden unter den Füssen und es geschafft, die Situation zu erkennen und anzunehmen. Ich habe in den letzten Tagen viel Input eingeholt. Von vielen Menschen die mich kennen und auch sie erlebt haben und von euch Aussenstehenden, die mir Ansichten aus der Helikopterperspektive aufzeigen konnten. Ich habe die Situation erfasst und für mich rational einen Leit(d)faden erarbeitet damit umzugehen. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich Angst habe die Sache zu rational zu sehen und das Gefühl hinten anzustellen. Ich denke, so habe ich es oft in den letzten Jahren gemacht. Probleme schnell und rational erkannt und pragmatisch aus dem Weg geschafft. Dabei habe ich den emotionalen Faktor im Hintergrund verschwinden und die Zeit für mich arbeiten lassen. Diesmal möchte ich aber nicht so handeln. Ich habe jetzt genug Input den ich erstmal verarbeiten und sortieren muss. Ab heute möchte ich in eine Phase eintreten, in der ich mich aktiv und allein in die Beziehung und das Ende hineinversetze und hineinfühle. Ich möchte alles nochmal durchleben und dabei fühlen und leiden. Ich denke, dass wird mir helfen die Sache noch besser zu verstehen, mich mit Dingen die nicht gut und richtig waren auseinandersetzen und Kraft und richtige Schlüsse für das weitere Leben zu gewinnen. Ihr müsst wissen, dass ich in meinem Leben viel leiden musste und in den letzten Jahren gelernt habe, das als Gewinn zu sehen und daraus positive Kraft für mein Leben und meine eigene Persönlichkeitsentwicklung gewinnen kann.
Ich möchte noch ein paar Zeilen meiner genauen Sichtweise der Situation widmen. Zunächst einmal ist mir bewußt, dass ich den Faktor Hoffnung so gut wie möglich ausblenden und verhindern muss. Auch wenn die Sachlage objektiv nicht hoffnungslos ist, ist es am wichtigsten komplett abzuschliessen.
Alle, die ich in den letzten drei Tagen stundenlang damit konfrontiert habe sind sich in einem Punkt einig: Es war ein Schlussmachen aus Notwendigkeit. Die Beziehung war gut, wir mögen uns, sind aber zu einem völlig falschen Zeitpunkt zusammen gekommen. Ein Freund, mit dem ich gestern geredet hatte, ist in der gleichen Situation wie sie. Im Trennungsjahr, neuer Partner und viele Dinge, die noch zu verarbeiten sind. Auch er stand schon zweimal kurz davor die neue Beziehung nur aus dem Grund zu beenden, weil er seine Kraft für sich und die Verarbeitung seiner Ehe benötigt. Ich habe auch einigen Freunden den genauen Verlauf geschildert und die letzten Nachrichten via Whatsapp gezeigt. Es sind sich wirklich alle einig, dass sie im Augenblick kein Auge und keine Kraft für unsere Beziehung hat und mich daher zur Seite gelegt hat. Sie hat mich aufgefordert mich um mein Wohl zu kümmern und es scheint so, als sieht sie in der Aktion jetzt nicht das Ende unserer Beziehung sondern hat so nur auf ihre eigene Situation reagiert. Das hätte man auch anders lösen können, aber so kam es ihr in dem Augenblick richtig vor. Versteht mich nicht falsch, ich versuche mir es nicht schön zu reden. Sie wird mit einer unfassbaren Aufgabe konfrontiert, die sie auf einmal mit voller Wucht einholt und kann sich daher auf nichts anderes konzentrieren. Sie ist intelligent und weiß, was das für Auswirkungen auf unsere Beziehung hat (die sie derzeit garnicht sehen, leben und wahrnehmen kann). Sie will mich schützen und schlussfolgert, dass das der richtige Weg ist den sie jetzt gehen muss. Sie macht es sich nicht einfach und stellt sich Schritt für Schritt der Situation. Vielleicht legt sie mich auch nur zur Seite und lenkt sich weiterhin vom Eigentlichen ab ohne ihr Problem anzugehen. Das weiß ich nicht.
Ich glaube auch zu wissen, dass sie hadert und an mich denkt. Ständig sehe ich, dass sie im Whatsapp online ist. Immer wenn ich online bin (um zu schauen, dass sie online ist

), geht sie schnell raus. Sie sucht mich und ringt noch mit sich und meiner Situation.
Aber all das darf mir nur minimal Hoffnung geben. Sie ist diesen Schritt bewußt gegangen und es steht eine Mammutaufgabe vor ihr. Falls sie wieder bereit für mich sein sollte, sind wir beide an einem anderem Punkt in unserem Leben und keiner weiß, ob man in der Situation zusammenkommen kann und will. Sie weiß, was sie an mir hat und wenn sie darauf nicht verzichten kann, wird sie von selbst kommen. Ich kann mich ohnehin nicht melden. Wie Gwen so passend schrieb: Jeder Wink von mir wirft mich um Lichtjahre zurück. Sie muss jetzt erstmal realisieren, dass ich weg bin und ich habe ihr mit meiner gefassten und überlegten Art in der Situation auch Sichtweisen mitgegeben, die sie erstmal verstehen und verarbeiten muss. Die Zeit ist jetzt mein größter Freund und mein größter Feind.
Was mir heute früh zurückblickend auffiel, ist das ihre Entscheidung aus dem nichts in einer Situation kam, in der sie keine Ablenkung hatte. So lange ich sie kannte, musste sie immer was machen und beschäftigt sein. Sie konnte nicht ruhig hinsetzen und mit sich allein sein. Sie verdrängt seit Monaten etwas und läuft davor weg, sich dem zu stellen. ich hoffe, dass hat sie erkannt und sie weiß, dass es an der Zeit ist weiter an der Verarbeitung ihrer Ehe zu arbeiten.
So eine Phase hatte sie auch, als wir über Silvester ein paar Tage in Amsterdam waren. Es war stressig und kalt und sie hatte nichts, dass sie ordnen oder organisieren konnte. Schon da wurde sie stark sentimental. Als sie Samstag eine Freundin von mir bei dem Essen fragte, wie der Urlaub war, fiel ihr nur ein: kalt und stressig. Positive Erinnerungen hat sie vordergründig nicht gehabt.
Oh man, schon wieder so viel Text. Verzeiht, wenn ich euch zuspame
