Zitat von Arev87: Das lenkt nur davon ab, dass patriarchale Strukturen und häusliche Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem sind. Straftäter müssen konsequent bestraft werden – ganz egal, welchen Pass sie haben
Ich denke mittlerweile, dass solche pauschalen Wischiwaschi-Aussagen ("gesamtgesellschaftlich", gern in Kombination mit Forderungen nach Konsequenzen, die man eigentlich als selbstverständlich voraussetzen sollte, es aber erschreckenderweise nicht sind) effektiv verhindern, dass passgenaue, zielgruppenorientierte Prävention, aber eben auch genauso zielgruppenorientierte Ermittlung und Strafverfolgung stattfindet.
Ein gesamtgesellschaftliches Problem setzt gesamtgesellschaftliche Werte voraus. Allein da hapert es ja enorm.
Würde endlich mal politische Energie in die Bekämpfung von z. B. Clanstrukturen gesteckt oder in die klare und nachhaltige Durchsetzung (!) der Behauptung, dass JEDER sich an die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die dazugehörigen gesellschaftlichen Werte zu halten hat, wären wir schon einen ganzen Schritt weiter. Aber für solches Tätigwerden müsste man halt auch einsehen, dass es eben doch spezifische Probleme mit spezifischen Gruppen gibt.
Diese Einsicht ist politisch nicht gewollt, warum auch immer, für viele Menschen aus der bürgerlichen Mitte ist dies nicht mehr nachvollziehbar. Ich selbst habe seit geraumer Zeit die Wahrnehmung, dass meine Bedürfnisse nach Sicherheit, Ordnung und Haltung des aus jüngeren Jahren gewohnten Lebensstandards (damit meine ich z. B. ärztliche Versorgung, Straßeninfrastruktur, Wohnraum, Wohlfühlen im öffentlichen Raum...) immer weniger erfüllt werden, während ich gleichzeitig durch explodierende Sozial- und Transferleistung ebendiesen Verlust von Gesellschafts- und Lebensqualität auch noch querfinanzieren muss (allein im Bereich der Jugendhilfe ließe sich beispielsweise locker die Hälfte der Kosten einsparen, wenn es Leistungen nur für Staatsbürger gäbe... ich propagiere dies nicht, jedes Kind hat das Recht auf Schutz und Hilfe, es geht nur darum die Dimension aufzuzeigen).
Wenn ich meinen Unmut über diese von mir wahrgenommene Schieflage zum Ausdruck bringe, riskiere ich es als rechts stigmatisiert zu werden, obwohl ich nie rechts gewählt habe und dies auch nie tun werde.
Es würde mir im Traum nicht einfallen, einen Menschen allein aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, Kultur oder Sprache zu diskriminieren, aber ich selber darf mir aufgrund meiner Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Sprache regelmäßig anhören (meist übrigens von Menschen gleicher Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Sprache wie ich selbst...), ich wäre schuldhaft privilegiert, hätte bloß Vorurteile, würde nicht verstehen dass es auch deutsche Straftäter gibt und was weiß ich noch was für undifferenzierten, herablassenden Blödsinn. Das nervt einfach nur noch.
Zitat von Arev87: Früher war sicherlich nicht alles besser, aber der öffentliche Diskurs war sachlicher und basierte zumindest auf einem gemeinsamen Faktenfundament. Die größte Gefahr heute ist nicht das Smartphone an sich, sondern dass freie Meinungsbildung durch kommerzielle und politische Einflussnahme systematisch untergraben wird.
Dem stimme ich vollumfänglich zu. Allerdings kommt die Einflussnahme wohl aus allen politischen Lagern. Das macht eine faktenbasierte Meinungsbildung schwieriger als je zuvor. Ich bilde meine Meinung tatsächlich weniger aus den Medien, sondern eher aus dem was ich täglich im Straßenbild und in der Jugendhilfe wahrnehme.
Zitat von Arev87: Ob Klimawandel, Pandemien oder demografischer Wandel – die komplexen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht mit Ideologie lösen, sondern nur mit evidenzbasierter Politik.
Die Politik löst aber irgendwie nix so wirklich, oder? Schon gar nicht evidenzbasiert. Sie scheint irgendwie nur immer neue Probleme zu schaffen. Mein aktuelles Lieblingsbeispiel, Attest erforderlich ab ersten Krankheitstag - weil mit Fieber und Durchfall in der überfüllten Praxis zu hocken ja gleichermaßen förderlich für Genesung wie für die Kostendämpfung der Krankenversicherung und natürlich auch für den Bürokratieabbau sein dürfte - mit solchen besch*ssenen Ideen wird die arbeitende Mitte der Bevölkerung schikaniert und echte Lösungsideen für die wirklichen Probleme sind nicht mal in Sichtweite.
Die blaue Partei pustet genauso nur heiße Luft, für wirklich gefährlich halte ich die gar nicht, sobald die in Regierungsverantwortung kommen werden sie genauso abkacken wie alle anderen Parteien.
Und ohne Internet... weiß nicht, ob es wirklich besser wäre. Auch ohne Internet hat die Menschheit schon so manches grässliche Gesamtgesellschaftliche hervorgebracht, und auch wenn das jetzt komisch klingt, das waren nicht nur die Deutschen - die waren aber wahrscheinlich diejenigen, die ihre Gräuel in den Nachfolgegenerationen mit am besten aufgearbeitet haben.