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Die Veränderungen nach dem Tiefpunkt - Eure Erfahrungen

Kerstin_2016

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Hallo zusammen,

gedanklich befasse ich mich gerade damit, was sich in den vielen Momenten, Monaten und alltäglichen Dingen in mir / an mir verändert hat.

Was einst der schlimmste Abschnitts meines Lebens für mich war, verblasst langsam. Ich habe einen Platz in mir selber gefunden, durfte mich neu entdecken, habe schwierige, umfangreiche oder harte Entscheidungen getroffen und habe dabei extremere Gefühlsschwankungen durchlaufen, die mich mal Schritte vorwärts, jedoch auch rückwärts vollziehen lassen haben.

Nur wozu?

Ich denke die Überschrift und Antwort wäre: um mir selbst offen und ehrlich hinter die Stirn zu gucken.

Und was ist daraus entstanden?

Eine mittlerweile "gut funktionierende" Freundschaft mit mir selbst.
Ich weiß was ich will und ich weiß was ich nicht will.
Ich lernte Selbst-Verständnis. Ich entdeckte neue Werte, entledigte mich auch alter Werte oder passte alte Werte an, weil ich sie mit anderen Augen sah. Ich habe meinen eigenen Wert entdeckt und einen Menschen gerade gehen lassen, wo ich nicht bereit war, diesen davon zu "überzeugen", dass ich es wert bin. Und das Ganze ohne Herzschmerz. Toller Mann, wirklich, nur nicht passend für ein "uns". Meine zarten Gefühle für diesen Mann sind präsent, aber ich genieße sie sogar ein Stück weit. Sie werden erwidert, er ist nur nicht bereit. Und dennoch: schön, dass ich bereit gewesen wäre.

Freundschaften haben mittlerweile eine andere Qualität. Meine Erwartungen von damals wurden geupdatet, ich bin lockerer, fahre mich da nicht fest oder klammer mich an Menschen, damit man mir hilft. Ich helfe mir selbst. Es gibt Momente, da kommen alte Muster wieder hoch, denen ich dann auch mal nachgebe. Jedoch nicht "kampflos", ich registriere, dass ich mich in einem Muster befinde und entscheide mich dann wie ich damit umgehe. Das Muster digtiert mir also nicht mehr, wie ich zu handeln habe, sondern ich entscheide welchen Raum dieses Muster erhält. Ich bleibe damit handlungsfähig und Krisen (in meinen Augen) die sich anbahnen, sind keine Krisen mehr, sondern Alltagsgeschwafel. Die normalen schrägen Dinge des Lebens, wo ich den Fehler nicht im Schicksal suche, sondern in mir selbst. Finanziell zum Beispiel habe ich aktuell ein Fiasko. Was früher mir unruhigen Schlaf verursacht hätte, nebst Existenzängsten, sorgt heute für ein Schulterzucken und der Diagnose "selbst schuld, Du hast es nicht im Blick gehabt und solltest in Zukunft besser planen". Also Ärmel hoch und was ändern, fertig. Mein Selbstvertrauen hat eine andere Qualität bekommen, daher denke ich gar nicht darüber nach "ob" ich es schaffe, sondern nur "wie" ich die Kuh vom Eis kriege. Eine Portion Rationalität dabei (war mir früher durch vorherschende Emotionen nicht möglich gewesen wäre) und schon sieht meine Welt wieder anders aus.

Ich freue mich über Kleinigkeiten. Ein simpel abstrahlender Sonnenschein, ein ekliger Käfer, eine verwelkte Rose oder meine tapsige Fellnase können mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern ohne etwas wirklich zu machen. Meine tiefen Seufzer sind nicht mehr gepeinigt von Schmerz, sondern von Wohlbefinden. Ich fühle mich sattelfest wie seit Jahren nicht mehr.

Die Menschen die mich ein Stückweit fallen lassen habe und die ich nach unzähligen Versuchen dann auch gehen lassen habe, haben mir dabei geholfen, mich selbst zu "retten". Und das nur durch ihre/die Ignoranz, ihre Unfähigkeit, ihre eigene Gefühlswelt oder wie immer da auch wirklich die Schwierigkeiten lagen. Ich habe da recht gut meine Frieden gefunden und kann damit mittlerweile aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit umgehen. Ich habe also die Ego-Brille ein Stück weit absetzen können, um mein Gegenüber bewusster "zu sehen".

Erst heute habe ich Karten gefunden. Schmunzel, ich dachte eigentlich, dass ich alles aus der Forengrundzeit entsorgt hatte. Dem war nicht so und ich denke, dass sollte so sein. Ich habe mir diese Karten heute durchgelesen. Vor einem Jahr hätten sie mich in Tränen ausbrechen lassen, heute saß ich fast mit liebevollen Lächeln davor, habe die Schultern gezuckt und sie wieder weggepackt (nein, wieder nicht entsorgt). Mein innerer Frieden ist damit bestätigt und das tut gut.

Ja, ich habe noch Baustellen. Aber hey. . . . das sind Dinge die standen auf meiner Prioritäten-Liste so weit unten, dass ich bis vor ein paar Monaten nicht im Traum daran geglaubt hätte, dass ich überhaupt noch mal in der Lage sein werde, mich mit diesen auseinander zu setzen. Für Ausstehende Kinkerlitzen, für mich Dinge, die mich seit Jahren negativ begleiten. Nur, auch hier nehme ich was grandios Positives aus "meiner" Zeit mit: es gibt nicht nur ja oder nein, schwarz oder weiß. . . ein gut oder schlecht, ein ganz oder gar nicht. Nein, ich nutze mittlerweile für mich die Grauzone dazwischen. Ich handel also teilweise ein "untentschieden" aus, bis ich mich selbst klarer positionieren kann. Vielleicht kennt ihr das: man will es anders, weiß aber nicht wie oder wie die Umsetzung gehen soll. Ich schaue heute, wieso es mir dann Probleme bereitet und finde darüber erst mal einen Waffenstillstand, bis ich soweit bin mit klarem Kopf und freiem Herzen noch mal näher zu schauen.

Und ich schütze mich mehr als früher. Ein "nein" kommt aus Überzeugung, wenn ich erkenne, dass es mir nicht gut tut. Ich fange an kein Blatt mehr vor den Mund zunehmen und Dinge klar positioniert anzusprechen. "Hübsch, freundlich, nett durch die Blume" gibt es in den meisten Fällen nicht mehr. Meine Nerven, Seele und mein Herz sind mir da wichtiger geworden. Ich renne nicht mit der Brechstange durch die Gegend und haue wild drauf los, jedoch schaue ich im Vorfeld, was ist es mir persönlich wert bzw. wie wichtig ist mir das wirklich. Dann gibt es einen Mittelweg womit ich bisher zurecht komme. Ich lege auch nicht merh viel wert darauf, was andere Menschen dann von mir denken könnten. Ich mache mich nicht mehr davon abhängig wie es früher war, wie andere meine Leistungen beurteilen könnten. Ich möchte mit mir zufrieden sein und will nicht, dass ich mein Wohlbefinden davon abhängig mache, wie zufrieden andere mit mir sind. Denn, wenn sie es nicht sind, dann können sie den Mund aufmachen. Tun sie es nicht, mache ich das nicht mehr zu meinem Problem.

Man hat mir einmal vorgeworfen, dass ich nicht verzeihen könnte. Es sind viele Gedankenspiele dabei zu Tage gekommen, weil mir dieser Vorwurf keine Ruhe lies. Denn ich war ein Mensch, der einem Menschen lieber hundert Mal eine Chance gegeben hat, als dass ich daraus Konsequenzen ziehe und die Grenzen zeige. Das widersprach sich für mich. Aber auch hier kam dann irgendwann meine Position hoch und ich kann es so zusammen fassen: ich kann und werde verzeihen, jedoch vergesse ich nicht. Und wieder ein Stück mehr Frieden gefunden.

Ich bin noch immer ein emotionaler Mensch und möchte das auch sein. Es gibt mir die Möglichkeit emphatisch zu sein und andere Menschen damit zu verstehen und , wenn sie möchten, ihnen zu helfen. Was bis vor wenigen Monaten sich für mich zu einem Fluch entpuppte, weil ich mir damit selbst im Weg stand, ist mittlerweile ein Kompromiss geworden. Hirn und Herz pendeln sich ein. Sie hören auf einander, spielen miteinander, hören sich gegenseitig zu und sie "entscheiden" zusammen. Manchmal kommt das Bauchgefühl dazu, wenn die Beiden sich noch nicht ganz enig sind. Es ist mehr Symbiose geworden, als gegenseitiges Zerhacken. Ich habe gelernt, dass meine Gedanken auch mal für meine Emotionen verantworlich sind und ich es damit selbst in der Hand habe, wie ich emotional auf etwas reagiere oder agiere. Klappt nicht immer, jedoch immer öfter und vorallem besser unbewusster

Man sagt ja gerne vom leichten zu schwerem. Also um zu lernen fängt man klein an.
Ich galube mittlerweile, dass das in der eigenen Seelenwelt gar nicht immer möglich ist. Weil mich gerade das "schwere" geprägt hat und der Schlüssel in der Änderung in dieser Prägung lag. Das "Leichte" provitiert jetzt davon, weil es augenscheinlich nicht mehr das Problem widerspiegelt, was es vor Monaten für mich noch war.

Wenn ich mir das hier noch mal querlese, stelle ich fest: wo ist der Forengrund?
Genau, nicht wirklich da und das war mein Schlüssel zu mir selbst. Nicht er war damals der Schlüssel, sondern ganz allein ich selbst. Er war nur das Tor, wo mein Schlüssel passte, welches ich mir dann aufgestossen habe.

Und heute?
Behalte ich meinen Schlüssel fest in der Hand und entscheide dann, wie weit die mittlerweile kleine Tür aufgemacht wird

Was habt Ihr gelernt? Was konntet Ihr so mitnehmen? Wie hat es Euch verändert und wie ruhend seid ihr dadurch in Euch selbst? Was macht Euch heute noch Probleme oder was für "Randerscheinungen" sind aus der Ex-Zeit geblieben?

Liebe Grüße
Kerstin

17.09.2018 14:08 • x 33 #1


Löwenherz4

Löwenherz4


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Zitat von Kerstin_2016:
Und heute?
Behalte ich meinen Schlüssel fest in der Hand und entscheide dann, wie weit die mittlerweile kleine Tür aufgemacht wird

Danke Kerstin_2016.

Dieser Satz spricht mir aus dem Herzen.

Aber, genau wie bei dir, bedarf es eine Zeit, die nicht so schön war.
Einsamkeit, Traurigkeit.......eigentlich bis in die Grundmauern erschüttert. Und die Frage : lohnt es sich eigentlich, die Trümmer aus dem Weg zu legen? Hab ich überhaupt die Kraft und Energie dafür? Und den Mut........und für wen?

In dieser Phase war ich länger. Vielleicht ein Jahr......ich funktionierte nur noch. Nur das Nötigste, was sein musste, gelang.




Zitat von Kerstin_2016:
Was habt Ihr gelernt?


Ich lerne gut zu mir zu sein. Ist nicht immer leicht........aber ich will dieses Ziel nicht verlieren.

17.09.2018 20:46 • x 6 #2


solonely


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Vielen Dank für diesen Thread Kerstin2016

ich kann sehr gut nachvollziehen was Du geschrieben hast

Für mich war die schwerste Trennung meines Lebens prägend für ein neues Leben. Inzwischen bin ich dankbar, dass mir durch die Trennung die Augen geöffnet wurden.

17.09.2018 20:55 • x 2 #3


bumali

bumali


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@Kerstin_2016
Schön geschrieben und in vielen Punkten habe ich mich wiedergefunden. Ich lebe nach der Trennung ein Leben wie es mir gut tut. Ein Leben nach meinen Vorstellungen und Wünschen . In mir breitet sich eine Zufriedenheit aus die ich zurück liegend selten erreichte.

17.09.2018 21:37 • x 3 #4


scallisia

scallisia


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Liebe @Kerstin_2016 ,
erst einmal vielen Dank für dieses Thema. Es passt gerade so zu mir, da ich auch gewisse Änderungen an mir feststellen kann. Meine Trennung ist jetzt gut 16 Monate her und du hast mich das ein oder andere Mal auch begleitend unterstützt. Dafür nochmals vielen Dank.
Nun, was hat sich bisher getan? Zu aller erst: ich bin frei! Ich bin über den Berg. Ich habe noch ein gutes Stück vor mir, dessen bin ich bewusst. So manches Mal fühlt mein Herz noch einen tiefen Stich, aber die Abstände werden größer und der Schmerz sitzt längst nicht mehr so tief. Ich kann mich besser abgrenzen. Das gelingt mir nicht immer, aber immer besser. Ich poltere nicht mehr gleich drauf los, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich nehme mir einige Momente, manchmal auch Tage, Zeit und entscheide dann wie ich reagiere. Oft reagiere ich dann gar nicht, weil ich merke, dass es schlichtweg nicht mehr wichtig für mich und mein Leben ist. Ich habe aufgehört nach der Schuld zu suchen. Ja, ich mache mir manchmal noch Gedanken. Aber es sind eben nur Gedanken. Sie kommen, aber sie gehen auch wieder. Mal komme ich besser mit gewissen Situationen zurecht, mal etwas schlechter. Auch in einzelne kleinere Löcher tappe ich noch dann und wann. Aber sie sind lange nicht mehr so tief und vermeintlich unüberwindbar wie sie es noch vor ein paar Monaten waren. Das kann ich nun auch endlich für mich erkennen. Hat ja auch lange genug gedauert. Ich mag mein jetziges Leben. Auch als Single. Für etwas neues bin ich noch lange nicht bereit, denn ich bin mit mir noch nicht fertig. Wer weiß, ob ich das jemals sein werde... Aber darüber zerbreche ich mir schon lange nicht mehr den Kopf. Ich gehe jetzt MEINEN Weg, egal wo er mich hinführt. Das gemeinsame Haus wird gerade verkauft und ich habe für die Kinder und mich eine kleine, aber recht schöne Wohnung in meinem alten Viertel gefunden. Dort, wo ich aufgewachsen bin. Es fühlt sich an wie "endlich nach Hause kommen". Hört sich doof an? Ist aber so. Und darauf freue ich mich. Sicherlich ist dieser Schritt auch mit allerlei Ängsten verbunden, denn ich muss schon zu einem großen Sprung ansetzen, ein kleiner Hüpfer reicht da nicht aus. Aber ich bin mir sicher, auch das werde ich meistern. Denn blicke ich mal ehrlich auf das vergangene Jahr zurück, darf ich für mich schon anerkennen, dass ich alles tapfer gemeistert habe. Ja, noch eine Neuerung. Ich kann endlich meine Leistungen anerkennen. Für mich. Ich sehe es nicht mehr als selbstverständlich an. Sicherlich funktioniere ich noch in einigen Dingen nur, aber das sehe ich mittlerweile als "Kraft tanken" bis eine Sache erledigt ist, bevor ich mich der nächsten widmen kann. Auch wieder neu für mich: einen Schritt nach dem anderen. Nicht mehr alles gleichzeitig wollen. Ich habe mehr Geduld mit mir. Gut, es könnte etwas mehr sein, aber auch da bin ich dann nachsichtig und sage mir, auch das wird sich noch richten.
Ich freue mich auf mein neues Leben im neuen Heim und neuer Umgebung. Eine große Last wird von mir genommen. Nein, ICH nehme mir diese Last selbst. Endlich habe auch ich begriffen, dass ICH allein die Verantwortung für mein Leben übernehmen kann.

18.09.2018 09:18 • x 8 #5


Kerstin_2016


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@Löwenherz4
Zitat:
In dieser Phase war ich länger. Vielleicht ein Jahr. . ich funktionierte nur noch.

Ja, diese exentiellen Fragen kosteten emens Kraft. Meine Kinder waren der Grund warum ich durchhielt. Für sie bin ich den Weg weiter gegangen. Erst viel später merkte ich, dass ich diesen Weg selbst auch will.
Dieses "Funktionieren" konnte ich ablegen. Aussagen wie "Du musst aber . . .". Meine Antwort darauf: "einen Scheixx muss ich". Radikal, ja, entspringt aber einem gleichnamigen Buch, was mir mal jemand (Forengrund ^^) schenkte. Ich wäge heute ab: wer erwartet hier wirklich, dass ich funktionieren sollte?! In der Regel bin ich es dann selbst, die diese Anforderung an sich stellt und die Erkenntnis allein lässt mich dann zurück rudern.

@bumali
Zitat:
In mir breitet sich eine Zufriedenheit aus die ich zurück liegend selten erreichte.

Ich denke, ich empfinde es auch so, weil ich selbstbestimmender geworden bin. Früher konnte ich auch durch Leistung eine Zufriedenheit erreichen. Ein Trugschluss, denn diese Zufriedenheit war abhängig von anderen, die meine Leistungen dann beurteilten. Es zog dann auch Kreise, dass ich gerne alles daran setzte, andere glücklich zu sehen. Mal abgesehen davon, dass ich selbst dabei auf der Strecke blieb, definierte ich ja somit auch zusätzlich mein Wohlbefinden darüber, wie es anderen Menschen in meiner Umgebung geht. Das entspricht meiner Natur, noch heute. Allerdings hat es sich verändert: ich bin für mich verantworlich, nicht für andere. Auch meinen Kindern gegenüber (sie sind schon älter) habe ich die Verantwortung ein Stück weit abgelegt, dass sie glücklich sein "müssen" und meine Aufgabe darin besteht, dass zu erfüllen. Es ist nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe sehe ich darin, sie darin zu unterstützen, dass sie dieses selbst erreichen. Je nach Situation/Entscheidung stehe ich vor, neben oder hinter ihnen. Die Erfahrungen sollen sie selbst machen, selbstbestimmend halt.

@scallisia
Lieben Dank für Deine Zeilen. Ich verstehe Deine Zeilen schon fast körperlich

@all
Wo ich gerade so am Tippen war. . .

Ich bin deutlichst entspannter geworden, geduldiger und überlegter.
Emotionale "Ausraster" von jetzt auf gleich kenne ich nicht mehr. Meine Große meinte einmal: "Mama, Du bist so chillig geworden, als wärst Du ein anderer Mensch." Es stimmt. Was mich früher zur Rage bringen konnte, kostet mich heute ein Lächeln. Ich spüre diese Wut zum Beispiel gar nicht erst mehr. Auch bei anderen Dingen die mich sonst in ein emotionales Desaster geführt haben, bin ich rationaler. Ich schalte erst das Hirn ein und schaue dann was es in mir auslöst. Ich bin nicht mehr ständig in meiner eigenen Wahrnehmung unterwegs und kann eine Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
Das spiegelt sich auch in meiner Erziehung wieder (was man bei dem Alter der Kinder noch Erziehung nennen kann). Ich bin überlegter, weniger emotional und gebe meinen Mädels damit den Raum, unabhängig meiner Meinung, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Denn ich möchte behaupten, dass sie früher vieles einfach gemacht haben, damit ich nicht traurig/wütend/enttäuscht bin. Sie haben also ihre Entscheidungen von meinen Emotionen abhängig gemacht. Heute entscheiden sie, weil sie schlicht weg eine andere Meinung haben und sie das Vertrauen haben, dass ich das nicht persönlich oder emotional wegstecke.

Geduld @scallisia ist auch etwas was ich lernen konnte. Ich konnte früher unheimlich schlecht Situationen aushalten, wenn es Streit oder Unstimmigkeiten gab. Es musste auf Biegen und Brechen geklärt werden, auch wenn es bedeutete meinen Standpunkt zu verlassen. Hauptsache Ruhe im Karton. Ein Problem kündigte sich an und es musste sofort aus der Welt geschaffen werden. Egal um was es ging. Damit habe ich jeden kirre gemacht wahrscheinlich und es dürfte furchtbar anstrengend gewesen sein. Heute kann ich auch einfach einmal abwarten, die Neune gerade hängen lassen oder schlicht eine Nacht drüber schlafen. Ich habe kein Bedürfnis mehr danach, dass alles gleich geklärt werden soll. Die Situation oder Problematik gibt es dann einfach nicht her.
Ich normalisierte dann auch gerne etwas. Wenn ich ein Problem hatte oder mir etwas nicht passte, dann äusserte ich es zwar, wenn ich allerdings Gegenwind bekam und das Gefühl hatte, dass ich dadurch jemanden verlieren könnte, hielt ich den Mund bzw. ruderte zurück. Ich redete es mir so lange schön, bis ich wirklich glaubte, dass das alles ja nicht schlimm sei.

@Forenleitung
Ich mag den Titel nicht. Trennungsforum hin oder her, ich habe diesen Beitrag in Offtopic gestellt, weil wesentlich mehr als eine Trennung dazu führte, dass ich mich verändert habe. Zudem liegt es mir fern die Trennung in diesem Beitrag zu thematisieren.

Es ist ein Verlauf und ein Weg aus (m)einer Vergangenheit zu der mehr gehört als die Trennung. Es entspricht absolut nicht dem, was ich mit diesem Beitrag erreichen wollte. Fürchterlich pauschalisiert. . .

18.09.2018 10:20 • x 3 #6


Kerstin_2016


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Danke @Forenleitung

18.09.2018 17:37 • #7


solonely


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Laut Aussage von Familie und Freunden gibt es bei mir eine besonders deutliche Veränderung:
Ich sei ein sehr ernster Mensch geworden

18.09.2018 19:21 • x 1 #8


KBR


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Gerade heute wurde mir mal wieder bewusst, dass ich gelernt habe, dem Leben zu vertrauen.

Auch wenn ich einerseits die Regisseurin meines Lebens bleiben möchte, gibt es doch Anlässe, bei denen es sinnvoll ist loszulassen. Für jemanden, dem Kontrolle immer wichtig war, ist das ein befreiendes und entlastendes Gefühl.

Das Loslassenkönnen ist das Ergebnis der Erkenntnis, dass die Beziehung, die mir so viel bedeutet hat und die so perfekt für mich war, von ihm gegen die Klippen gesteuert worden wäre. Meine Geduld hätte seiner Suchtproblematik vermutlich nicht Stand gehalten. Es dauerte lange, zu begreifen, dass das Leben es gut mit mir meinte, als er sich trennte.

Gerade heute (ich quälte mich seit etwa zwei Wochen mit den Vor- und Nachteilen eines beruflichen Angebots herum) wurde mir urplötzlich klar, dass ich den Dingen ihren Lauf lassen kann in Vertrauen auf das richtige Ergebnis.. D.h. in diesem Fall, die kommenden Wochen werden den Weg weisen, ohne dass ich dazu jetzt etwas entscheiden müsste. Bis jetzt hatte ich mich zu einer Entscheidung genötigt gesehen. Aber es einfach geschehen zu lassen und abzuwarten in dem Bewusstsein, dass das Ergebnis so oder so das Richtige sein wird, ist neu für mich. Es kam entspannte Gelassenheit über mich, wo vorher Druck war.

Vertrauen - nicht in einen Menschen, aber in das Leben - ist mein Hauptgewinn aus meiner Lebenskrise.

Außerdem bin ich dankbar für das Wissen, dass trotz Krise die Depressionen beherrschbar blieben. Das gibt mir Sicherheit.

Das Feedback der Außenwelt in diesem Jahr darüber, wie gesund und in mir ruhend ich wirke, bestätigt die gefühlte Gelassenheit. Die mit dem obigen beruflichen Angebot einher gehende Anerkennung ebenfalls.

Ich bin mittlerweile dankbar für das Lernen und die Begegnungen infolge der Trennung. Ich empfinde meinen Horizont als erweitert. Nach wie vor bin ich erstaunt über mein mangelndes Interesse an potentiellen Partnern, aber ich spüre Frieden damit.

Es ist alles gut, wie es ist. Alles fließt. Manchmal kaum spürbar, aber dafür zu anderen Zeiten umso besser.

18.09.2018 20:39 • x 5 #9


Kerstin_2016


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@solonely
Zitat:
Ich sei ein sehr ernster Mensch geworden


Ich nehme solche Aussagen nicht mehr als die in Stein gemeisselte Wahrheit. Ich nehme es an, ja, und denke darüber nach. Wie meine Geschichte mit dem "nicht verzeihen können". Man sagte mir auch schon "schau nicht immer so grimmig drein". Ich schmunzel darüber, denn in solchen Momenten bin ich ausnahmslos einfach nur konzentriert. Meine Zornesfalte kommt dann halt nur besonders gut zur Geltung und schwupp entsteht dieser Eindruck, den andere wahrnehmen, jedoch nicht der Realität entspricht. Ich hinterfrage es dann schon, weil (gerade früher) solche Aussagen bei mir dafür "gesorgt" haben, dass ich wirklich so annahm. Annahm dahingehend, dass ich die Haltung wirklich eingenommen habe und diese Haltung dann auch verinnerlichte. Frei nach dem Motto: na, wenn das so viele sagen, dann muss es ja stimmen. Nein, eben nicht. Wie gesagt: hinter die Stirn gucken kann mir keiner. Ist man recht gut/sattelfest/entspannt im Alltag unterwegs, dann kann durchaus darüber (kritisch) nachgedacht werden, in welchem Blickwinkel mein Gegenüber da gerade tatsächlich unterwegs war. Ich habe da auch schon mal nachgebohrt, wenn ich es genau wissen wollte. Es kam erstaunliches dabei heraus zum Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung.

@KBR
Da hast Du was geschrieben!
Ich sehe mich darin wieder. Es gibt Dinge die wären vor einem Jahr für mich nicht möglich gewesen. So ziemlich alles was in irgendeiner Form mit Kontrolle zu tun hatte. Die Bandbreite ist dahingehend emens breit gestreut gewesen: Freundschaften die kaputt gingen (keine Kontrolle mehr über die "Verbindung"), Auseinandersetzungen die nicht ausgetragen wurden (abwarten, nicht reagieren können, keine Kontrolle über die Situation haben), Miet-Kündigung erhalten (keinen Einfluß haben zu können), mich selbst verloren zu haben ( kein funktionieren mehr und damit das Gefühl zu haben mich nicht mehr unter Kontrolle zu haben), emotional abzurutschen (Gefühle konnte ich gut wegdrücken, also "kontrollieren") usw.
Eigentlich lief alles bei mir auf Perfektion (100%), Leistung (120%) und Kontrolle (100%) hinaus. Leistung konnte ich irgendwann nicht mehr bringen, weil ich völlig hinüber war. Damit litt meine Perfektion, weil ich die nicht mehr ausleben konnte, weil keine Power mehr da war. . .und damit habe ich über "alles" die Kontrolle verloren. Meine Welt lag in Trümmern.
Bei dem Wideraufbau sollte ich lernen, dass es Dinge gibt, die nicht zu kontrollieren sind und ich mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit (und Geduld) dem Negativ-Denken recht gut entgegenwirken konnte. Meine Perfektion prescht mir gerne noch mal dazwischen. Hier versuche ich Grenzen zu ziehen und vom meinem schwarz/weiß Denken wegzukommen. In meinem Job gestehe ich mir das zu. Es hilft mir gut in meinem Job zu sein und da es dabei auch um Leben/Tod geht, hilft mir meine Perfektion, die Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Privat versuche ich mich zu traineren, dass Perfektion nicht das Mass aller Dinge sind. In der Renovierungszeit konnte ich das Training besonders gut ausleben. Wir leben in einem Altbau vom Feinsten: keine gerade Wände, Deckenversatz, schiefe Böden, Strohdecken... die Wohnung hat mich trainiert und die Perfektion kann mich mittlerweile mal gerne haben . Nicht weil ich kapitulierte, sondern weil ich auch feststellte, dass "Nicht-Perfektionismus" durchaus seine symphatischen Seiten hat.

@all
Ich danke Euch für Eure Zeilen. Sie inspirieren mich, hier und da noch mal nachzudenken und zu schauen wie das bei mir so mittlerweile ist. Ich aktualisiere meine Seiten in meinem Buch gerade zum Thema "Wer bin ich", da hier doch die letzten Monate eine Menge in mir passiert ist.

Habt Ihr eigentlich "Leitsätze"?
Also "Sprüche" die Ihr Euch zu eigen gemacht habt?

Ich stelle immer wieder fest, dass ich diese ebenso anpasse wie meine Punkte zum Thema "Wer bin ich".
Ich tausche aus, streiche weg, Neues kommt hinzu und ich finde das ziemlich interessant, weil ich daran auch sehen kann, dass ich mich weiter entwickel.

Mein Liebling unter den Weisheiten ist aktuell:

Manchmal beginnt ein neuer Weg nicht damit Neues zu entdecken, sondern damit, Altbekanntes mit ganz anderen Augen zu sehen.

18.09.2018 23:53 • x 9 #10


Grace_99


Hab einige Zeit darüber nachdenken müssen (über deinen Thread) und mich gefragt, ob ich mich so schonungslos mir gegenüber öffnen möchte.....?

Mir hat der Forumsgrund da Herz rausgerissen. Ich habe viel in meinem Leben erlebt, 2 Kinder allein groß gezogen, von den Eltern gelöst, Therapie gemacht etc. und trotzdem nie den Glauben an die Menschen und an die Liebe verloren.

Mein Forumgsgrund hat mir vorgelebt, wie gut man als Vater sein kann. Ich selbst nie diese Erfahrung gemacht (weder selbst noch mit dem Erzeuger der Kinder) und er kann es. Er ist ein guter, liebevoller Vater. Bei seinen Kindern so empathisch, so toll einfach. Das hat mich immens berührt und bei mir eine Stelle gedeckelt, die so leer ist.

Ich habe zu lang die Augen verschlossen, dass er aber als Partner für mich nicht gut ist und wollte ihn (den Vater) nicht verlieren und habe mich klein gemacht, alles war meine Schuld etc. pp. gedacht und so agiert. Das loslösen nach der Trennung kam einem Hurrican gleich, ich dachte nicht, dass ich das schaffe. Ich war tot. Innerlich, äußerlich - tot. Ganz schlimm.

Was hat sich seit dem verändert? Ich habe neue Leute kennengelernt. Habe den Kontakt zu meinen besten Freunden (gegenseitige Paten bei den Kindern, seit 25 Jahren beste Freunde) aufs Eis gelegt, weil ich ihnen nicht verzeihen kann, dass sie weiterhin Kontakt (guten) mit meinem Ex hatten (haben?). Das ist für mich so ein großer Verlust an Loyalität und Vertrauen, dass kann ich nicht verzeihen. Ich vermisse meine Freunde, ich habe sie sehr lieb, aber ich kann nicht über meinen Schatten springen.

Ich habe gelernt, wieder ich zu sein, habe meinen Selbstwert gefunden (noch nicht zu 100 %), kann wieder lachen, Spaß haben. Kann atmen. Brauche ab und an noch die Bestätigung von außen, dass ich ein guter, liebenswerter Mensch bin, wenn ich wieder mit mir hadere.

Ich habe gemerkt, dass ich den Glauben an Liebe verloren habe, auch das Vertrauen, was man im Voraus gibt, ist weg. Ich bin mißtrauischer, nachdenklicher und irgendwie kaputt zurück geblieben. Ich kann lieben, aber nicht mehr so, wie ich es mal tat. Auch ist die Tatsache, dass das, was ich mir wünsche, konträr geht zu dem, was ich wirklich kann. Der Wunsch: Irgendwann zusammen ziehen, eine tolle Beziehung haben. Die Realität: Kann keinen Menschen mehr 24/7 um mich haben (Kinder ausgenommen), brauche meine Freiräume, kann nicht mehr so unbefangen lieben und geben. Ich habe immer gern gegeben (in einer Beziehung), krieg ich irgendwie nicht mehr hin. Auch möchte ich keinen Alltag mehr in einer Beziehung, das, was ich sonst immer hatte: zusammen einkaufen, kochen, zusammen chillen etc. pp. Damit komm ich nicht mehr klar.

Meine Kotzgrenze ist kürzer geworden, mir fehlt die Geduld für Dinge. Was mir nicht mehr gefällt, sage ich laut und deutlich. Bin da manchmal sehr unfair unterwegs, aber ich kann nicht anders.

Mir wurde durch die Erfahrung mit Forumsgrund viel genommen.

Es ist natürlich auch viel dazu gekommen, neue Freunde, neue Hobbies usw. usf. Aber auf Beziehungsebene ist sehr viel in mir kaputt gegangen.

20.09.2018 10:25 • x 4 #11


Deion


Zitat von Kerstin_2016:
Was habt Ihr gelernt? Was konntet Ihr so mitnehmen? Wie hat es Euch verändert und wie ruhend seid ihr dadurch in Euch selbst? Was macht Euch heute noch Probleme oder was für "Randerscheinungen" sind aus der Ex-Zeit geblieben?

Liebe Grüße
Kerstin


Liebe Kerstin!

Ein "geniales" Thema, wenn ich so sagen darf.

Die Erlebnisse, die ich für mich hatte, haben mich geprägt. Nachhaltig. In mehrfacher Hinsicht.

Nach dem Supergau habe ich so ziemlich jeden Mist erlebt, den man haben kann. Davon bin ich teilweise noch heute betroffen, vier Jahre nach der Trennung. Meine Ex log, betrog und verzog sich.

Neben zahlreichen Verlusten bei Menschen, Tieren und Besitztümern kam letztes Jahr als krönender Höhepunkt dann noch der Kollaps, Burnout, Mini-Schlaganfall. Folge daraus: Gedächtnisverlust, Insolvenz, Vermögens- und Berufsverlust, Gesundheit im Ar.... usw usw.


Der 1. Wendepunkt kam Ende 2017/2018: Umzug in eine andere Stadt. Bruck mit dem gesamten vorherigen Umfeld, absolute Neuorientierung von A bis Z. Neue kleine bezahlbare Mietwohnung in anderer Stadt, neuer Job (unbedeutend, nicht sehr üppig bezahlt, Schichtdienst, aber ich hatte was zu tun). Wiederaufnahme meines geliebten Sports, langsamer stetiger Aufbau meines einst in Scherben liegenden Lebens.

Es geht mir ähnlich wie Dir: Es gibt noch die eine oder andere Baustelle. Aber ich gehe es gelassen an, habe akzeptiert, ich kann nicht alles machen, erledigen oder mal eben so aus der Welt schaffen (wie z.B. die Insolvenz).

Eine neue Beziehung habe ich nicht, mag daran auch nicht mehr so recht glauben, dafür ist zu lange nichts passiert. Ich bin zwar auf einer SB angemeldet, aber eher mit dem Gedanken "Freizeitpartner", nicht (mehr) Lebenspartnerin.

Ich lebe bescheidener, aber zufriedener. Kann genießen, was ich habe und schaffe. Habe, was ich brauche und einst bedroht war. Und lebe mit der Erkenntnis:

Nicht alles ist in meiner Macht. Beziehungen müssen nicht unbedingt sein. Für ne Affäre oder ONS ist es tausendmal leichter zu Erfolgen dieser Art zu kommen als zu festen Beziehungen (leider).

Ich lebe mehr in den Tag hinein, mache mir nicht allzuviele Gedanken um die Zukunft. Nur soviel, wie nötig und erforderlich ist. Zeigt sich im Alltag und in meinem Leben auf vielerlei Art und Weise.

Ob´s nochmal klappt mit der Liebe. Ich glaube nicht. Aber ich sage nicht "nie".

L.G.

20.09.2018 12:13 • x 2 #12


Kerstin_2016


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@Grace_99
Danke für Deine Zeilen! Du hast Post

@Deion
Zitat:
Ein "geniales" Thema, wenn ich so sagen darf.

Danke

Diese Zeilen nehme ich gerne mit:

Zitat:
Nicht alles ist in meiner Macht.

Zitat:
Ich lebe mehr in den Tag hinein, mache mir nicht allzuviele Gedanken um die Zukunft. Nur soviel, wie nötig und erforderlich ist.


Das unterschreibe ich aktuell auch.
Ich lebe im Jetzt, nicht in der Zukunft und erst recht nicht in der Vergangeheit. Meine Gegenwart ist absolut lebenswert. Noch ein wenig aufgehübscht mit dem einen oder anderen lang-/kurzfristigen Ziel, damit ich auf etwas hinarbeiten kann. . .ansonsten ist "entspanntes Mitfließen" angesagt. Ich vertraue mir und dem Leben ruhend und habe schlicht weg meinen Alltag. Anfangs recht ungewohnt, da ich 120% Power über Jahre gewohnt war, stelle ich nun fest: tut auch nicht weh

Nächster Leitsatz:
Ich arbeite um zu leben und leben tu ich heute.

20.09.2018 17:42 • x 3 #13


fe16

fe16


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Zitat von solonely:
Laut Aussage von Familie und Freunden gibt es bei mir eine besonders deutliche Veränderung:
Ich sei ein sehr ernster Mensch geworden



Das finde ich sehr schade . So zeilen stimmen mich traurig .

Weil Lachen ist das beste was es gibt .

Das lachen ist zu mir zurück gekommen .
Auch habe ich den Perfektionismus abgelegt .


Und ich kann wieder behaupten ich liebe mein Leben

20.09.2018 19:27 • x 5 #14


Kerstin_2016


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Aus einem anderen Beitrag "geklaut". . . @Teufel ich hoffe, das ist OK für Dich.

Zitat von Teufel:
[...]
Frage des Tages: Bin ich lieber in Gesellschaft oder alleine?
[...]


Diese Frage des Tages. . .Triggerthema mit dem ich mich immer mal wieder und immer öfter auseinandersetze.
Zum einen ist es situationsbedingt bzw. der Tagesform geschuldet und zum anderen ist es auch die Frage mit wem ich in Gesellschaft bin.

Und schon beginnt das sezieren meiner Gedanken.

Es gibt wenige Menschen, mit denen bin ich lieber in Gesellschaft.
Aber was den Großteil betrifft: danke, lieber allein.

Auch sonst bin ich im Gegensatz zu früher wesentlich zurückgezogener. Früher hatte ich das in der Regel, wenn es mir nicht gut ging. Heute ist das Gegenteil Programm: geht es mir gut, bin ich lieber allein. Ich mag meine eigene Gesellschaft, geniesse und nutze die Zeit mit mir selbst. Menschenmengen strengen mich an, gefühlt nehme ich jede Emotion anderer Menschen auf und ich "fühle" in Gesichertern was ich nicht fühlen will. Ich bin anschliessend platt, leergesaugt und habe noch keinen Dreh gefunden, wie ich das von mir fern halten kann. Keine Ahung warum sich das so geändert hat . . . oder ich habe damals gar nicht so wahrgenommen wie heute.

Gesellschaft im Allgemeinen ist für mich anstrengend. Einzele Personen in meiner Gesellschaft: das geht. Ich kann mich auf zwei Menschen konzentrieren, mein Gegenüber und mich selbst. Auch hier kommt es darauf an, wer mein Gegenüber ist und in welcher Situation.
Gehe ich eine Runde feiern (mache ich alleine und selten bis nie in Gesellschaft). . .bin ich schnell genervt, wenn es zu voll ist (Tanzfläche, Tresen). Das wird mir "zu eng", im wahrsten Sinne.

Gesellschaften bei Feiern, Betriebsfeste, Betriebsveranstaltungen ist nicht meins. Mir ist das zu oberflächlich, zu "geschauspielert", "zu lustig". . . wirklich authentisch kann und will ich da nicht sein. Dort nehme ich eher die beobachtene Haltung ein.

Auch meine "Bar des Vertrauens" bertrete ich nur noch seltenst. Vielleicht weil ich spüre, dass ich dieses "Auffangbeckern" nicht mehr brauche. Auffangbecken deswegen, weil es einige Monate mein Anlauf war, wenn ich einmal raus wollte um mich abzulenken. Oder auch, weil daraus entstandene Kontakte mich als Freundin bezeichnen, privat aber nichts zu Stande kommt. Für mich gehört zu einer Freundschaft einfach mehr als am Tresen zu sitzen und Bierchen zu (paar ^^-)kippen.

Beim Betrachten meiner Zeilen stelle ich dann doch fest: ich bin generell lieber allein; wüßte aber nicht wie ich das begründen sollte. Ja, es ist eine weitere Veränderung nach dem Tiefpunkt. Schlecht geht es mir jetzt nicht mit der Erkenntnis, jedoch werde ich die Tage da noch mal genauer nachsehen. Gefühlt hat das nichts mit Vertrauen zu tun, bauchtechnisch würde ich behaupten: ich möchte einfach Ruhe und Zeit für mich. Ich habe meine wenigen, aber guten Freunde und das reicht mir an Gesellschaft.

Damals wollte und hatte ich einen großen Bekanntenkreis. Die Qualität dieser Bekanntschaften ist heute aber nicht mehr das, was ich mir aufbauen möchte. Es bereichert mich nicht mehr.

Teufel, danke für diesen Trigger
Es gibt mir die Möglichkeit noch mal genauer zu schauen.

22.09.2018 08:25 • x 3 #15




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