Moin Stefanie,
Du hast dir da einen "Steinhaufen Ärger an den Hals gehetzt", wie Sheriff Donnerknall immer zu sagen pflegte.
Ich habe diesen Thread gelesen und wollte erst nichts schreiben, da ich selbst kinderlos bin und mich gerne aus Themen raushalte, von denen ich keine Ahnung habe. Allerdings sind mir ein paar Aussagen von dir aufgefallen, die ich gerne beleuchten würde, da ich glaube dass du dort ggf. einen blinden Fleck hast. sicherlich ist es auch dem geschuldet, dass der Liebeskummer plus deiner anderen Sorgen nun geballt auf dich einprügeln. Als ich vor en paar Jahren massiven Liebeskummer hatte, war ich selbst so verunsichert, dass ich nicht mehr wusste, was richtig und was falsch ist.
Fangen wir mal an

Zitat von Stefanie85: Ich habe es irgendwie ausgehalten, da mein Partner mir halt gegeben hat das alles durch zu stehen.
Das sehe ich etwas ambivalenter. Natürlich bietet eine Partnerschaft Halt und Rückendeckung (solange sie gesund ist), aber sie bedarf auch Pflege. Das konntest du zum Ende hin einfach nicht mehr leisten, da deine Tochter dir so viel abverlangt hat. Nun kann man das moralisch aus zwei verschiedenen Perspektiven sehen:
1. Aus deiner Perspektive. Du willst nicht mit deiner Tochter brechen, fühlst dich massiv verantwortlich und ein liebender Partner kann/sollte dich unterstützen im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber auch eigenen Grenzen. Auch wenn es nicht die Ehe ist: in guten, wie in schlechten Tagen. So habe ich bisher meine Partnerschaften gelebt.
2. Aus seiner Perspektive. Es ist nicht seine Tochter - sie ist aber ein Teil von dir und deiner Welt, sogar ein sehr großer. Allerdings (siehe Grenzen) hat auch er eine Verantwortung gegenüber seinem eigenen Seelenheil. Ich kenne seine Perspektive sehr gut. Auch ich hatte mal eine Partnerin, die Psychisch sehr angeschlagen war und ich sage seitdem immer wieder: Sowas kann anstecken! Versuch ihn auch ein wenig als Mann zu verstehen. Wir Männer haben nicht selten das Problem, dass wir unsere Lieben schützen wollen und uns als Verlierer fühlen, wenn wir es nicht können. Die meisten Männer, die ich kenne, gehen für ihre Frau durchs Feuer wenn es sein muss. Nun stell dir vor, er sieht es immer wieder, dass deine Tochter dir das Leben zur Hölle macht und wie handlungsunfähig er zusehen muss, dass es dir immer schlechter geht. Ich kann dir von mir berichten: Hilflosigkeit ist eines der schlimmsten Gefühle, die es in meinem (menschlichen) Repertoire gibt - und damit stehe ich nicht alleine da. Er hat keinen Erziehungsauftrag bei ihr, vermutlich würde deine Tochter nicht mal auf ihn hören, nachdem was du schilderst, wie sie dich behandelt. Wenn ich vermuten müsste, würde ich sagen, dass er ab einem gewissen Punkt sich selbst angefangen hat zu schützen. Daraus würde ich die kausale Vermutung ableiten, dass das der Beginn des "Entliebungsprozesses" war. Denn tatsächlich glaube ich auch, dass er sich entliebt hat.
Zitat von Stefanie85: Er konnte den Stress nicht nochmal durchlaufen. Wir haben immer viel unternommen, die letzten Monate haben wir gelebt wie Bruder und Schwester und er hat nicht mehr gemerkt das von meiner Seite noch Gefühle da waren.
Hat er das auch vor der Trennung schon einmal angesprochen? Ist so ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite kann ich mir vorstellen, dass er dir nicht noch mehr Stress und Druck machen wollten - neben den Problemen mit deiner Tochter, auf der anderen Seite hast du ja berichtet, dass er eher kühl und nicht der Mann der Kommunikation ist. Von daher darfst du ihm auch den Stiefel anziehen, dass er seine Anteile trägt. Leider geißelst
du dich in meinen Augen zu sehr für den Niedergang eurer Partnerschaft. Dazu gehören erfahrungsgemäß in den meisten Fällen immer zwei.
Zitat von Stefanie85: Es hat sich auch nicht so viel verändert vom Kontakt her.
Wie auch schon andere sagten: Ändere das! Konzentriere dich auf deine Heilung. Heilung von den Problemen mit deiner Tochter, Heilung von der Trennung. Du hast die letzte Phase eurer Partnerschaft als "Bruder-Schwester"-Konstellation beschrieben. Was hat sich nun für ihn geändert? Eigentlich nichts. Er hat dich weiter als Vertrauensperson, redet mit dir über seine Probleme und Sorgen (offensichtlich kann er das JETZT - obwohl du am ende bist) und du bist immer ansprechbar für ihn. Auf deutsch: Er ist all den Stress und den Druck eurer Partnerschaft los, das Gute nimmt er aber auf DEINE Kosten mit in seinen Neubeginn ohne dich. Fair finde ich das nicht wirklich.
Zitat von Stefanie85: Er hat mir ganz klar gesagt es fällt ihm auch nicht leicht aber es ist nun wie es ist und ich soll mir keine Hoffnungen machen.
Wenigstens ist er da klar. Kurze Frage: Ist eine andere Frau (auch wegen seiner beruflichen Beförderung und ggf. Umfeldwechsel) auszuschließen? Meist sind Männer, die sonst eher wortkarg sind und dann auf einmal so klar kommunizieren, schon neu orientiert. Ich möchte dir da keine Angst machen, aber könnte das ggf. sein?
Zitat von Stefanie85: Wie bekomme ich die nötige Distanz hin?
Kontaktsperre - rigoros. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Zitat von Stefanie85: Ich will ihn auf keinen Fall verlieren.
Warum? Was genau fehlt dir? Siehe auch dein Posting von heute morgen... Kein Bedürfnis ihn zu küssen, du möchtest nicht, dass er dir ein Revival anbietet... Denk mal drüber nach, was das bedeutet. Du vermisst vermutlich eher die Projektionsfläche deiner Bedürfnisse als die Realität, so meine Vermutung.
Zitat von Stefanie85: Ich werde ihr immer helfen so gut ich kann nur muss ich langsam wirklich auch auf mich aufpassen.
Kennst du das aus Flugzeugen? Die Belehrung vor dem Start im Katastrophenfall? ERST SELBST die Sauerstoffmaske aufsetzen,
dann anderen HELFEN beim aufsetzen. Du kannst nicht helfen, wenn du selbst erstickst...
Weißt du, ich glaube du bist ein Mensch, der auch das Wort Hilfe für sich falsch definiert hat. Habe auch ich jahrelang. Ich bringe hier gerne immer ein Beispiel was veranschaulichen soll, was ich meine:
Wenn du einen Marathonläufer Huckepack ins Ziel trägst, weil es die 42km aus eigener Kraft nicht schaffen kann, dann hast du zwar seine Last übernommen und mit DEINEM hohen Energieaufwand für ihn geregelt. Allerdings wird er beim nächsten Marathon wieder nicht aus eigener Kraft die Ziellinie überqueren können. Zudem hat er gelernt, dass ihn ja jemand Huckepack tragen wird. Wenn du aber am Streckenrand stehst, ihm Wasser reichst, weil er jappst und keucht, ihn anfeuerst und beistehst, dann kann er es aus eigener Kraft schaffen. Selber etwas aus eigener Kraft mit Unterstützung (!) von außen erreichen - das hat auch einen Lerneffekt. So wird er lernen und wissen, was er für den nächsten Marathon braucht um ihn aus eigener Kraft zu schaffen.
Fazit: Hilfe ist in den seltensten Fällen komplette Lastübernahme. Hilfe ist Unterstützung zur Selbsthilfe.
Zitat von Stefanie85: Sie geht um ihren Willen zu bekommen über Leichen. Sie wollte zum Beispiel nach 3 Wochen mit ihrem jetzigen Freund zusammen ziehen. Ich habe natürlich Nein gesagt sie durfte ihn treffen bei ihm schlafen ect aber ausziehen stand für mich nicht zur Debatte. Sie hat einen Selbstmordversuch vorgetäuscht um mir zu zeigen wie sehr sie mit ihm zusammen wohnen möchte. Das war letzten September. Sie hat mich beim Jugendamt als die schlimmste Mutter hingestellt die es gibt um einen Härtefall durch zu bekommen damit sie eine eigene Wohnung bekommt um mit ihm zusammen zu ziehen.
Dann lass sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Demut und Läuterung erlernt man nicht durch ein-/zureden. Das lernt man durch eigene Erfahrungen. Sie ist alt genug, wie hier schon jemand sagte, um zu wissen dass Handlungen Konsequenzen haben. Gibt es bei ihr eine gesicherte Diagnose?
wie oft willst du ihr noch sagen, dass die Herdplatte heiß ist und man nicht rauffassen sollte? Irgendwann solltest du sie rauffassen lassen. Sie ist jung, jedoch nicht zu jung - das wird sie nicht umbringen. Sie darf und muss Erfahrungen sammeln - gute wie schlechte Erfahrungen. Auch wenn dich das als Mutter schmerzt, auch du solltest lernen, dass du ihm nun immer mehr Leine geben musst und der Ablösungsprozess beginnen sollte. Meiner Mutter versuche ich das immer noch beizubringen, dass ich nicht wöchentlich seit 20 Jahren in HH verhungere. Sie fragt mich jede Woche, ob mein Kühlschrank gefüllt ist und ob ich genug esse. Jetzt schau mal auf mein Alter xD
Gerne wird von Müttern ein Totschlagargument angeführt: "Wenn du mal Kinder hast, dass wirst du das auch so empfinden". Mittlerweile sage ich: "Jetzt weißt du, weshalb ich keine Kinder habe. Ich möchte sie nicht auch so drangsalieren" (natürlich mit einem Augenzwinkern).
Zitat von Stefanie85: Meine kleine ist sehr erleichtert darüber und öffnet sich wie sie auch unter allem gelitten hat.
Deine kleine Tochter braucht eine gesunde Mutter, eine die Kraft hat und nicht ihre Kraft auf auf eine fast erwachsene Tochter komplett (entschuldige das Wort) verschwendet. Du hast doch auch mitbekommen, als sich deine 13 Jährige geöffnet hat, wie belastend es für sie ist. Kinder mögen auch nicht (Stichwort Hilflosigkeit) mit ansehen, wie die eigenen Eltern leiden und das tust du ja leider sehr.
Zitat von Stefanie85: Ich muss gestehen ich bin am Ende.
Und darum: Lass deine Tochter ihre Erfahrungen machen. Denk an die Flugzeugbelehrung.
Zitat von Stefanie85: Immer wieder diese Frage was richtig und was falsch ist macht mich wahnsinnig
Ach, mach dir da keinen Stress. Oft ist es so in der Welt, dass es kein wirkliches "Richtig" und "Falsch" gibt. Je nach Perspektive und Flughöhe ist die Wahrheit meist irgendwo dazwischen.
Zitat von Stefanie85: Und bis an einen gewissen Punkt kann ich mich in sie rein versetzen das es weh tut wie ihr Partner sie behandelt das sie gerne mit ihm zusammen wohnen würde, wenn es denn zwischen den beiden klappen würde
Aber sie lässt es mit sich machen. Sicherlich kann ich deinen mütterlichen Instinkt verstehen, dass du sie schützen willst. Aber du kannst sie nicht vor allem beschützen. Sie lässt es mit sich machen und es schmerzt offenbar noch nicht genug als dass sie erkennt: Ich will das nicht mehr. Wohlgemerkt: dass SIE es erkennt. Sie hat einen völlig anderen Blick auf diesen Typen und dementsprechend wird sie die Dinge anders sehen. Das ist wie mit dir und deinem Ex. Alle hier sagen: Lass ihn ziehen, der ist durch mit euch. Du hast eine völlig andere Perspektive auf ihn. Dein Hirn sagt vermutlich, dass wir recht haben, aber dein Herz und deine Bedürfnisse sagen eher was anderes. Darum leidest du auch.
Zitat von Stefanie85: Sie hatte mich jeden Tag als Stütze aber auch mich hat sie wieder abgestoßen. Sie nimmt einfach keine Hilfe an. Und jetzt kann ich einfach nicht mehr.
Lies dir das mit dem Marathon-Läufer nochmal durch. Wenn der das Wasser wegschlägt, kannst du ihn nicht zwingen es zu trinken. Dann muss er seine Erfahrungen machen und zusammenklappen.
Zitat von Stefanie85: Ich habe keine Kraft mehr für das Glück meiner Tochter zu kämpfen und dann wieder nen Schlag von ihr bekommen.
Und das ist auch nicht deine Aufgabe. Du, liebe Stefanie bist nun erstmal dran, für DEIN Seelenheil und deine Gesundung zu kämpfen. Damit du auch wieder eine Vollständige Mutter für deine kleine Tochter sein kannst. Damit du wieder du wirst und auch DU hast ein Recht auf Zufriedenheit und Glück.
Zitat von Stefanie85: Er hat es ja auch lange getan es lag auch mit an meiner Veränderung das ich ihm wohl nicht mehr gezeigt habe was er mir bedeutet und wir uns auseinander gelebt haben.
Er hatte immer die Möglichkeit es anzusprechen. Er hat aber eher den unkommunikativen Weg gewählt. Mach dich dafür nicht fertig. Deine Gedanken und deine Kraft wurden an anderer Stelle geformt und abgezogen. Jeder Mensch, der das Wort Kausalität und auch Empathie kennt, sollte das in seiner 1+1 Rechnung sehen können. Womit ich ihm das nicht absprechen möchte. Vielleicht wollte er dich auch schützen. Das kann ich eben nicht sagen, denn ich kenne ihn nicht. Auch hat er ja sich seinen Raum und seine Zeit für den neuen Job nach der Beförderung genommen. Du sagtest was von "viel Stress" im Zusammenhang mit der Beförderung. Von daher; schau ein wenig mehr aus der Vogelperspektive drauf. Ich glaube einfach, dass ihr euch als Paar verloren habt und beide schleichend in einen "Entliebungsprozess" eingetreten seid. Schleichend wie gesagt, nicht vorsätzlich. Das passiert sehr viel häufiger als die meisten glauben.
Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Gedankenanstöße geben.
Versuche am Wochenende auch mal rauszukommen, mal an die Elbe zu fahren, vielleicht ein paar Schiffe mit deiner Tochter im Hamburger Hafen zu gucken (mich entspannt das immer ungemein) und vielleicht setzt ihr euch hin und esst entspannt ein Eis.
Und nicht vergessen: Wenn es ist, hier ist eigentlich zu jeder Tag- und Nachtzeit jemand und hört dir zu.
