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Aus nach 19/ 12 Jahren

Stephan1973

Stephan1973

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Meine traurige Geschichte.

Nach über 19 Jahren, davon 12 Jahren Ehe, hat mir meine Frau im Januar signalisiert, dass es für uns keine Zukunft als Liebespaar mehr gibt.

Daraufhin bin ich (leider, leider) sehr überstürzt ausgezogen aus unserem wunderschönen, renovierten Häuschen
Bj. 1949 am Hang mit toller Aussicht zu meinen Eltern in die Einliegerwohnung,
25 m2, in ein besseres Loch.

Im Häuschen habe ich 8 1/2 Jahre gelebt mit meinen beiden wundervollen Töchtern, 7 und 11, beides Wunschkinder, meiner Frau und meiner geliebten Katze.

Meine Frau und ich hatten immer wieder große Probleme, sie hatte zig Affären (u.a. mit meinem besten Freund) , ich habe selbstverständlich auch Fehler gemacht, aber wir haben uns immer wieder zusammen gerauft. Verschiedene Beziehungsmodelle wie z.B. offene Beziehung schlugen fehl.

Dieses Mal, und nun leider das letzte Mal, ist ein junger Mann (30) dazu gekommen, in den sich meine Frau (40) verliebt hat und mit dem sie im letzten halben Jahr unserer Beziehung quasi schon mehr oder weniger zusammen war. Sie war an den Wochenenden fast immer mindestens eine Nacht bei ihm und ist am nächsten Mittag heim gekommen.

Ich habe nun alles verloren: meine Partnerin, meine Kinder (diese sehe ich glücklicherweise noch relativ oft), mein Heim, mein Haustier, meine Familie.

In Summe ist das alles fast nicht auszuhalten. Was ich bei meinem überstürzten Auszug rational einfach nicht mehr bedenken konnte, ist dieses wirklich fürchterliche Heimweh nach Haus und Familienleben. Die Vorstellung, nie wieder mit meinen (drei) Mädchen zusammen zu essen und in den Urlaub zu fahren, ist unbeschreiblich schlimm. Der normale Liebeskummer kommt dazu.

Wenn ich meiner ehemaligen Familie die Möglichkeit gebe, im Haus wohnen zu bleiben, werde ich vielleicht immer darunter leiden müssen. Wir wohnen unter 7.000 Seelen, ich muss sehr oft am Häuschen vorbei fahren, ob ich will oder nicht. es ist psychische Folter. Im Frühjahr wollte ich sehr viel im/ am Haus arbeiten. Nun bin ich zum Nichtstun verdammt. wenn ich meine Verflossene dazu dränge, zu verkaufen, zieht sie vielleicht weiter weg und ich kann meine Kinder nicht mehr regelmäßig sehen. ,

alles ist sehr verzwickt und alles hängt mit allem zusammen. ich habe das Gefühl, nur noch weiter verlieren zu können .

Sagt mir, kann die Zeit auch solch große Wunden heilen. ?

Laut unseren (gemeinsamen) Freunden ist meine Ex von einer regelrechten Party-Queen nun zu einer vorbildlichen Hausfrau und Mutter geworden, die Kids sind happy und alles sei blitzeblank. zu unseren gemeinsamen Zeiten hat sie da nur das Allernötigste gemacht.

Ihren neuen Lover gönnt sie sich nun noch zweimal in der Woche, wenn die Mädchen über Nacht bei mir sind.

Denkt Ihr, dass meine Exfrau auf Dauer mit dieser Situation glücklich wird. ? Sie fühlte sich in meiner Gegenwart nicht mehr wohl und subtil unter Druck gesetzt, auch weil im Bett seit Aug 2019 gar nichts mehr lief.

Nun kann sie nach eigener Aussage durchatmen.

Danke fürs Lesen, dies war nur die Kurzfassung der Problematik.

und sorry, falls der Text teilweise etwas unstrukturiert wirkt. Nicht so einfach auf dem kleinen Iphone und z.T. habe ich auch etwas einkopiert, was ich woanders schon notiert hatte.

es war alles sch. im letzten 3/4 Jahr und eigentlich müsste ich froh sein. aber trotz all ihrer Kälte und den jahrelangen Problemen fehlt sie mir, es war ja nicht alles schlecht.

Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

LG
S.

14.03.2020 15:19 • x 3 #1


frechdachs1


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Zitat von Stephan1973:
es war alles sch. im letzten 3/4 Jahr und eigentlich müsste ich froh sein. aber trotz all ihrer Kälte und den jahrelangen Problemen fehlt sie mir, es war ja nicht alles schlecht.

Was genau war für dich die positive Seite an der Ehe (und bitte klammere dabei die Kids aus, denn die haben mit der Ehe nix zu tun). Laut deinen Aussagen, gabe es auch schon vorher Affären und Co. War das wirklich schön, oder redest du dir da die Lage schön?

14.03.2020 15:39 • x 2 #2



Hallo Stephan1973,

Aus nach 19/ 12 Jahren


hojaki

hojaki


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Hi... ich kann Dich gut verstehen. Da baut man sich ein Leben zu zweit auf und plötzlich liegen die Scherben vor den Füßen.
Bestimmt warst Du dir zu sicher das diese Ehe noch weitere Jahrzehnte besteht. Ich denke Du hast die Rechnung ohne den Wirt gemacht... da Deine Frau ganz andere Pläne hat/ te.

Nun was kannst Du tun? Ich denke Du solltest versuchen mit dieser Situation zu leben. Es bleibt dir auch nichts anderes übrig Bau Dir ein Leben auf und das ohne die jetzige Ehefrau. Vor allem hoffe nicht, das es noch einmal so wird wie es war.

14.03.2020 16:16 • x 1 #3


Irrlicht

Irrlicht


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Hey @stephan1973.... fühl dich erstmal umarmt .. trotz Corona ...

Zitat von Stephan1973:
Ich habe nun alles verloren: meine Partnerin, meine Kinder (diese sehe ich glücklicherweise noch relativ oft), mein Heim, mein Haustier, meine Familie.

Du hast deine Frau verloren, ja. Du hast auch das gewohnte Zusammenleben mit deinen Kindern verloren. Aber deine Kinder selbst - die hast du nicht verloren. Du bist weiter der Papa . Du kannst (und sollst) auch in dieser Situation an ihrem Leben und ihrem Aufwachsen teilhaben. Es ist alles neu zu organisieren aber mit gutemWillen auf beiden Seiten gibt es auch gute Lösungen.

Deine Frau hast du in Wahrheit schon lange vorher verloren. Sie hat dich nicht mehr geliebt und dich betrogen ... das war auch nicht fair. Aber jetzt ist es endgültig und du realisierst es erst so richtig. Das tut natürlich weh ...

Zitat von Stephan1973:
Die Vorstellung, nie wieder mit meinen (drei) Mädchen zusammen zu essen und in den Urlaub zu fahren, ist unbeschreiblich schlimm.

Du kannst aber noch mit deinen zwei Mädchen essen und auch in den Urlaub fahren. Alles eine Frage der Organisation.

Zitat von Stephan1973:
Wenn ich meiner ehemaligen Familie die Möglichkeit gebe, im Haus wohnen zu bleiben, werde ich vielleicht immer darunter leiden müssen

In erster Linie machst du es ja sicher deshalb, damit deine Kinder nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden, oder? Das ist eine großzügige Geste, in der vielleicht auch etwas Trost liegt? Das muss ja nicht für immer sein und auch du musst ja nicht für immer in dem "Loch" bei deinen Eltern wohnen.

Zitat von Stephan1973:
Sagt mir, kann die Zeit auch solch große Wunden heilen. ?

Ja das kann sie ... definitiv. Es kommen ganz sicher bessere Zeiten!

Zitat von Stephan1973:
Denkt Ihr, dass meine Exfrau auf Dauer mit dieser Situation glücklich wird.

Vermutlich. Es war ja ihr Wunsch, sie hat sich nicht mehr bei dir wohl gefühlt. Auch wenn es dir wehtut, deinen Töchtern kommt es aber sehr zugute, wenn sie eine zufriedene Mutter haben.

Vielleicht findest du ja ein wenig Trost in dem Wissen, dass du das beste für deine Töchter tust. Ein Rosenkrieg wäre für alle sehr schlimm..

14.03.2020 16:23 • x 2 #4


Imnotsure


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Hey,
Es tut mir leid davon zu lesen. So wie ich das hier sehe, vermisst du nicht unbedingt deine Frau, sondern eher sie gemeinsamen Erinnerungen. Ebenso deine Träume und Wünsche, die du dir mit ihr erfüllen würdest. Fakt ist, es lief schon eine Zeit lang nicht mehr gut. Und das hat irgendwelche Gründe. Diese Zeit vermisst du nicht, aber du darfst sie nicht Ausblenden. Deine Frau scheint schon länger wegzusein, du hast es nur noch nicht realisiert. Ich glaube, du hängst mehr an der Gewohnheit, als an ihr selbst. Hast du dir darüber vielleicht mal Gedanken gemacht? Fühl dich gedrückt

14.03.2020 16:26 • x 2 #5


Gracia


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Zitat von Stephan1973:
....nun kann sie nach eigener Aussage durchatmen......vorher Partymaus und nur das Nötigste gemacht....jetzt daheim alles blitzblank...Kinder sind Happy....


Klingt aber schon was schräg, deine Story. Deine Frau ist also nicht (mehr) in der Lage, dir körperliche Exclusivität zu bieten bzw will das nicht mehr. War das denn tatsächlich ein Agreement zwischen euch beiden, wo du die Öffnung auch praktiziert hast oder hast du diese Affären nur geduldet, damit sie bei dir bleibt?

Gehört euch das Haus 50/50?
Ist deine Frau berufstätig?
Bestand bei dir nie die Überlegung, dass deine Frau ja ebenso gut ausziehen kann und du bleibst mit den Kindern dort wohnen?

14.03.2020 16:27 • x 1 #6


Bluenight77


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Wenn ich deinen Text so lese, habe ich das Gefühl, dass sich da ein Mensch über die vielen Jahre selbst aus den Augen verloren hat. War die Entscheidung für die offene Beziehung nur mit dem Glauben verbunden, dass sie sich irgendwann doch für dich und die Familie entscheidet? Konntest du damit umgehen? Ich möchte nicht urteilen, aber es drängt sich der Gedanke auf, dass du zum Spielball wurdest. Sie hat anscheinend ihr Leben so gelebt, wie es ihr passte. Und du hast das mit dir machen lassen. Bezüglich der Kinder solltest du dir keine Gedanken machen. Der Papa bleibst du immer. Und schiebe die Kinder auch nicht vor. Ich denke deine Frau weiss ganz genau, dass sie dich mit den Kindern in der Hand hat. Du solltest dich wiederfinden! Evt. reflektierst du mal, wie sie es über die Jahre geschafft hat, dich immer kleiner zu kriegen. Was das Haus angeht, kämpfe einfach fair für den Anteil der dir zusteht. Stell dich deiner Frau und sage ihr klar, dass du bereit bist alles mit ihr zusammen zu regeln. ABER, sobald sie die Kinder gegen dich benutzt, du dann auch andere Wege einschlagen kannst (rechtlich). Ansonsten fang erst einmal an zu leben. Du hast jahrelang in einem Karussell gesessen was sich fleißig drehte. Könnte sein, dass es jetzt der letzte Halt zum Aussteigen ist, bevor du dich komplett selbst verloren hast.

14.03.2020 16:40 • x 2 #7


unbel Leberwurs.


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Warum beschäftigt dich die Frage, ob deine Ex mit der Situation glücklich ist? Das bringt dich nicht weiter.

Viel wichtiger ist, dass du selber mit der Situation klar kommst.

Deine Ex und scheint auch zu einer normalen monogamen Beziehung nicht fähig zu sein, wenn sie in zahlreiche Affären hatte.

14.03.2020 17:20 • x 2 #8


Stephan1973

Stephan1973


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Nochmals ganz ganz herzlichen Dank an alle, die sich hier so ausführlich geäußert haben und sich so viel Mühe gemacht mit dem Schreiben der lieben und hilfreichen Texte! Eine wirklich tolle Community ist das hier.

Eine Frage... es ging mir, warum auch immer, in den letzten zwei Wochen etwas besser. Aber nun habe ich seit einigen Tagen eine Art Rückfall was den Liebeskummer und das Heimweh angeht.

Kennt das jemand, dass die Trauer in einer Art Wellen kommt...? Gestern hat mir meine (ex) Frau per whatsapp ein Blümchen geschickt, als Dank für meinen Support mit den Kindern (Corona). Das hatte sicher keine Bedeutung, aber es hat mich ehrlich verwirrt... ist doch auch echt sch. alles, frisch getrennt und jetzt Kontaktsperre... aber muss sein. Haltet weiterhin Abstand und bleibt gesund!

26.03.2020 20:18 • #9


Simone79

Simone79


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Zitat von Stephan1973:
Kennt das jemand, dass die Trauer in einer Art Wellen kommt...


Hallo. Ha bei mir kam die Trauer am Anfang auch sehr stark in Wellen. Zwischen durch ging es mir ok und dann hatte ich totale heulanfälle und musste einfach nur raus uns laufen. Nach 3 Monaten wurde es besser. Die Abstände zwischen den Wellen länger und die Wellen flacher. Nun nach genau 6 Monaten geht es mir meistens wirklich gut.

Gib dir Zeit. Schreib hier, hier findest du immer ein offenes Ohr

Vor 11 Stunden • x 2 #10


LonelyXmas

LonelyXmas


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Hallo Stephan, der wellenartige Verlauf der Trauer ist normal. Die Amplitude wird im Zeitablauf geringer werden. Das dauert seine Zeit. 19 Jahre sind eine lange Zeit.

Aus dem Blümchen, was dir deine Frau geschickt hat, bastelt dein Unterbewusstsein ein Schloss aus Hoffnung. Deshalb ist zu Anfang eine Kontaktsperre oft sinnvoll, um eine erste akzeptanz zu erreichen. Mit Kindern eher schwierig durchzuhalten, man kann den Kontakt auf das nötigste beschränken.

Trotzdem solltest du dich auch klar positionieren, deine Ansprüche nicht komplett aus den Augen verlieren in deiner ganzen Trauer.

Mir ist aufgefallen, dass du die gestellten Fragen zu eurer Situation bisher unbeantwortet gelassen hast:
Habt ihr einen Ehevertag?
Wem gehört das Haus? Ist es abgezahlt?
Seid ihr beide berufstätig?
Wie stellst du dir die künftige Wohnsituation vor?
Aus einem ersten Reflex, sehe ich die Pflicht zum Ausziehen, bei dem der die Ehe aufgegeben hat?

Gerade eben • #11