Zitat von ElGatoRojo: No Lady - es sitzt in seinem Gehirn, seinen Vorstellungen und er könnte sich vielleicht befreien davon, wenn er will. Dem Umfeld hier in Europa folgend, wenn er schon mal hier ist. Will er aber offensichtlich nicht.
Hm, ich bin da etwas anderer Meinung.
Zunächst einmal ist der Mann, um den es geht, gerade vier oder fünf Jahre hier. Offensichtlich hat er bereits nen gefestigten Status, sonst gäbe es die zwei Jobs nicht. Aber die weiteren Eckpunkte der Biografie bleiben im Dunkeln.
Wenn er geflohen ist, dann kommt neben sehr archaischem Religionsverständnis eventuell auch ein klassisches Trauma hinzu, was ihn zwar zu einem guten Freund aber eben nicht zu einem guten Partner macht.
Das Ding ist halt einfach, auswandern ist gar nicht so leicht und sehr weit weg von der Romantik mit der das Thema hin und wieder belegt ist, wenn man unfreiwillig auswandert, ist das noch einmal ne ganz andere Hausnummer. In welcher Sprache beide kommuniziert haben wird nicht klar, anzunehmen wäre deutsch (siehe zwei Jobs). Ob er Deutsch bereits konnte oder erst gelernt hat, ob Austausch tatsächlich immer frei von Missverständnissen war etc.
Will sagen, inwieweit der Mann sich tatsächlich einfach nur irgendwie weigert, seine "völlig überholten" Vorstellungen zu überdenken oder da eine ganze Menge anderer Aspekte auch eine Rolle spielen, ist völlig unklar.
Ich gebe Nise absolut keine Schuld. Dennoch ist mein Verständnis von Liebe eventuell ein anderes. Wenn ich mich Hals über Kopf in einen ultra-orthodoxen Juden verliebe, dann müsste ich mir massiv schnell die Frage stellen, ob ich bereit bin, Perücke zu tragen, den Schabes zu feiern und in Zukunft auf Hosen zu verzichten und würde im Gegenzug ein paar meiner Forderungen auf den Tisch bringen. Wenn ich mich Hals über Kopf in einen Moslem verliebe, dann sind da eben auch Sachen, wie zB ein Kopftuch über das ich reden würde.
Persönliche Meinung und ganz sicher eine Wertung, ich finde, wenn man ü40 ist, dann ist die Idee, Liebe überwindet alles und ist doch egal, daß Du "so einer Religion" angehörst und jeder aus deiner Familie auch, recht kindlich.
Fliese, Annika und Prince haben vielleicht mit dem wer-weiß-mehr-Wettbewerb etwas übertrieben

, aber, wenn wir mal weglassen, daß der Islam nun wirklich viele aus vielen Gründen triggert, dann bleibt noch immer die Situation, daß Religion -wenn auch nicht mehr nach europäischem allgemeinen Verständnis- Ernst zu nehmen ist.
Mir fehlt da entweder ein Teil der Geschichte oder eben erwachsenes Handeln. Mal angenommen, es ginge anstatt um Religion um Beziehungsstatus. Ein Mann, der von Anfang zu erkennen gibt, er sei verheiratet, da frage ich doch nach, lasse mich nicht drauf ein oder wenn ich mich drauf einlasse, dann doch aber nicht mit dieser moralischen Nummer hinterher, was Du lebst, ist rückständig, du hast deine eigene Rückständigkeit nicht überwinden können.
Das ist, was ich echt schwierig finde.
Bei allem Verständnis und Nise geht es gerade schlecht, daß ist super gemein (!), aber ich tue mich extrem schwer damit, das Ende einer Beziehung auf bekannte und eventuell nicht ernst genommen Tatsachen zu reduzieren und gleichzeitig dabei in europäischer Deutungshoheit stecken zu bleiben.
"Liebe überwindet alles" ist in meinen Augen in vielen Teilen nichts weiter als eine durch die Säkularisierung notwendige völlig mißverstandene Weiterentwicklung des christlichen Glaubens.
Wie wir alle wissen, bin ich ja die erste, die immer wieder aufschreit, es wäre wegen des Patriarchats, auch gerne hier ist meine Kapitalismuskritik (weiß ich, wissen wir

), ich bin aber auch die, die aufschreit und sagt, europäisches Religionsverständnis ist nicht Maß aller Dinge.
Und so sehr ich hoffe, daß Nises Ex-Freund hier eine Heimat findet und sich daraus für ihn Chancen zum Wachstum und zur Veränderung ergeben, so sehr hoffe ich auch, daß Nise ihre Haltung zu Religionen noch einmal überdenkt und einen anderen für sie insgesamt stimmigeren Standpunkt findet.
Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, an welcher Stelle ich behaupte, jemanden zu lieben und gleichzeitig so unachtsam mit meinen Werten und seinen Werten umgehe.