Hallöchen allerseits,
ich glaube Abgrenzung ist ein wesentlicher Schritt, um das heulende Ego etwas ruhig zu bekommen. Vieles hier geschriebene kann ich gut nachvollziehen aus eigener Erfahrung und ich bin noch immer dabei, mich neu zu sortieren. Auch mit therapeutischer Hilfe.
Ich glaube zum einen muss man verstehen, dass alle Menschen, also auch wir selbst, mehrere Anteile in uns tragen. Je mehr wir uns dieser Anteile bewusst sind und sie so in unser Leben integriert haben, dass sie uns und anderen am wenigsten schaden, desto mehr sind wir geistig gereift. Zumindest sehe ich das so, d.h. geistige Reife hat etwas mit der Auseinandersetzung mit sich selbst zu tun und dem Übertrag dessen in eigene (gelebte) Werte. Moral, Würde, Anstand sind dann wichtige Aspekte des Lebens, aber eben auch Liebe und Zufriedenheit. Geistige Reife hat daher rein gar nichts mit Intelligenz zu tun bzw eher mit EQ statt IQ.
Man sagt, man lernt jemanden so richtig kennen, wenn man sich trennt. Manche sagen dann, dies sei das wahre Ich. Dem ist nicht so. Wir lernen nur einen weiteren Anteil der Persönlichkeit kennen, der uns bis dahin verborgen blieb. Na ja, manches mal hatten wir sogar eine Idee, der Andere könnte auch fiese Anteile haben, aber wir haben es nicht sehen wollen (was dann eines unserer Anteile ist, der Hoffnung und der Sehnsucht mehr Raum zu geben, als dem Verstand).
Wir erkennen quasi bei einer Trennung so richtig oder manchmal auch schon bei einem Streit, wie es um die geistige Reife des Partners steht. Wir wundern uns dann und denken, wir seien es nicht wert gewesen. Wir seien nicht gut genug gewesen, sondern hätte der Ex doch nicht dieses oder jenes getan.
Wahr ist aber, dass die Handlungen des Anderen viel viel mehr über diesen selbst aussagen, als über unseren Wert! So wie wir behandelt und verlassen wurden, so behandelt diese Person auch andere Partner oder Exen. Wenn wir mal ehrlich sind, wissen wir doch kaum etwas darüber, wie der Ex in anderen Beziehungen oder Trennungen war. Wir kennen allenfalls die Story des Ex, aber selten die andere Seite der Medaille. Somit ist es sehr sehr unwahrscheinlich, dass der Ex NUR BEI UNS so war und bei anderen nicht. In irgendeiner Weise werden sich die Geschichten bei unreifen Charaktären wiederholen, dass ist einfach so. Daher ist es immer eine Chance, wenn wir eine Trennung oder eine schlechte Erfahrung als Möglichkeit sehen, auf unsere Anteile zu schauen. An unserer geistigen Reife zu arbeiten, damit wir nicht (wieder) in die Wiederholungsfalle tappen.
Was der Ex dann treibt, muss uns egal sein bzw je ekliger der sich verhält, desto unreifer ist er und desto weniger sollten wir unseren Wert von dieser Person abhängig machen.
Diese Erkenntnis, also Abgrenzung zwischen dem Anderen, seiner Reife und uns, ist schwer umzusetzen. An schlechten Tagen holen uns die kack Gedanken wieder ein, uns geht es schlecht. Aber immer und immer wieder sollte man sich dann ins Gedächtnis rufen: es hat nichts mit unserem Wert zu tun, er oder sie behandelt Andere auch so.
Ich für mich kann sagen, bei aller Wut und Enttäuschung die ich habe auf meinen Ex, hat er sich derart charakterlich entblößt, dass ich mich definitiv abgrenze. Denn ich war noch nie so und ich werde es auch nie sein. Es hat mir geholfen, mich selbst mehr zu erkennen und meine Werte mehr herauszuarbeiten. Aber auch meine Ängste mehr zu erkennen. Erstmal ein sehr blöder Prozess, unangenehm. Aber er führte dazu, dass ich nach der Trennung deutlich mehr für mich einstand, mit aller Konsequenz: Kontaktabbruch, alle Verbindungen gekappt und kein selbstquälerischerisches Gucken auf Social Media. Ich weiß nicht was er treibt und ich will es auch nicht wissen.
Trennt euch also von dem Verhalten des Ex! Sein Wert leidet darunter, nicht eurer
