Zitat von paulaner:Und damit machst du zum wiederholten Male den gleichen "Fehler".
Du setzt einfach das Verlieben (was man in den meisten Fällen nicht bewusst steuern kann) mit dem Eingehen einer Affäre gleich. Als wäre das ein Automatismus. Verlieben = Eingehen einer Affäre.
Das Eingehen einer Affäre ist aber immer ein bewusster Vorgang. Es ist eine Entscheidung!
Ich weiß schon, du denkst, dass man sich bewusst für eine Affäre entscheidet und sich auch bewusst dagegen entscheiden könnte. Das sehe ich aber anders. Verliebt zu sein ist so ein starkes Gefühl, dass man da schon einen sehr intensiven Drang danach hat, dem anderen Menschen nahe zu sein. So als hätte man Heißhunger und es steht das Lieblingsessen vor einem. Da kann man sich auch dagegen entscheiden, aber dieses enorm Ausmaß an Willenskraft kann kaum einer aufbringen.
Aber selbst wenn ich dir zustimmen würde, dass man sich anders entscheiden kann, was nützt dir diese Aussage dann? Was macht das anders?
Zitat von paulaner:Dein Umgang und deine Erfahrung damit kannst du doch nicht ernsthaft als allgemeingültig sehen.
Zumal ich natürlich auch nicht weiß, unter welchen Umständen du betrogen wurdest. Ob die Beziehung vielleicht sowieso schon quasi vorbei war, oder was auch immer.
Ich denke nämlich, dass die jeweilige individuelle Situation des Betrogenen eine große Rolle spielt. Wenn er glücklich ist, nichts ahnt und dann kommt so ein Hammer, ist das unter Umständen ganz anders, als wenn eine Trennung vielleicht sowieso "ansteht".
Unabhängig von den konkreten Umständen würde ich aber sagen, dass normalerweise Menschen eine gewisse Resilienz haben und auch für sie belastende Erlebnisse irgendwann verarbeiten. Wer da aber selbst nach Monaten nicht darüber hinweg ist, bei dem muss man schon mal fragen, was da im Leben schief läuft. Da kann es auch nicht der alleinige Maßstab sein, wie sich der Betrogene fühlt. Wenn jemand beispielsweise einen psychischen Zusammenbruch erleiden würde, weil er einen Steinschlag in der Scheibe hat, da würde ja auch keiner sagen "Ja, wenn er das eben so fühlt", sondern man würde sich wundern, was denn mit dem los ist. Eine Affäre ist kein Steinschlag, aber bei einem ansonsten psychisch gesunden Menschen ist ja schon zu erwarten, dass der sich irgendwann wieder einkriegt.
Es ist eben nicht normal, dann lebenslang darunter zu leiden, niemandem mehr zu trauen und ein "Trauma" zu haben. Irgendwer brachte das Beispiel einer Mutter, die dann den Rest des Lebens etwas neben der Spur war, aber vorher immer stark gewesen ist - und da ist dann der Ex daran Schuld, dass sie mit ihrem Leben nicht mehr klar kam? Gerade wenn jemand meint, dass er/sie immer stark war, da sollten bei solch einer Formulierung die Alarmglocken klingeln. "Immer stark" klingt ganz verdächtig nach
- sich nur um andere gekümmert, nicht um sich selbst
- kein Zugang zu eigenen Gefühlen
- ungesunder Perfektionismus
- unflexible Einstellungen zum Leben
- implizite Erwartungen an andere haben, die die nicht erfüllen
Für das eigene Lebensglück ist man selbst verantwortlich, nicht der Partner. Wer sein Leben darauf aufbaut, dass der Partner bei einem bleibt und sich immer so verhält wie man es sich vorstellt, der macht eben was falsch. Es kann immer passieren, dass der Partner weg ist, sei es durch Trennung, Affäre, was auch immer. Das ist nicht schön. Aber damit sollte man auch irgendwann mal umgehen lernen.
Zitat von Corbian:Ich glaube schon. Nur sagt man sich eben, dass es ja keine Affäre ist, weil man kein 6 hat oder knutscht oder oder.
Wenn man keinen Sex hat und nicht knutscht o.ä., dann ist es auch keine Affäre. Das bloße miteinander treffen, ohne das was läuft, ist keine Affäre. Wenn wir jetzt so pingelig werden, dass Mann und Frau sich nicht mal treffen können...Geistigen Betrug gibt es nicht, die Gedanken sind frei...Du kannst niemanden dafür verurteilen, dass er etwas denkt...
Zitat von Corbian:Dass die @te nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde und man ihr keine Anleitung in die Hand geben konnte a la "wie hintergehe ich weiterhin meinen Partner" ist in einem Trennungsforum verständlich.
Vielleicht wäre ein Thread in einem Forum wie "Seitensprung.de" besser gewesen , auch wenn es hier ein entsprechendes Unterforum und Affärenthread gibt.
Und woher soll das jetzt ein potentieller Threadersteller wissen, dass es hier zwar ein Unterforum namens Affären gibt, aber Threads dazu dann trotzdem in der Hexenjagd enden? Man hätte ihr auch Ratschläge dazu geben können, wie man gut mit Liebeskummer umgeht, wie man sich ablenken kann usw. Aber stattdessen wird sie nur angepöbelt.
Zitat von Butterblume63:Ich habe kein negatives Bild sondern bin gnadenlose Realistin die allein berufsbedingt sehr viele Kontakte zu Menschen hat. Sei es früher durch meinen Aussendienst wo ich einen Kundenstamm von 1500 Menschen im persönlichen Kontakt betreute und auch heute im festen Angestelltenverhältnis mit sehr vielen Menschen jeden Tag verkehre (gut momentan eingeschränkt aber (leider) immer noch zuviel in Hinblick auf Corona). Also mit ein oder zwei "Geschichtchen" wäre ich noch gut bedient. Und aktuell leidet eine sehr enge Freundin die nun auf unbestimmte Zeit krank geschrieben ist. Dieser Schmarotzer fraß sich zwei Jahre auf ihre Kosten durch und "bereichtert" ihr Leben nun mit seiner Geliebten.
Und da frage ich mich, warum die Frau es denn zugelassen hat, dass er sich auf ihre Kosten "durchfrisst". Ist doch auch nicht sehr clever oder? Das eine ist der Mensch, der Vorteile mitnimmt, den man man natürlich dafür verurteilen, aber das andere ist auch der Mensch, der das zugelassen hat. Ich würde niemanden sich durchfressen lassen. Warum hat das deine Freundin gemacht? Wer sich ausnutzen lässt, ist am eigenen Leid auch nicht ganz unschuldig.
Ich habe beruflich auch mit sehr vielen Menschen zu tun und ich sehe es eher so, dass die meisten Menschen, die (ausgelöst durch Trennungen, Arbeitsplatzverluste oder andere Dinge, die mit veränderten Lebenskonstellationen zusammenhängen) irgendwann nicht mehr klarkommen, selbst einen großen Anteil daran haben.
Weil Sie...
- sich vom Partner abhängig gemacht haben
- kein wirkliches eigenes Leben hatten, sondern nur für andere lebten
- sich haben ausnutzen lassen
- nicht gelernt haben, sich um bestimmte Dinge selbst zu kümmern und dann auf andere angewiesen sind
- keine Grenzen ziehen
usw.
Wenn ich darauf achte, dass ich nicht ausgenutzt werde und mit meinem Leben gut klarkomme, wenn ich mich um mich selbst kümmere, dann überstehe ich eine Trennung, auch eine unfaire Trennung, aber wenn ich schon vorher nicht auf mich achte, dann drehe ich frei, sobald der andere mich nicht fair behandelt.