Plague
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Zitat von J_Eulenspiegel:Sind das "chemische" Reize oder sind dass unbewusste Steuerungen von unserem Gehirn?
Wenn man sich die Emotionstheoretiker anschaut, dann ist eine Mischung aus beidem.
Der hauptsächtliche Ort der emotionalen Verarbeitung im Gehirn ist das limbische System im Mittelhirn. Hier sitzen so wichtige Strukturen wie die Amygdala (unser "Wachhund" und "Angstgedächtnis") oder der Hippocampus (wichtig für die Gedächtnis-Enkodierung).
Sämtliche einströmenden Reize werden werden über den Thamalus ins limbische System verschaltet, erhalten damit eine emotionale Qualität und werden dann auch mit Hilfe der Großhirnrinde kognitiv verarbeitet oder moduliert. Dazu hat z.B. der Frontalkortex mit der zentralen Exekutive viele Verbindungen von und zum limbischen System. Über diese Schiene scheinen zentrale Prozesse der Emotionsregulation zu laufen.
Dauerstress in Kindheit und Jugend (durch emotionalen Missbrauch, physische oder 6uelle Gewalt) schädigt durch Cortisol- und Katecholamin-Dauerbeschuss nachweislich genau diese Strukturen im Frontalkortex und scheint mit vergrößtertem Amygdala-Volumen sowie verkleinertem Hippocampus-Volumen in Zusammenhang zu stehen. Das scheint das organische Korrelation für schwerer Störungen der Emotionsregulation bei Traumafolgestörungen wie kPTBS oder BPS zu sein.
Auch Erfahrungen, die über den Hippocampus ins semantische Netzwerk des Langzeitgedächtnisses integriert werden, erhalten über das limbische System emotionale "Metadaten", die bekannterweise auch den Abruf erleichtern, egal ob positiv oder negativ.
Man geht davon aus, dass vor allem die Basis-Emotionen sehr wichtige entwicklungsgeschichtliche Funktionen haben, die das Überleben des Individuums und der Art sichern. Kann man bei Bedarf bei Izard nachlesen.
Außerdem geht man davon aus, dass Emotionen etwas Universelles sind. Hier hat vor 60 Jahren schon die Gruppe um Peter Ekman (der sich heutzutage mit dem Thema Mikro-Expressionen beschäftigt) zeigen können, dass überall auf der Welt Bilder von emotionalen Gesichtsausdrücken kulturübergreifend mit den selben Emotionen verknüpft werden. Diese Ergebnisse konnte man sogar auch bei Primaten finden.