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Es war einmal ein Fuchs, der sich für einen ziemlich schlauen Fuchs hielt und der Fuchs träumte davon, eines Tages von allen anderen Tieren im Wald gesehen zu werden und für seinen flinken Verstand bewundert zu werden. Leider war der Fuchs nicht mit den größten Talenten gesegnet und ihm war sehr oft langweilig, so daß er immer wieder nach Möglichkeiten suchte, sich abzulenken.
Eines Tages fiel ihm auf, daß die Tiere des Waldes immer zusammen kamen, wenn eines von ihnen ein großes Problem hatte. Die Tiere waren nett und voller Mitgefühl und beratschlagten immer gemeinsam, wie man das Problem am besten aus der Welt schaffen könnte, sie spendeten Trost, lieferten verschiedene Sichtweisen und halfen so gut sie konnten, dem jeweiligen Hilfesuchenden durch die dunkle Zeit zu kommen.
Dem Fuchs gefiel diese Aufmerksamkeit und, obwohl er ganz sicher auch ein richtiges Problem hatte, war doch sein sportlicher Ehrgeiz geweckt, zu sehen, wie weit er die anderen Tiere an der Nase herum führen könnte und wie schnell es ihm wohl gelänge ganz viele für seine Geschichte begeistern zu können.
Also schmiedete er einen Plan. Er würde sich eine Geschichte ausdenken, die dazu geeignet wäre, bei vielen Tieren des Walds Interesse, Widerspruch und Zuspruch hervorzurufen. Dazu musste die Geschichte natürlich ein Dilemma enthalten und sie musste für Empörung sorgen.
Gesagt, getan: Die erste Geschichte, die der Fuchs erfand, war eine, die schon tausend Mal im Rat der Tiere beratschlagt wurde, nur da unser Fuchs ja eben ein schlauer sein wollte, nahm er nicht die Position derer ein, die normalerweise Hilfe suchten, sondern er war der Verursacher allen Leidens. Der Plan funktionierte reibungslos, zunächst. Er wurde gesehen, mit ständiger Aufmerksamkeit bedacht und die ganz, ganz viele Tiere des Waldes beteiligten sich an seiner Feuerstelle.
Aber natürlich musste der Fuchs, um das Feuer am Leben zu erhalten, immer mal wieder Scheite nachlegen, so wie es im wahren Leben bei wahren Problemen der normale Lauf der Dinge tut. Also schmückte der Fuchs seine Geschichte immer weiter aus und weil er die ganze Aufmerksamkeit nicht mehr hergeben wollte, mußten es immer größere Scheite sein. Das führte natürlich zu verschiedenen Problemen, eins der größten aber war, daß der Fuchs den Rahmen seiner Geschichte nicht gut genug angelegt hatte. Die Geschichte des Fuchs besaß zwar ein Dilemma und sie sorgte für Empörung, aber der Rat der Tiere, der ja viel Erfahrung besaß, kam zur überwiegenden Erkenntnis, daß die Geschichte so jedenfalls nicht stimmen könnte, weil sie wirtschaftlich jeder Grundlage entbehrte. Das Feuer was vormals lichterloh brannte, wurde kleiner und kleiner und nur noch wenige Tiere des Waldes traf man dort sitzend an. Viele zogen indes weiter. Auch heute noch glimmt ein kleiner Haufen und wer weiß, ob der Fuchs nicht doch noch einmal zurückkehrt um nach langer Zeit von „Entwicklungen“ berichten zu können.
Die nächste Geschichte, die sich der Fuchs ausdachte, berücksichtigte das Problem wirtschaftlicher Gegebenheiten schon deutlich mehr. Wieder erzählte der Fuchs eine verrückte und völlig empörende Geschichte und wieder brannte das Feuer lichterloh. Alle Tiere des Waldes versammelten sich um die Feuerstelle, um seiner Geschichte zu lauschen, ihm Ratschläge zu geben, ihm Mut zuzusprechen, ihm Hoffnung zu spenden. Diesmal wollte der Fuchs es besser machen und allen Zweiflern, sofort den Wind aus den Segeln nehmen, so stritt er häufiger mit den anderen Tieren, insbesondere denen, die den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen in Frage stellten.
Das große Problem diesmal waren nun nicht mehr die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sondern daß die Geschichte, die sich unser pfiffiger Fuchs ausgedacht hatte, um sie wirklich fortzuführen anderes Wissen brauchte als er tatsächlich hatte. Außerdem war das erzählte Dilemma schlecht gewählt. Es war ein bißchen zu viel Groschenroman und das machte es für den Fuchs schlimmer, es gab nur eine Seite, auf der man sein konnte. Schnell stellte sicher heraus, daß dies nicht die richtige Geschichte war, um den Rat der Tiere langfristig an sich zu binden.
Also versuchte der Fuchs es erneut. Wieder schrieb der Fuchs eine Geschichte, wieder wandte sich der Rat der Tiere ihm zu. Wieder gab es ein Dilemma und wieder beratschlagten alle. Nur auch diesmal macht der Fuchs einige Fehler und auch diesmal behauptet der Fuchs Dinge und verwickelt sich in Widersprüche, er ist leicht zu provozieren unser Fuchs

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Was dem Fuchs vielleicht gar nicht so auffällt, trotz aller Mühe, die er sich gibt, ist, daß er bei allen drei Feuerstellen mit wiederkehrenden Scheiten arbeitet. Und, ob es dem Fuchs nun gefällt oder auch nicht, der Fuchs ist in allen drei, wer weiß wie viele Feuerstellen er hier in diesem Wald oder in anderen noch brennen hat, Geschichten er selbst, und darum auch inzwischen recht leicht zu erkennen.
Als Eichhörnchen, also eins der Tiere des Waldes, finde ich den Fuchs recht lustig, seine Eitelkeit bringt mich oft zum Lachen. Manchmal frage ich mich natürlich, an welchem Feuer wir denn sitzen würden, wenn er oder sie mal die eigene Geschichte erzählen würde, aber wer weiß vielleicht nimmt Carlos eines Tages alle seine Legosteine zusammen und baut mit aller Kraft eine Geschichte, die die vom Fuchs erzählt.
