Der Schreiner hat das Treffen ähnlich wie ich empfunden: Nett, wertschätzend, respektvoll, sympathisch. Offensichtlich war sein Hauptbedenken, dass ich ihn arrogant von oben herab, quasi als Nobody behandeln würde. Habe mir das Wortspiel und den Scherz gegenüber meiner Frau erlaubt, dass von No Body zumindest im sichtbaren Bereich nichts zu erkennen war. Wie zu erwarten, hat sie nicht gerade empfänglich auf den Witz reagiert
Abgesehen davon, war er froh, dass ich nicht Regeln oder Verhaltensweisen mit ihm besprechen und vereinbaren wollte. Diese Sorge hatte er wohl auch. Summa summarum fand er mich sympathisch und hätte keine Probleme noch mal in Zukunft mit mir ein B. zu trinken.
Das Gespräch hat aber schon etwas an seinem Selbstwert gezehrt, sagte meine Frau. Ich hätte von der Persönlichkeit einen sehr gefestigten Eindruck auf ihn gemacht (offensichtlich im Gegensatz zu dem Eindruck, den hier einige von mir haben). Er fand ich hätte ein total souveräne Ausstrahlung (sic). Was jahrelanges berufliches Training, Kompetenz trotz vollkommener Unwissenheit zu demonstrieren, doch sogar im privaten Bereich alles bewirken kann. Dabei dachte ich, meinen Herzschlag zu Anfang des Treffens hätte man noch vor der Kneipe gehört. Er findet, dass meine Frau und ich wie Topf und Deckel zusammenpassen.
Also die Sympathie ist gegenseitig. Meine Frau freut sich darüber, aber wir wollen beide die zwei Welten wie gehabt streng getrennt auseinander halten. Bei Miss K ist es anders. Auch wenn wir uns nicht oft bisher zu viert gesehen haben, planen wir dennoch uns noch einmal vor Weihnachten bei einem von uns zu einem Spiele-Abend zu treffen (also Gesellschaftsspiele, nicht Erwachsenenspiele).
Zitat von Felica: Mir fehlt der Carlos von früher, der strikt auf Regularien Wert gelegt hat und diese zahlenmäßig äußern konnte. Nicht, dass ich das immer nachvollziehen konnte, aber das war Carlos.
Der frühere Carlos ist immer noch da. Wenn er auch in den vergangenen Wochen das ein oder andere mal tiefe Nabelschau betrieben hat. Ich habe mich tatsächlich gestresst gefühlt. Emotional gestresst. Und habe das hier 1:1 als Brain Dump rausgelassen. Mich wundert kein bisschen, dass dein Eindruck entsprechend ausfiel, wie er ausfiel. Aber de facto hat sich in den letzten Wochen nichts geändert: Die 12 als magische Zahl gilt noch immer: 2x die Woche 6 ist Voraussetzung für die Schreiner-Zeit. Wenn meine Frau besonders aufmerksam ist oder ich in Geberlaune bin, belohne ich sie auch mal (wie vorgestern) mit einer Zusatzzeit Schreiner, Für mich ist Beziehung nach wie vor das Gleiche Geben und Nehmen. Gibt sie mir, kann sie in Retour Nehmen. Nimmt sie, erwarte ich in Retour ein Geben. Und wenn ich fühle, dass wir uns besonders nahe sind, habe ich kein Problem ihr zusätzliche Auszeiten zu schenken. Unser Regel-Töpfchen, so wie wir inzwischen die abgeschlossene Spardose mit den Tabus und NoGos auf dem Regal nennen, ist immer noch in Betrieb und findet Beachtung. Die grundlegendste Änderung der letzten Wochen war die Veränderung des Safer 6 Karte, dafür sind von beiden Seite je ein Kärtchen neu dazu gekommen. Kleinigkeiten nur: Meine Frau möchte, dass auf den Handy keine Benachrichtigungen unserer Nebenpartner aufploppen damit die Kids nicht zufällig ungewollte Dinge sehen. Ich hatte den Safer Space, der um die Uni gezogen ist und der für Treffen mit dem Schreiner tabu ist, ein gutes Stück erweitert (einzige Ausnahme in diesem Bereich ist ihr Kennenlern-Cafe).
Zitat von Felica: Letztendlich finde ich es schade, dass Du sie nur noch glücklich machen kannst, wenn es um Ihre Beziehung zum Schreiner geht. Ich lese nie etwas von gemeinsamen Hobbies, Unternehmungen mit den Kindern. Familienzeit.
Ich freu mich tatsächlich, dass du dich hier über die reine Beziehungs-Dynamik heraus interessiert. Ich habe mich halt im Forum auf die Beziehungsdynamik fokussiert, damit nicht mehr ausschweifendes Story-Telling a la Rosamunde-Pilcher moniert wird. Meine Frau und ich gehen trotz wochenlang miesem Wetter mindestens 5x die Woche abends zusammen 30min laufen und danach unter die heißte Dusche. Das genießen wir beide und ist der perfekte Cool-Down vom Job-Stress. Mindestens alle 2 Wochen, meist häufiger, haben wir eine Parents-Night-Out und gehen ins Kino, Theater, Ballett, Restaurant, Bar, laden Freund/Bekannte ein oder besuchen sie. Mit Schreiner- und Miss K - Abenden sind die Zeiten außerhalb der Wochenenden dann gut abgedeckt. An den Wochenenden unternehmen wir derzeit nicht so viel wie noch im Sommer. Wenn das Wetter es zulässt, versuchen wir mindestens 2 Stunden mit den Kids draußen zu verbringen. Mal machen wir einen Geo-Cache, mal gehen wir auf den Bolzplatz, mal fahren wir Fahrrad, was zur Zeit aber sehr brrr und igitt ist. Ansonsten waren wir die letzten Wochen einmal im Technik-Museum, einmal auf einer Kids-Veranstaltung an einer Uni, einmal in einer Schoko-Manufaktur zum Hands-On und Mouth-Full Schoko-werken. Wenn nichts anliegt, spielen wir gerne zusammen (also zu viert oder auch zu fünft) Junta, Kuhhandel, Scotland Yard, Hornochsen,... oder neuerdings auch schon mal Siedler. Ich finde, wir machen da eher überdurchschnittlich viel zusammen. Daher finde ich auch die Idee komplett abwegig, dass meine Frau plötzlich aus dem Familienverbund ausscheren würde, nur weil sie (auch) den Schreiner liebt. Auch wenn der Schreiner hier im Forum logischerweise im Mittelpunkt der Diskussion steht, spielt er jetzt keine entscheidende Rolle im Alltagsleben. Genausowenig wie Miss K. Tatsächlich glaube ich immer noch, dass der Schreiner in gewisser Weise das alleinige Hobby meiner Frau ist. Sie zieht sich natürlich nicht die Lauf-Klamotten für das Hobby an, wenn sie aus dem Haus geht, sondern eher frische Unterwäsche. Aber sie kommt wie nach ihrem Hobby erquickt und gut gelaunt nach Hause.
Ich fühle mich seit Freitag wirklich geerdet(er). Ich freue mich auf die zweite Sitzung mit der Beziehungs-Coachin nächste Woche und auf eine aufregende Mittagspause am Freitag mit Miss K. Übrigens hat meine Frau ihr Schreiner-Treffen auch von Freitag abend auf den Mittag verlegt. Sie würde gerne mit mir am Freitag abend auf den Geburtstag eines Arbeits-Kollegen. Ach ja, wir haben noch ein gemeinsames Hobby in den nächsten Tagen. Wir basteln die kommenden Abende Adventskalender für unsere beiden Kids und zusätzlich auch noch für ein paar derer ausländische Schulfreunde, die Adventskalender nicht kennen.
Und dann natürlich gibt es noch den Job meiner Frau. Vorgestern abend während ihrer Schreiner-Zeit habe ich das neueste Paper redigiert. Die akademische Arbeit ist für mich Erholung und macht mir Spaß. Außerdem habe ich das Gefühl, ich habe dann dazu beigetragen, auch wenn ich nicht als Co-Autor erwähnt werde. Anfang Dezember ist meine Frau auf der Konferenz in Wien, zu der ich 3 Tage dazukomme und wir uns ein verlängertes romantisches Wien-im-Advent Wochenende gönnen.
Du siehst also, es gibt auch noch das wahre, unaufgeregt Leben außerhalb des Schreiners.