Ich glaube, ich rahme mir den diesjährigen Nikolaustag ein. Ich glaube zwar nicht, dass es der Nikolaus war, der mir am Mittwoch zwei Erkenntnisse beschert hat, aber ich sehe jetzt klarer, viel klarer:
Erkenntnis 1: Das ist mehr die Bestätigung einer Annahme und keine wirklich komplett neue Erkenntnis: Realität und Kopfkino passen hervorragend zusammen. Ich kann mein D/s-Kopfkino in der Realität ausleben... und es ist noch intensiver, emotional und 6uell, als ich mir das vorgestellt habe. Ich bin da wirklich angefixt und ja, es war der beste 6 meines Lebens, wobei es mehr als nur 6 war, tiefergehend. Keine Ahnung, schwer zu beschreiben. Das für mich absolut verrückte ist, wie es zu dieser unwahrscheinlichen Konstellation, Miss K und ich, kam. Ganz ehrlich, ich finde sie nach wie vor äußerlich kein bisschen attraktiv. Und doch war da vom ersten Kontakt an irgendetwas nicht erklärbares, dass mich in den Bann gezogen hat. Am ehesten kann ich es vielleicht so beschreiben: Miss Kontaktsperre unkonventionelle, aufsässige, fast provokative, neckende, witzige, hintergründige Art, hat unter der Decke geradezu nach Zähmung und Unterwerfung gerufen. Und sie empfand es ähnlich, nur anders herum: Ich zurückhaltend, zuvorkommend, lustig, freundlich, was sie geradezu herausgefordert hat, Härte und Disziplinierung aus mir herauszukitzeln. Irgendwie haben wir uns gegen alle Wahrscheinlichkeiten extrem angezogen. 6uell kann ich mir gegenwärtig kein besseres Gegenstück vorstellen und sie ist so auf mich abgefahren, dass ich sie hinterher erstmal eine Weile einfach in den Armen halten musste, damit sie emotional wieder voll bei sich war. Heute abend treffen wir uns wieder (aber nur zu reden) und sprechen über das Ding zwischen uns und die Regeln, Grenzen und Tabus, die gelten sollen. Der Mittwoch war so intensiv, dass ich aufpassen muss, dass ich nicht wieder gleich alles zerdenke.
Erkenntnis 2: Da muss ich mich erstmal bei einigen hier entschuldigen und Abbitte leisten. Tatsächlich hat mich der Streit mit @Timeconsumption um P/A und der Einwurf von @Gretchen, dass ich mich submissiv gegenüber meiner Frau verhalte, an den Ansatz der Erkenntnis geführt. Ich habe mich dann noch mit 2 anderen, lebens- und liebeserfahrenen Menschen ausgetauscht und plötzlich fielen all die Puzzleteile zu einem klaren Bild zusammen: Mein ständiges schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau, das von euch kritisierte "Abnicken", meine Unterstützung ihrer Karriere und Zweitbeziehung, das schrittweise Erweitern der Grenzen, unsere festen Tabus, meine Suche nach mehr Wärme, meine Enstscheidung ihr in der Testphase "freie Hand" zu geben, mein derzeitiger Wunsch nicht treibende Kraft in der Beziehung zu sein, mein Drang mich bei ihr einfach fallen und sie machen zu lassen, meine Freude daran, von ihr "verwöhnt" zu werden. Das passt alles perfekt ins Bild: 6uell bin ich dominant, aber in der Paarbeziehung möchte ich genau das nicht sein, sondern mich ein- oder sogar eher unterordnen, möchte meine Frau als die fürsorglich führende, dominante Partnerin sehen, die mich an der Hand nimmt (oder mich am seil den Fels hinter sich hochzieht) und für uns beide die Partnerschaft gestaltet. Mir zeigt, wo mein Platz ist und sich darum kümmert, dass ich mich auf dem zugewiesenen Platz wohlfühle. Das und genau das fühlt sich für mich richtig an. Unter dieser Prämisse fallen alle Puzzle-Teile zu einem sauberen Bild zusammen: Meine Frau führt, ich folge. Meine Frau entscheidet, ich befolge. Meine Frau sorgt, ich werde versorgt... wie schon gesagt: Es fühlt sich einfach richtig an. Punkt! Ich weiß, dass ich mich dadurch exponiere und verletzlich mache... und auch das fühlt sich gut und richtig für mich an, so verdreht das auch klingt. Das gilt aber nur für die Partnerschaft, beim 6 (auch mit ihr) gebe ich den Ton an.
Ohne ein Detail überbewerten zu wollen: Auf den Rat einer liebeserfahrenen Ratgeberin habe ich einen der einschlägigen Tests über Rollen im non-vanilla Kontext gemacht. Da kommt ein sehr dominantes Bild heraus mit ausgeprägter Lust an "der Widerspenstigen Zähmung". Aber auch eine gewisse Switch-Affinität, also situativ eine gegenteilige Rolle einzunehmen. Jetzt wird es küchen-psychologisch... mein Wunsch der Abgabe der partnerschaftlichen Führung wurde mir eigentlich erst bewusst, als mein dominantes Kopfkino begann mit Miss K Realität zu werden. Vielleicht bedingen sich beide Dinge gegenseitig und ich brauche beide Aspekte, um mich "rund" zu fühlen. Was allerdings dagegen spricht: Ich war knapp 40 Jahre immer nur gefühlt auf der dominanten Macher-Seite unterwegs. Vielleicht bin ich auch nur müde, immer der Macher und Starke und Super-Mann und Super-Papa und Super-Manager und Super-Lover und Super-Förderer zu sein und brauche einen Safe Space an der Seite meiner Frau, in den ich mich fallen lassen kann um Energie zu tanken. Wie auch immer, das Gefühl meine Frau führen zu lassen, fühlt sich mit allen Fasern richtig an.
Ich werde unsere zweisame Zeit in Wien und die ruhigen Tage über Weihnachten und im Urlaub nutzen, um vor allem über Erkenntnis 2 mit ihr zu sprechen. Aber auch den ersten Teil muss ich ihr natürlich erklären und hoffe, dass sie den nachempfinden kann. Denn auf diesen D/s-Teil werde ich auf absehbare Zeit definitiv nicht mehr verzichten wollen. Und natürlich wird der zweite Teil zentrales Thema bei der Coachin sein. Ich bin sehr gespannt, ob sie ähnliches schon vermutet hat.
Was ich rein aus intellektueller und psychologischer Sicht interessant finde: Ich lerne wahnsinnig viel über mich. Wie die Coachin so schön sagte: "Eine spannende Reise, auf der sie beide sicher viel über sich und den Partner gelernt haben". Ich will ganz ehrlich keine Sekunde des letzten Jahres missen... selbst die Downtime nach der Jamaikanerin war im Nachhinein betrachtet eine wichtige Erfahrung. Selbst die erste aushäusige Nacht meiner Frau, in der ich kaum ein Auge zugetan habe, ist im Nachhinein eine gute und lehrreiche Erfahrung. Nein, ich vermisse mein altes monogames Leben kein bisschen. Img Gegenteil ärgere ich mich, 10 Jahre lang im gleichen Gang dahingetrottet zu sein. Mit allen Ups und Downs: Die letzten 12 Monaten waren eigentlich die aufregendsten und schönsten. Und... ich liebe meine Frau so, wie sie ist! Weil sie so ist, wie sie ist.
Nach diesem Wort zum Sonntag, noch dazu:
Zitat von thegirlnextdoor: Nun kann man die Sache bei der Beziehungscoachin als extremen Vertrauensbruch Werten- muss man aber nicht.
Wir kennen Carlos Frau nicht. Sie scheint nicht zur Sorte üble Zicke oder Hausdrachen zu gehören.
Niemand weiß, wie ernsthaft die Ehe für sie auf der Kippe stand, warum sie das so vor der Coachin gesagt hat usw. Alles Mutmaßungen.
Immerhin ist sie zu dem Schluss gekommen, bei Carlos bleiben zu wollen.
Die Frage der Coachin war nicht, ob die Ehe für einen von uns auf der Kippe stand, sondern ob wir Zweifel hatten. Das ist für mich ein himmelweiter Unterschied. Ein "Nein" auf die Sinnfrage würde bedeuten, dass die Ehe auf der Kippe stand oder steht. Zweifel sind für mich etwas anderes. Zweifel sind dazu da, sich und seine Gefühle, sowie die Beziehung zu hinterfragen
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Zitat von carlos7: Sie hat die Frage an uns beide gestellt, wann wir an der Beziehung schon mal gezweifelt hätten und die Sinnfrage ja/nein gestellt hätten.
@Lotte08 hat mein Verständnis besser zusammengefasst, als ich es scheinbar konnte
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Zitat von Lotte08: Ich glaube auch nicht, dass sie ernsthaft die Ehe in Frage gestellt hat. Sie hat ihre Gefühle sortiert. Dazu gehört, dass man sich mal kurz fragt, ob und was man eigentlich will. Blöd ist eben, dass sie damit so spät rauskommt und nicht gleich.
In Bezug auf den Schreiner hatte sie mir das nach meinem Rückzug von der Jamaikanerin schon gesagt: Sie sagte sehr klar, dass sie meine Verliebheitsgefühle und die damit verbundenen Zweifel kennen würde, diese für sich sortiert hätte und festgestellt hätte: Ja, sie kann uns beide lieben, es geht. Ich fand schon damals, dass sie sehr eindeutig sich selbst die Sinnfrage gestellt hatte. Aber gut, Schnee von gestern. Egal wie es war, sie hat sich für mich entschieden. Und ich mich auch für sie. Alles gut! Future is bright and shiny.
Zitat von Gast2000: So nagt sie, für mich, eindeutig an der Vertrauensbasis.
Für mich überhaupt nicht. Mein Vertrauen ist ein bisschen gesunken und die Coachin hat da auch kein Vertrauens-Problem identifiziert. Ich kann die Gedankengänge meiner Frau schon alle gut nachvollziehen. Es war jetzt nicht prickelnd zu hören, dass sie zeitweise Zweifel hatte, ob wir das schaffen. Aber auch jetzt nicht unerwartet. Sie ist eh der Typ Gedankenmacher. Mein Vertrauen wäre eher erschüttert worden, wenn sie behauptet hätte, sie wäre immer ohen Zweifel gewesen. Das hätte ich ihr nicht abgenommen.
Zitat von darkenrahl: Hier geht es doch nicht um Poly sondern um Dio...
Was auch imme Dio ist... Offensichtlich hast du eine sehr eigene Definition von Poly. Es ist aber recht einfach: 1=Mono, >1=Poly. Oder so wie es Wikipedia sagt: "Polyamorie bezeichnet eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, wobei diese Tatsache allen Beteiligten bekannt ist und einvernehmlich gelebt wird." Passt perfekt auf uns

Zitat von darkenrahl: Den einen hält sie mit Sex ruhig
Eine Frau reicht dafür nicht aus
😎 Zitat von darkenrahl: den anderen liebt sie.
Ist dast dann so eine Art Liebe auf zeitlicher Sparflamme? Ich dachte immer, dass Liebe auch mit dem Wunsch nach Nähe einhergeht.
Zitat von Lotte08: Nichts gegen Gönnenkönnen und Großzügigkeit, aber dieses Drübersein, wenn die Hormone wallen
Ok, wenn EF das gerne mal mit Schreiner machen möchte und Carlos ist ok damit, warum nicht?
Wenn ich ihr damit eine Freude bereiten kann und es für mich keinen Nachteil hat, kann ich mir das schon vorstellen. Warum nicht mal eine kleine Auszeit schenken?
Zitat von thegirlnextdoor: Dieselbe Fairness, die ich zeige möchte ich auch entgegengebracht bekommen.
Sonst fehlt mir jegliche Vertrauensbasis.
Ich habe meine Frau wirklich kein mal bewusst unfair erlebt. Im Gegenteil, sie hat ein großes Gerechtigkeitsempfinden.
Zitat von Gast2000: Carlos, steht deine Frau noch felsenfest an deiner Seite, ist sie völlig loyal, will das es dir gut geht und macht
nichts wissentlich, was dir weh tut oder gar schadet, liebt sie dich noch uneingeschränkt und bist du für sie noch
der Mann mit dem sie ihr Leben gemeinsam verbringen will? Wer bereits 2 x über die Ehe nachdenkt, stand
letztlich vor einer Entscheidung.
Ich habe hier irgendwo mal folgendes gelesen: "Ist es nicht schön, wenn sich der Partner ganz bewusst und nicht nur beiläufig für doch entscheidet?". Liebe ist (auch) eine Entscheidung.