Zitat von Shum: In den Jahren, in denen sie immerzu stiller wurde, kam sie da auch mal zu dir und sagte dir direkt, dass es sie belaste, weil sie jetzt nicht ihre Karriere machen könne?
Das ist genau der Punkt, der mich nicht loslässt und der mich ständig belastet. Ich habe in der Zeit nur an meine Karriere und meine Selbstverwirklichung gedacht. Ich habe die Bedürfnisse und Wünsche meiner Frau ignoriert. Natürlich hat sie mir ihr Leid geklagt, dass sie mit intellektuell beleidigender Arbeit abgespeist wurde. Ihr DrVater war während dieser Zeit im Ausland an einer anderen Uni und ich habe ihr nicht zugehört. Ihre beiden Vertrauenspersonen waren nicht für sie erreichbar. Ich dachte nicht mal im Traum daran, meine Karriere einzubremsen und ihr Freiraum zu gewähren, damit sie wieder voll einsteigen kann. Die beste von allen zu sein, reicht manchmal nicht aus. Seilschaften, Antipathien und Ungeschicklichkeit im Umgang mit anderen Menschen hat schon mehr als eine Karriere zunichte gemacht.
Eigentlich aufgewacht bin ich erst, als die Krise offensichtlich wurde. Zu einer wirklichen Änderung konnte ich mich aber nicht durchringen, bis ihr DrVater uns die Gelegenheit auf dem Silbertablett serviert hat und ich einfach etwas unternehmen musste und mit dem Sabbatical und Verhandlungsgeschick im Hintergrund den Weg freigeräumt habe.
Manchmal bedarf es einer Kleinigkeit oder Initialzündung, um einen Lebensweg in eine andere Bahn zu lenken. Ich bn überzeugt davon, dass uns das im letzten Sommer gelungen ist. Dass der Schreiner on top dazu kam... geschenkt. Sie hat das Glück verdient. Ich bin überzeugt, dass das wirkliche Glück für sie aber durch ihren Job kommt. Ich konnte förmlich sehen, wie sie aufgeblüht ist. Tatsächlich glaube ich aber, dass der Schreiner einen sehr erheblichen Anteil daran hatte. Weniger aufgrund der romantischen oder körperlichen Verbindung der beiden, sondern weil er eine andere Seite in ihr herausgekitzelt hat. Mit einem mal geht sie viel eher unter die Leute und ihr etwas schwieriger und fordernder Umgang mit anderen Menschen hat sich abgeschwächt. Sie macht sogar Smalltalk

. Sie ist lockerer und entspannter und damit nicht nur wissenschaftlich erfolgreich (das war sie immer), sondern sie kann sogar Menschen für sich gewinnen. Das hätte ich allein nicht geschafft, dafür hat es den Schreiner gebraucht.
"Happy wife, happy life" ist immer so einfach dahergesagt, aber einen fröhlichen Partner an seiner Seite wertschätzen, kann wohl nur derjenige, der de gleichen Partner auch in niedergeschlagener Stimmung begleitet hat.