Zitat von E-Claire: Und dann lieber kommst du um die Ecke und sagts, naja nachdem sie ja jetzt um die Bedeutung meiner Grenzen weiß, muß ich die eigentlich gar nicht mehr wahren, ist ja nicht so wichtig.
Ich meine Carlos Reaktion hat nichts mit Kindergarten zu tun, auch wenn es für Außenstehende vielleicht so wirken mag, sondern mit einem tiefen, emotionalen Dilemma.
(Das ich persönlich gut nachvollziehen kann, da ich weniger aus der philosophischen sondern mehr aus der pädagogisch-psychologischen Ecke komme)
Ich versuche mich an einer Erklärung, bin aber schon todmüde, man sehe mir bitte nach falls die Gedanken stellenweise nicht ganz so klar zu Papier gebracht sind.
Einerseits liegt seiner Reaktion sicherlich ein wenig der Gedanke zugrunde: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Hier selbstverständlich ein Trugschluss. Das Erkennen alleine nützt Carlos natürlich noch gar nichts.
Aber es wird noch etwas anderes mit hineinspielen... und hier wäre ich wieder einmal beim Elternhaus.
Als ich ein Kind war bekam ich im Zuge der Ehestreitigkeiten meiner Eltern auch einiges an Fehlverhalten mit.
Das wurde oft durch Erklärungen zu relativieren versucht - als nütze verstehen dabei, alles ad hoc alles zu vergessen und zu vergeben. (Ich hatte zumindest das Gefühl dass meine Eltern das auch so erwarteten, bzw. dass es von mir so erwartet wurde.)
Es ist ein wenig so wie der heute nicht unübliche Versuch, Empathie für einen Täter (ganz gleich um welche Tat es sich gehandelt haben mag) zu wecken indem man versucht, seine Tat anhand seiner emotionalen Entwicklung/Umstände zu erklären. Folgerung nicht selten: "Ach der Arme!, er/sie/es ist doch selbst nur ein Opfer seiner Gefühls- und Wertekonstrukte. Häufige Folgerung: Der arme Teufel konnte halt nicht anders. Wenn man
das alles weiß, kann man es doch nicht übel nehmen/dann muss man das doch nicht übel nehmen."
Im Endeffekt ist das, was hier passiert ähnlich.
Carlos liebt seine Frau wie sie ist - inklusive all ihrer Fehler.
Und er hat Verlustangst. Dies kommt zu alledem noch sehr erschwerend hinzu.
Wenn er versteht, warum sie gehandelt hat wie sie gehandelt hat, und wenn er einerseits versteht, dass das Verhalten nicht gegen ihn gerichtet war oder sie gedenkt, ihn zu verlassen, fällt es ihm sofort leichter alles zu akzeptieren und hinzunehmen.
Wieder werden die eigenen Grenzen ignoriert, da das Befinden der Frau im Vordergrund steht, weil die größte Katastrophe die drohen könnte wäre, dass sie sich abwendet... wie bei einem Kind, das den Launen seiner Mutter ausgesetzt ist und stets auf rohen Eiern geht weil es im Inneren Angst davor hat, verlassen/nicht beachtet/nicht geliebt zu werden.
Carlos ist da sicherlich nicht bei sich selbst, nicht einmal komplett bei seiner Frau sondern im Grunde bei seiner Mutter, der er ein Klotz am Bein war. So möchte er bei seiner Frau nicht enden.
Deswegen wird alles geschluckt - absolut alles - solange sich am Ende herausstellt, dass der Status Quo erhalten bleibt.
Dass dennoch daran gesägt und gehobelt wird, wird aus Angst weiterhin verdrängt.
Nur meine Meinung und Sichtweise zu dieser Thematik...
Ich glaube nicht, dass Carlos keine Verantwortung für seine Gefühle übernehmen möchte.
Ich glaube vielmehr, dass tiefgreifende Ängste und Muster aus seiner Kindheit ihn daran hindern.