Zitat von carlos7: ich wollte mir dagegen wehren, dass mein D/s-Kink (bei dem Sadismus eine sehr untergeordnete aber natürlich vorhandene Rolle spielt) mit meinem Kontroll- und Machtstreben in Verbindung gebracht wird. Das sind zwei komplett disjunkte Themen.
Daß Du Dich dagegen gewehrt hast, war offensichtlich, warum das deinem Dafürhalten nach zwei völlig verschiedene Themen sind, erklärt das aber nicht gerade.
Schau mal, vermutlich war mein Hinweis, daß Fromm (so er es denn war, ich meine schlicht mich zu erinnern, da ist es also nach wie vor auch gut möglich, daß ich das falsch in Erinnerung habe) Sadismus als eine mögliche Reaktion auf vorher erlebte Ohnmacht benannt hat, mißverständlich bzw ist von Dir als Feststellung interpretiert worden und nicht als Hinweis.
Ich hatte vor vielen Jahren große Vorbehalte gegenüber Fromm, ohne auch nur irgendetwas von ihm gelesen zu haben, sondern ich habe blind Wertungen übernommen von Menschen, einem insbesondere, bei denen sich im Nachgang herausgestellt hat, daß diese keinen gesunden Umgang mit Gefühlen gefunden haben. Das trifft sicher nicht auf jeden Fromm-Kritiker zu, aber in eben meinem persönlichen Fall hat da einfach nur die blinde Übernahme einer Wertung statt gefunden, die ich letztlich revidiert habe, nachdem ich "Vom Haben zum Sein" (nicht zu verwechseln mit "Haben und Sein") selbst gelesen habe. Das macht mich weder zu einem übergroßen Fan oder Jünger von Fromm noch wollte ich ausdrücken, daß die einzige Re-Aktion auf Ohnmacht grundsätzlich Sadismus ist, der sich dann immer in einer Vorliebe für BDSM niederschlägt.
Ich bin auch keine Anhängerin einfacher Theorien wie "jeder, der unterwürfig ist, ist dies aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse geworden". So weit ich weiß, sind die Ursachen für se*uelle Veranlagungen und Präferenzen noch nicht abgeschlossen erforscht. Es gibt Korrelationen und Koinzidenzen, aus denen aber eben keine Kausalität im wissenschaftlichen Sinne abzuleiten ist.
Wenn Du der Meinung bist, daß Dein Kink nichts mit Deinem Machtstreben oder Deinem Kontrollbedürfnis zu tun hat, ist das völlig legitim, denn zunächst das habe ich nicht mal im Ansatz behauptet (auch nicht versteckt) und ich kann es ja zudem auch nicht beurteilen, dazu bin ich weder ausgebildet noch kennen wir uns.
Was ich aber schon recht spannend fand, war Deine sofortige Entwertung "esoterisch" und der Griff in die Polemikkiste "genau wie zu sagen, alle Devoten haben eine traumatische Kindheit". Das war Abwehr an einer Stelle an der Abwehr doch eigentlich nicht gebraucht wurde. An der Stelle wird in Gesprächstherapien zumeist empfohlen sich diesen Widerstand noch mal genauer anzuschauen.
Vermutlich hätte ich anstatt "mit Sadismus zu reagieren", besser als "darauf sadistisch zu reagieren" schreiben sollen, daß hätte das Ganze dann vielleicht weniger in die Persönlichkeitsstörungsecke gerückt, als Du es verstanden hast. Eine Persönlichkeitsstörung habe ich Dir nun keinesfalls unterstellt bzw unterstellen wollen.
Wenn Du mich fragst, wird diese Diskussion, die wir hier alle miteinander führen, von zwei sehr maßgeblichen Restriktionen begleitet. Erstens möchtest Du (noch) nicht an bestimmte Themen heran, die alle im weiteren Sinn etwas mit Deiner doch immer wieder durchscheinenden Vermeidung von bestimmten Gefühlen bzw der Auseinandersetzung mit diesen zu tun haben und andererseits ist eben rein praktisch Dein jetziger Lebensentwurf grenzsetzend.
Denn:
Zitat von carlos7: Klar leben wir kein gleichberechtigtes Poly-Konstrukt. Wollen wir beide nicht und ließe sich mit Kindern auch schwerlich umsetzen. Vor allem will ich auf meiner Seite ja gar kein Poly. Ich will meine Spielpartnerin als Zusatz zu meiner Frau. Und meine Frau will ihre kleine Auszeit zusätzlich zu mir. Ich glaube in der Literatur nennt man das Konstrukt zwischen meiner Frau und ihren beiden Männern eine nicht-hierarchische poly-amore Beziehung. Und mauf meiner Seite ist es eher eine klassische offene Beziehung. Also wir haben einen individuellen Beziehungs-Mischmasch.
ist gute und authentische Erkenntnis, heißt aber eben eigentlich auch, daß das, was Du möchtest und daß, was Deine Frau möchte sich eigentlich unauflösbar gegenüber stehen. Das Konstrukt, welches Du leben möchtest, wird sich mit Deiner Frau und ihren Vorstellungen nicht vereinbaren lassen. Dabei geht es weniger um Deine aushäusigen Spiele sondern darum, daß die von Deiner Frau durchgesetzte und gelebte Poly-Variante nicht Deine ist und ihr beide über kurz oder lang an die Grenzen der im Moment verhandelten Ausgleichs"zahlungen" kommen werdet.
Aber as always, that is indeed tomorrow's problem.