Zitat von E-Claire: Ok. Also für einen höheren Zweck verzichten ist ok, aber der Partner kann/darf/sollte nicht der höhere Zweck sein?
Nein, natürlich ist der Partner nicht ein höheres Ziel. Eine zufriedenstellende und glückliche Beziehung wäre das allerdings. Dennoch glaube ich, dass jeder (subjektiv so empfundene) einseitige Verzicht dazu führt, dass Rabattmarken geklebt werden und eine Beziehung ins Ungleichgewicht gerät. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich verzichte, dann nur wenn ich (mindestens) langfristig einen Vorteil davon habe. Ansonsten ist Verzicht schädlich.
Zitat von E-Claire: Ach das glaube ich einfach nicht, ich glaube, du willst natürlich, dass sie eben auch deinetwegen mal verzichtet, du stellst nur sehr andere Ansprüche an Freiwilligkeit. Sie soll schon hin und wieder eben auch deinetwegen verzichten, du kannst nur nicht damit regulär, dass sie es deinetwegen tut. Du brauchst die Gewissheit von freiwilligkeit. Verstehe ich, macht dich nicht zu einem schlechteren Menschen und immerhin bleibst du konsequent.
Natürlich wünsche ich mir, dass meine Frau ab und an wegen mir verzichtet. Ganz bewusst, um mir eine Freude zu machen. Allein die Bereitschaft zu verzichten, also die Geste mir ihren Verzicht schenken zu wollen, reicht für mich häufig schon aus. Ich glaube auch, dass dieser Verzicht nicht einseitig ist, sondern dass meine Frau weiß, dass ich auch für sie verzichte und dass solche Gesten des Verzichts oder vollzogener Verzicht unsere Beziehung verstärken. Aber dauerhafter Verzicht oder stark einseitiger Berzicht für den Partner? Nein, das funktioniert nicht.
Zitat von E-Claire: Der Vergleich stimmt bestenfalls nicht, weniger nett ausgedrückt ist dieser herabsetzend, in jedem Fall aber, ist, dass der Vergleich gewählt wurde, ein No-go. Die Fürsorge (oder Fähigkeit bzw Nicht-Fähigkeit xyz) meiner Frau ist ein bisschen vergleichbar mit Bildern die meine Kinder malen? Ist geprägt von einem immanenten Hierarchieverhältnis, das ist keine Augenhöhe.
Da ist Wertung drin, und wenn auch nicht intendiert, die eines Erwachsenen zu einem Kind.
Ich finde den Vergleich nach wie vor passend. Dass er ein Hierarchieverhältnis impliziert, mag durchaus sein. Denn ich empfinde ein solches im Zusammenhang mit den Schwächen meiner Frau auch. Hier wird ja schon 1016 Seiten darauf herumgeritten, dass meine Frau in vieler Beziehung unvollkommen sei. Korrekt. Das ist sie. Und auf ihre Schwächen sehe ich tatsächlich mit väterlich gütigem Blick. Da ist sie für mich die kleine M, die nicht aus ihrer Haut kann, aber ihr bestes gibt.
Das mag verquer klingen, aber ich liebe sie eben auch für das, was sie nicht kann (und sie kann weiß Gott genug). Ihre Schwäche sprechen meinen Beschützer-Instinkt und mein Helfer-Syndrom aufs zärtlichste an. Ist das schlimm? Nö, finde ich nicht. Für mich ist meine Frau vieles in einem. Manchmal der brilliante Geist, manchmal das Sexobjekt, manchmal das hilfsbedürftige Kind, manchmal die beste Mutter, usw. Alle diese Charakteristika kommen mit ihrer eigenen Wertung und ich ich stehe zu diesen Wertungen.
Zitat von E-Claire: Vielleicht aber ist seine Nachsicht (an der Stelle) eher väterlicher denn partnerschaftlicher Natur und das spiegelt sich dann im Vergleich wieder.
Yes. Das trifft zu und wie gesagt: Dazu stehe ich.