Zitat von TheWho:Was macht das schöne Leben?
Von schönem Leben bin ich derzeit leider ein gutes Stück. Manchmal gilt eben doch das Sprichwort: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Daher habe ich mir hier auch eine Auszeit gegönnt.
Eigentlich hatten wir uns so als Paar und 3er-Konstellation so richtig eingeschwungen. Wirkliche Probleme gab es nicht und wenn, haben meine Fru und ich sie geklärt und uns sogar 2x zu dritt an einen Tisch gesetzt. So hätte alles weitergehen können... tja... im Rahmen einer Routine-Untersuchung wurde bei mir ein potentiell sehr ernsthaftes gesundheitliches Problem diagnostiziert.
Seitdem ist nichts mehr so wie vorab. Wenn ich hier so nachlese, mit welchen Befindlichkeiten und Problemchen ich mich herumgeschlagen habe. Wie getroffen ich von Kleinigkeiten war... alles nice problems to have. Diejenigen, die meinen Thread von Anfang an verfolgt haben, erinnern sich vielleicht daran, dass meine Frau mit dem Schreiner in ihren Geburtstag feiern wollte oder dass sie ihn vor mir über irgendwelche Nichtigkeiten informiert hatte. Was habe ich mich damals emotional echauffiert und reingesteigert... Und wie nebensächlich solche Dinge dann plötzlich erscheinen können.
Seit der Diagnose ist es ein ständiges Auf und Ab... Diagnose, Warten, Untersuchung, Warten, Bestätigung der Diagnose, Warten, Zusatzuntersuchung, Warten, Entwarnung, Warten, Revisitierung mit Diagnosebestätigung, Warten, Zweitmeinung, Entwarnung, Warten, spezialisierte Zusatzuntersuchung, Warten, Terminverschiebeung, Warten... Gestern hätte eine entscheidende Untersuchung sein sollen, die auf nächste Woche verschoben werden musste, also weiter warten.
Was mir hilft, ist die klare, rationale Art meiner Frau. Sie steht einfach da wie ein Fels in der Brandung nach dem Motto: Solange nichts bewiesen ist, ist nichts entschieden. Wir beschäftigen uns mit den Folgen, wenn wir Gewissheit haben. Alles Grübeln und alle hypothetischen Überlegungen vorher sind vertane Lebenszeit. Und was mir persönlich extrem hilft, ist meine Tomorrow's Problem Einstellung. Ich bin ein Meister des Verdrängens und kann 95% der Zeit die Probleme im Hinterkopf ablegen und die Tür zumachen. Nächste Woche weiß ich hoffentlich definitiv, ob es sich um einen Sturm im Wasserglas oder etwas ernstes handelt. Dann sehen wir weiter.
Zu uns: Unsere Liebe steht wie ein Fels in der Brandung. Meine Frau und der Schreiner führen eine feste Zweitbeziehung innerhalb fest vereinbarter Regeln und sind glücklich miteinander innerhalb ihrer umrissenen Zeiten. Ironischerweise hilft mir das bei meinen gesundheitlichen Problemen, weil ich das Gefühl habe, sie hat einen besten Freund, wenn sie derzeit auch mal eine Stütze braucht. Miss K liegt derzeit auf Eis, die Geburt steht kurz bevor. Diese Ablenkung fehlt mir sehr, aber ich habe jemand anderen kennengelernt, mit dem ich in virtuellem Austausch bin. Und da unsere Kinks wie Topf auf Deckel passen, gibt mir das sehr viel.
Also abgesehen von der gesundheitlichen Unwucht geht es uns super. Und wenn ich von uns rede, schließe ich den Schreiner als 3. im Bunde mit ein. Inzwischen fühlt es sich an, als sei er irgendwie Teil der Familie... was vielleicht dazu beiträgt, dass alles eine Stufe ruhiger und verlässlicher und schöner läuft.