Nachdem ich eine Weile nichts von mir habe hören lassen, hier ein kleiner Update.
Heute also ist Tag 1 eines neuen Lebensabschnitts. Mein Sabbatical beginnt und meine Frau hat heute morgen das Haus verlassen um ihre Festanstellung als leitende Forscherin zu beginnen. Und ich habe heute morgen die Küche aufgeräumt, Wäsche in die Maschine gestopft, das Sofa abgesaugt, die Kids bespaßt und trinke jetzt bei schönstem Wetter auf der Terasse einen Kaffee, während die Kids den Garten zu einem Fuballplatz umbauen. Nachher gehen wir dann in den Park und lassen Flitzeflugzeuge fliegen, während meine Frau mit ihrem neuen Team am Institut zusammensitzt.
Bei der Vereinbarung des Sabbaticals war mir nicht bewusst, dass es ausgerechnet in den Pfingstferien beginnen würde und ich gleich die volle Kinderbetreuungsdröhnung abbekommen würde. Ich habe mir aber ein "Papa ist der Held" Komplettprogramm für jeden Tag ausgedacht. Mal Zoo, mal Spaßbad, mal Flitzeflugzeuge, mal Bolzplatz, usw.
Ich bin mal gespannt, wie mir die 3 Monate als Vollzeit-Hausmann und Vollzeit-Papa gefallen werden. Es ist auf jeden Fall... anders. Ob gut anders oder schlecht anders wird sich noch herausstellen. Aber da zeitlich begrenzt, werde ich es schon überleben. Ich freue mich auf meine Gastvorlesung vor den Ferien und habe die Ehre als unbezahlter Praktikant zumindest stundenweise meine Frau zu unterstützen, ihre Gedanken und Notizen zu sortiern und zu strukturieren. Wie so mancher brilliante Geist, fehlt ihr halt manchmal die Geduld, Dinge auch so zu Papier zu bringen, dass die unwissende Umwelt ihre Schlüsse nachvollziehen kann. Unsere alte Arbeitsteilung von früher: Sie ist der Denker, ich der Macher von uns beiden.
Alles in allem freue ich mich richtig auf die kommenden 3 Monate und die Herausforderungen, die mein Hausmann-Dasein mit sich bringen werden. Ich habe neben den Kinderbespaßungsplänen auch Pläne gemacht. Fertigstellung der Ausstattung der Einliegerwohnung, Umgestaltung der Garage, Einreichtung eines Yoga-Zimmers als Überraschung für meine Frau usw. Mir wird die Arbeit nicht ausgehen, zumal mich die beiden Racker sicher ganz schön auf Trab halten werden. Aber... so ganz tief im Hinterkopf schlummert ein ungutes Gefühl, das ab und zu (wenn auch selten) anklopft: Nämlich das Gefühl, entmannt worden zu sein... Ich sitze jetzt für 3 Monate zu Hause und kümmere mich um Haushalt, Küche, Garten und Kids, während meine Frau sich beruflich verwirklicht und sich zusätzlich einen Liebhaber gönnt. Natürlich ist der Gedanke Unsinn, aber ich bekomme ihn einfach nicht komplett weg.
Ansonsten läuft unsere Beziehung toll. Partnerschaftlich sehr innig, aufmerksam und liebevoll, mit ein bis drei mal 6 pro Woche, je nach Lust und Laune meiner Frau. Also im Rahmen meiner optimistischen Erwartungen. Meine Frau ist seit ein paar Wochen wie ausgewechselt (im positiven Sinne). Von Unzufriedenheit, Traurigkeit oder Verstimmung ist absolut nichts mehr zu spüren. Ihr geht zur Zeit irgendwie alles leichter von der Hand, habe ich das Gefühl. Sie selbst empfindet das auch so. Mal schauen, wie es nach 10h Arbeitstagen an der Uni und Recherche in der Freizeit aussieht. Da wird wieder eine andere Dynamik entstehen. Ich hoffe, der zu erwartende Stress dämpft nicht unser Liebesleben oder belastet unsere Zweisamkeit.
Die Liaison zwischen meienr Frau und dem Schreiner hat sich in Absprache mit mir etwas vertieft. Wir hatten in unserem klärenden Beziehungsgespräch vor 4 Wochen ja vereinbart, dass es lediglich zu einem Treffen pro Monat kommen wird und dass es keine direkten Kontakte per WhatsApp oder Telefon mehr gäbe. Das letztere war so nicht durchziehbar, da dem Schreiner das (wörtlich) zu verkopft war und er einfach weiter per WhatsApp und Telefon mit meiner Frau kommuniziert hat. Ich habe dann letztendlich mein OK dazu gegeben (nachdem meine Frau sich dieses OK tatkräftig verdient hatte ;- ). Außerdem haben wir vereinbart, dass jeder zweite Dienstag Schreiner-Abend ist. Ein Treffen pro Monat waren sowohl dem Schreiner, als auch meiner Frau zu wenig. Meine Frau isst an diesem Tag dann nicht mit uns zu abend, sondern verbringt den gesamten Abend dann mit oder bei ihm und kommt gegen Mitternacht wieder heim.
Ich habe in mich reingehorcht, ob ich bei dieser Regelmäßigkeit 6uelle Eifersucht empfinden würde. Da ist aber nichts vorhanden, da ich ja dadurch nicht zu kurz komme. Es ist auch nicht viel anders für mich, als wenn sie sagen würde, sie ginge zum Sport. Ich freue mich für sie, wenn es guten 6 gab und wir genießen unser Homecoming Ritual. Vorgestern hat sie erstmals einige gute Freunde von ihm kennengelernt, als sie beide auf einer Geburtstagsfeier vorbeigeschaut haben (die Tant., eine seiner früheren (?) Partnerinnen wurde 30). Sie findet, die meisten seine Freunde wären recht schräge, aber sehr interessante Künstler. So komplett anders als unsere akademisch geprägten Bekanntschaften. Den Abend und die Leute hat sie wirklich genossen. Ehrlich gesagt habe ich bei ihrer fröhlichen Schilderung des Abends das erste mal doch Eifersucht empfunden. Nicht wegen dem 6 (ich weiß nicht mal, ob die beiden vorher, währenddessen, danach oder überhaupt an dem Abend 6 hatten), sondern weil meine Frau so ein Pärchending mit ihm unternommen hat. Sie sagte zwar, dass sie nicht als turtelndes Liebespaar aufgetreten sind, sondern nur als Freunde. Aber dass sie so gar nicht als Paar erkennbar waren, kann ich mir trotz der Beteuerung meiner Frau nicht vorstellen. Das macht mich etwas eifersüchtig, vor allem in der Kombination dass ich mich von dieser Parallelwelt ausgeschlossen fühle. Da muss ich eine Strategie finden, wie ich in Zukunft damit besser umgehen kann. Leider verbringen die beiden ja auch Zeiten außerhalb des Bettes miteinander.
Bevor ich es vergesse: Wir haben das Mädel, das mit unseren Kids gut harmonierte jetzt als Freitags-Nanny angestellt, so dass wir jeden Freitag einen Pärchen-Abend haben. Das genießen wir beide und die Kids machen das brav mit. Morgen treffen wir uns mit Freunden in einem Biergarten wenn das Wetter hält und gehen danach noch in eine Bar an der Uni. Meine Frau wollte mal schauen, ob ein paar Leute ihres Teams auch Lust auf ein Cocktail hätten. Dann könnte ich als ihr Praktikant (schelmisches Grinsen ihrerseits) "ein paar mir fachlich vorgesetzte Kollegen kennen lernen". Die Einliegerwohnung planen wir ab Sommer an eine festangestellte Haushaltshilfe zu vermieten oder zur Verfügung zu stellen. Idealerweise jemand, de sich um Haushalt und Kinder kümmern kann, wenn notwendig.