Der gegenwärtige Stand ist, dass die Liaison mit dem Schreiner mindestens pausiert, eventuell beendet ist. Meine Frau leidet.
Wir haben so viel bei unserem Treffen Montag abend aber vor allem auch gestern geredet, dass das hier mehr ein unstrukturierter Brain Dump ist. Montag abend war eigentlich sehr konfus. Der Dienstag hat uns dagegen richtig weitergebracht. Ich hatte mir vorgenommen, mich erst mal reserviert zu zeigen und mich für mein Verhalten zu entschuldigen, um die Spannung rauszunehmen und dann mal zu schauen, wohin die Reise geht. Als ich am Treffpunkt ankam, war sie bereits da und sah verheult aus. Ich hatte eigentlich erwartet der Eiskönigin zu begegnen und nicht einem Häufchen Elend. Sie hat sich gleich ellenlang entschuldigt für ihr Verhalten gegenüber mir. Sowohl für ihre Unbedachtheit und Sturheit, als auch für den Einlauf, den sie mir wegen der Jamaikanerin gegeben hatte. Ich habe mich für meine bescheuerte Anmache auf dem Bolzplatz und meine Überreaktion auch entschuldigt. Die Wogen waren also erst mal geglättet. Mit fiel ein Stein vom Herzen, dass der unversöhnlich Ton vom Vortag komplett verschwunden war.
Dann ging es von ihrer Seite ans Eingemachte, Langer Rede kurzer Sinn: Sie kann so nicht weitermachen und hat dem Schreiner gesagt, dass sie ihn frühestens (wenn überhaupt) wieder treffen kann, wenn sie geklärt hätte, wie wir beide als Paar weitermachen. Daraufhin hat er sich aufs Rad geschwungen, um sie zu treffen, sein Geschenk zu übergeben und sich (zumindest temporär) zu verabschieden. Sie empfindet mehr für den Schreiner als sie sich bei ihrem Gespräch vor 4 Wochen eingestanden hat. Sie wäre nicht nur verliebt, sondern glaubt ihn tatsächlich zu lieben. Viel weniger und anders zwar als mich, aber sie möchte gerne uns beide in ihrem Lebens haben. Zuerst aber kommen wir als Paar und solange wir als Paar nicht einige sind, legt sie die Beziehung zum Schreiner auf Eis. Sie wüsste, dass ich Poly bisher immer ausgeschlossen hätte, so wie sie es ja auch immer dachte auszuschließen. Ihre Entscheidung den Kontakt zu ihm zu beenden steht, falls wir beide keinen Weg finden, der ohne mich zu verletzen dem Schreiner deutlich mehr Raum zugesteht als bisher. Für ihn wäre eine lose Partnerschaft mit meiner Frau ideal. Er will keine feste Beziehung mit Verpflichtungen, sondern sucht eine unabhängige Teilzeit-Partnerin, die ihn nicht einengt und ihm viel Freiraum lässt.
Sie hat das viel umfangreicher erklärt und immer mal wieder dazwischen geweint. Ich glaube ihre Tränen waren eine Kombination aus Liebeskummer und Schuldeingeständnis. Sie sagte mehrmals, dass die letzten Wochen mit mir eigentlich die schönsten unserer Ehe waren. Je mehr Gefühle sie für den Schreiner entwickelt hätte, desto intensivere hätte sie auch für mich empfunden. Sie kam mit einem eigentlich schönen Bild daher: Früher existierte in ihr nur ein Blütenblatt und zwar mit meinem Namen. Seit ein paar Wochen gab es aber zwei Blätter: Das mit meinem NAmen wäre viel größer geworden und daneben gäbe es jetzt ein kleines mit seinem Namen. Mir ging es ja auch so, dass ich die letzten Wochen mit ihr genossen habe, wie seit Jahren nicht mehr. Ders Rest ihrer Ausführungen lag mir aber schon wie ein Stein im Magen. Einerseits tat sie mir unendlich leid in ihrem Liebeskummer, andererseits traf es mich voll in die Magengrube, dass sie nicht mehr von Verliebtheit, sondern Liebe sprach und dass ihr Wunsch nach dem Schreiner so stark war. Ich kam mir ziemlich hilflos vor. Einerseits konnte ich nichts für sie tun, andererseits konnte ich auch nicht über meinen Schatten springen und ihr sagen, dass ich mit ihrer Liebe zum Schreiner kein Problem hätte.
Wir haben dann noch viel darüber gesprochen, was für Wünsche, Ängste und Sorgen, wir für unsere Beziehung haben. Und dann haben wir aneinandergelehnt wie in einem kitschigen Hollywood-Film den Sonnenuntergang engeschaut, bevor wir die Nanny erlöst haben. Ich war nicht überrascht, dass sie im Bett dann von sich aus 6 wollte. Wir hatten wunderschönen langsamen, ganz behutsamen Wiederannäherungs-6. Sehr überrascht war ich dann aber, als sie um 6:30 am Geburtstagsmorgen direkt noch einmal 6 wollte. Diesmal auf die harte Art.
Den Geburtstag blieb sie einfach ungeplant zuhause um weiter zu reden. Wir haben bis die Kids aus der Schule kamen vor allem über Beziehungsmodelle und unsere Erwartungen, Ängste und Sorgen gesprochen. Von streng monogam bis kompletter Anarchie sind wir durchs ganze Programm. Je länger wir gesprochen haben, desto mehr verglichen wir polyamore Beziehungen mit unserer offenen Beziehung und versuchten uns über die Unterschiede klar zu werden. Irgendwann sagte dann meine Frau etwas ganz entscheidendes: Sie glaubt, dass gar keine polyamore Form mit mir machbar wäre, da ich in gewisser Weine einer der eifersüchtigsten Menschen sei. Ich dachte zuerst sie wolle einen Scherz machen. Aber tatsächlich hat sie recht. Ich bin 6uell nullkommanull eifersüchtig, aber emotional extrem. Ich habe große Probleme und fühle mich extrem betroffen, wenn ich das Gefühl habe, emotional zu kurz zu kommen. Sie zählte einige Beispiele auf, wo ich über das normale Maß hinaus in ganz alltäglichen Situationen beleidigt gewesen bin. Sie hat wirklich einen Punkt, der mir bisher noch nicht so richtig bewusst war. Mir ist schon ziemlich klar, woher das bei mir kommen könnte: Ich wurde in meiner Kindheit nie so richtig mit Liebe und Emotionen bedacht. Meine Eltern kamen sich selbst an erster Stelle, ihre Jobs an zweiter Stelle und ganz zuletzt kam ich als das ungeplante Kind. Sobald ich das Gefühl bekomme in Liebesdingen (nicht 6!) hindangestellt zu werden, reagiert das kleine Kind in mir total über. Wir haben überlegt, ob es vielleicht Sinn machen würde, das einmal in einer Paartherapie zu thematisieren.
Während das Gespräch am Abend ein konfuser Ritt durch vor allem ihre Emotionen war, war das Gespräch am Morgen richtig greifbar für mich. Ich glaube ich habe etwas, woran ich für mich und für meine Frau arbeiten kann. Und so wie ich gestrickt bin... wenn ich mal ein Ziel avisiert habe, erreiche ich das auch.
Wir haben natürlich auch lang über ihre Probleme geredet. Wir glauben beide, dass sie ein großes Problem mit Versagensängsten hat und sich selbst stark unter Druck setzt, immer perfekt zu sein und perfekt zu wirken. Wir haben ohne großes Nachdenken zig Beispiele dafür gefunden. Aber ihr wirklich großes Problem ist: Sie kann niemanden emotional an sich heranzulassen. Wir kamen gemeinsam nur auf 4 Menschen in ihrem Leben, denen sie sich je wirklich geöffnet hat: Mich, unsere Kinder und nun der Schreiner. Die zwei Punkte passen irgendwie sehr gut zusammen (Eiskönigin). Sie will überlegen ob und wie sie daran arbeiten will. Vielleicht sind wir beide Fälle für die Psycho-Couch.
Als die Kids heim kamen, feierten wir richtig schön zu viert ihren Geburtstag. War schwer für uns beide den Hebel auf Unbeschwert umzustellen, ging aber nach ein paar Minuten richtig gut.
Spätabends fing meine Frau wieder an in meinem Arm zu weinen. Da kam wohl wieder der Liebeskummer hoch. Wenn sie traurig ist, habe dann immer einen so großen Beschützerinstinkt, dass ich mir doppelt so hoch und breit vorkommen, wie ich tatsächlich bin. Irgendwie sitzt tief in mir das Bedürfnis sie vor Unheil zu schützen, ähnlich wie bei meinen Kindern.
Eine Erkenntnis aus den vielen Gesprächen ist: Einer von uns wird in unsere Beziehung leiden müssen. Meine Frau wünscht sich eindeutig ein polyamores Ding mit dem Schreiner, ich hätte für mich gerne ein geschlossenes Ding mit der Option zu öffnen, wenn mir mal eine Jamaikanerin über den Weg laufen sollte oder ich meine Phantasien ausleben wollte (um den Kommentaren zuvor zu kommen: Ja ich weiß, dass meine jamaikanischen Chancen verschwindend gering sind). Irgendwie brauchen wir eine Entscheidung mit der wir beide leben können, eine ausgewogen faire Lösung fällt uns nicht ein. Einer wird leiden müssen. Ich, wenn meine Frau Quality Time mit dem Schreiner statt mir verbringt. Sie, wenn sie auf den Schreiner verzichtet.
Ich glaube beim Laufen heute morgen habe ich für mich schon entschieden, wie ich weitermachen möchte aber werde den Gedanken ein paar Tage sacken lasse, bevor ich ihn mit meiner Frau bespreche (falls sie nicht vorher auf eine Entschwidung drängt). Ich denke ich werde auch hier erst mal auf Abstand gehen, um nicht hundert gegensätzliche Meinungen verdauen zu müssen. Ich muss mich gut damit fühlen und sicherstellen, dass sich meine Frau damit gut fühlen kann.