Zitat von paulaner:@carlos7 Und? Wie ist das Gespräch verlaufen?
Schwierig und kompliziert.
Meine Frau kam strahlend heim. Es war klar zu sehen, dass sie 2 tolle Tage hatte und gern wieder nach Hause kam. Das gab einerseits einen Stich, aber andererseits war es auch schön zu sehen, dass sie gern aus dem Kurzurlaub zu mir und den Kids heimkam. Nachdem sie die Kids ins Bett gebracht hatte, habe wir uns im Garten an die Feuerschale gesetzt und ich habe sie gebeten erstmal zu erzählen. Freitag haben sie eine sehr große Tour gemacht, heute eine Genusstour. Ansonten wäre es auch sehr nett mit ihm gewesen. Sie meinte augenzwinkernd, dass er ihr Tempo nicht gewohnt gewesen sei und beim Biken keine Luft zum Reden hatte. Was sich abends als sehr vorteilhaft erwiesen haätte, da er seine maximal 2000 Worte pro Tag noch nicht verbraucht hatte und im Restaurant und an der Bar gesprächiger als normal gewesen sei. Was ich eine schöne Geste von ihr fand ist, dass sie mit ihm nicht in das Restaurant in Ort gegangen ist, zu dem wir gerne gehen, wenn wir dort sind. Alles in allem wäre es vom Wetter, vom Biken und vom Drumherum richtig toll gewesen. Auf der Rückfahrt hätte sie sich richtig auf mich, die Kinder und den Sonntag mit uns gefreut.
Ich habe sie dann etwas gefragt, was ich bisher immer vermieden hatte, nämlich ob sie sich wirklich auf mich gefreut hat oder ob sie es lieber gehabt hätte, wenn sie mit dem Schreiner nach Hause gegangen wäre. Sie schaute mich völlig unverständlich an. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich befürchtet hätte, sie würde den Gedanken an mich störend empfinden. Hat sie komplett verneint und gesagt, das Gegenteil wäre der Fall. Freitag mogren hätte sie sich total auf den Kurzurlaub gefreut, auf das Biken und zugegebenermaßen auch auf den Schreiner. Es war schließlich die erste gemeinsame Nacht mit gemeinsamem Aufwachen und gemeinsamem Frühstücken. Natürlich hätte sie sich darauf gefreut, aber mindestens genau so hätte sie sich auf der Rückfahrt gefreut, mich wieder in die Arme zu nehmen. Ich wollte dann noch sehen, wie sie auf die hier oft geäußerte Aussage, reagiert, sie würde den 6 mit dem Schreiner mehr genießen und würde mit mir nur aus Pflichtbewusstsein schlafen. Auf das hat sie komplett irritiert geschaut und mich gefragt, wie ich auf so eine Idee käme? Ich würde doch merken, dass sie den 6 mit mir sogar mehr als früher genießt. Aber ja, es hätte ein paar Wochen gegeben, da hätte sie etwas Probleme gehabt, zwischen ihm und mir umzuschalten und sich bei dem Gedanken ertappt, dass sie um unserer Partnerschaft willens mit mir schlafen würde. Und es gab eine oder zwei Wochen, da war der Schreiner in ihren Gedanken präsenter als ich. Das hätte sich aber vollkommen gewandelt, als ich ihr vorgeschlagen hätte, eine Weile poly zu leben. Mit einem mal wäre aller Druck weg gewesen und sie hätte egal bei wem von uns beiden im Hier und Jetzt sein können. Wenn sie bei mir ist, verschwendet sie kaum einen Gedanken an den Schreiner, wenn sie bei ihm ist, denkt sie schon ab und zu an mich, aber ich bin nicht dauernd präsent. Es hätte eine ganze Weile gebraucht, bis sie mit uns beiden ihren Gedanken-Frieden geschlossen hat, aber inzwischen stünden wir einfach für das Beste aus 2 sich wunderbar ergänzende Welten. Und darüber wäre sie verdammt glücklich und mir verdammt dankbar.
Das war es für den Abend dann mit glücklich und dankbar, denn dann habe ich ihr erzählt, wie es mir ging. Ich habe sie sehr damit überrascht und wahrscheinlich komplett überrumpelt. Aber ich musste mein ganzes Gefühlschaos, meine ganzen dissonanten Gefühle einfach loswerden. Ich habe ihr alles erzählt, von dem Date, von den Gefühlen beim Date und danach, von den ambivalenten Gefühlen ihr gegenüber, von meiner plötzlichen Eifersucht auf sie, sogar von der Eifersucht auf den Mann der Jamaikanerin. Davon, dass ich ihre Nähe Donnerstag abend schwer ertragen konnte, davon dass ich allein sein musste. Ich habe über eine halbe Stunde gesprochen, ohne dass sie etwas gesagt hatte. Als ich dann alles ausgekotzt hatte, fing sie an zu weinen. Was mich total erschrocken hat, denn ich habe meine Frau nur 2 mal bisher weinen sehen. Einmal, als unser Großer mit einer Lymphknotenentzündung ins Krankenhaus kam und unklar war, ob er notoperiert werden müsse und einmal, als unser Großer plötzlich nicht mehr in die Schule wollte und verzweifelt wirkte. Traurig ja, das war sie in den letzten Jahren mehrfach. Aber geweint hatte sie nie. Ich hätte sie wahrscheinlich in den Arm nehmen sollen, ich wusste aber nicht, ob sie das wollte. Also habe ich nur ihre Hand gehalten.
Sie sagte dann, dass sie es eigentlich hat kommen sehen, als ich ihr nach unserem Streit das Bild der Jamaikanerin gezeigt hatte. Aus 10km Entfernung hätte man mir angesehen, dass sie für mich der heilige Schrein aller Frauen wäre. Ich hätte nicht ihre eigene Abgeklärtheit und Stärke, um meine Gefühle zu kontrollieren. Wir wüssten doch beide, dass ich im Grunde meines Herzens nach wie vor der kleine Junge sei, der für das Gefühl geliebt zu werden alles tun würde. Und offensichtlich hätte die Jamaikanerin alle Register gezogen, mir das Gefühl zu geben, sie sei genau die Frau. Jede Frau würde nach 5 Minuten Gespräch merken, dass mein Herz mindestens so groß wie meine Naivität ist. Und wenn die Jamaikanerin tatsächlich ihren Mann als Gottesgeschenk sieht, dann hatte sie das nur um den Absprung aus dem Model-Leben zu schaffen ohne auf der Straße sitzen zu müssen. Mich sieht sie mit Sicherheit als Gottesgeschenk, der ihr einen Studienabschluss besorgt (der ja ach so schwer durch die Zeitverschiebung zu erreichen sei), ihr einen gutbezahlten Job verschafft, ihr eine Model-Agentur in Good Old Germany findet und als Ersatzvater sich so liebevoll wie kein zweiter um ihr Kind kümmert. Ich wäre so dämlich beseelt davon, anderen helfen zu wollen, dass sie sich vorstellen könnte, ich hätte sogar schon erwogen dem Schreiner über eine meiner Beteiligungen die Selbständigkeit zu finanzieren (ja, habe ich). Und zugegebenermaßen hatte ich schon konkrete Überlegunge bzgl der Master-Arbeit gehabt und das mit dem Modeln hatte ich auch schon angedacht. Sie meinte, wenn ich jetzt schon dermaßen durch den Wind wäre, obwohl wir noch nicht mal 6 hatten, dann hätte sie mich nach den ersten zwei Nächten fest in ihren Krallen. Sie kann aus eigener Erfahrung mit dem Schreiner sagen, wie schwer es ist die Ambivalenz zu akzeptieren und die Gefühle so zu steuern, dass niemand auf der Strecke bleibt. Ich könne das nicht, da wäre sie sich 100% sicher. Und zu allem Überfluss ist sie devon überzeugt, dass sich die Jamaikanerin mit Freude Collar und Handschellen umlegen lassen würde, um mich zu binden, sobald sie rausgefunden hätte, worauf ich stehe. Um ein Geschenk Gottes zu binden wäre das ein geringes Opfer. Sie hätte große Angst um uns und unsere Familie. Einen wirklichen Stich hat es mir versetzt, als sie sagte, dass sie auf der Heimfahrt zu mir und den Kids nach tollen 2 Tage dachte, sie wäre so glücklich wie keine andere Frau. Wie absurd ihr das jetzt vorkommt.
Was ich ihr hoch anrechne ist, dass sie nicht verlangt hat das Date morgen abzusagen. Ich glaube sie versteht, dass ich im Augenblick einfach nicht zurück kann und das Date und den 6 mit der Jamaikanerin erleben muss. Mit ihren Verlustängsten muss sie selbst fertig werden, das kann ich ihr nicht abnehmen. Ich musste schließlich auch eine ähnliche Situation mit dem Schreiner überstehen. Ich finde ihre Ängste darüber hinaus ziemlich irrational. Dass die Jamaikanerin mich als Sprungbrett aus ihrer Ehe und als Steigbügelhalter für ihre Ziele sehen würde, halte ich doch für sehr weit hergeholt. Die Nacht auf Sonntag war etwas seltsam, sie ging ins Bett während ich noch ein paar Minuten am Feuer sitzen geblieben bin. Als ich dann hochkam, hat sie sich schlafend gestellt, was sie aber nicht war. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie die eine oder andere Träne verdrückt hat. Sonntag war sie dann sehr ruhig und sehr auf die Kids fokussiert. Als wir ins Bett gingen, hat sie mich gefragt, ob ich mir ihr schlafen wollte. Haben wir dann auch gemacht, aber es hat sich irgendwie anders als sonst angefühlt. Von beiden Seiten vorsichtiger. Es war schön auch wenn ich es gerne leidenschaftlicher mag. Ich ging eigentlich davon aus, dass sie sich danach eng an mich löffeln würde. hat sie aber nicht getan, sondern lediglich beim Einschlafen ihren Kopf an meine Schulter gelegt.
Wie ich ja oben sagte, es ist kompliziert.