Paris hat uns wieder fest zusammen geschweißt. Auch wenn ich anfangs ja der Überzeugung war, dass der schon seit längerem geplante 4-Tages Kurztrip nach Paris zum falschest möglichen Zeitpunkt käme, war genau das Gegenteil der Fall. Er hat meine Zweifel an meiner Frau und die obsessiven Gedanken an die Jamaikanerin fast komplett weggewischt. Ich fühle mich ihr nah wie vor der kurzen Liasion, vielleicht sogar noch etwas näher. Denn wie sagte jemand weiter vorne im Thread so treffend: Gibt es einen schöneren Liebesbeweis als eine ganz bewusste Entscheidung für den Partner mit allen Sinnen? Nach zwei Tagen der zuerst zögerlichen und dann Fahrt aufnehmenden emotionalen Annäherung, war mir Samstag abend klar: Mit dieser Frau an meiner Seite bin ich glücklich.
Ist damit der Liebeskummer vorbei? Nein, von Zeit und Zeit empfinde ich immer noch Verlust, Trauer und Eifersucht. In Paris stach mir jeder Starbucks ins Auge und warf mich wieder in ein Gedankenkarussell zurück. Aber meiner Frau war fantastisch einfühlsam. Sie hat gespürt, wann ich ein paar Minuten Einsamkeit brauchte, wann ich eine Hand oder eine Umarmung braucht. Sie hielt Abstand, wenn mir nach Abstand war und suchte Nähe, wenn mir nach Nähe war. Es war, wie wenn sie auf meiner Wellenlänge mitritt. Eine Art blindes Verständnis, das ich ihr hoch anrechne. Wer will sich schon den Liebeskummer-Launen des Partners annehmen, die meisten wären genervt davon gewesen oder hätte Unverständnis gezeigt. Dennoch, bis ich ganz über die Jamaikanerin hinweg komme, wird es noch dauern. Außerdem habe ich versprochen, dass ich mich noch einmal melde. Ich hoffe, das Gespräch wirft mich nicht zurück. ihre mehrmaligen Kontaktaufnahmen während des Wochenendes habe ich ignoriert. Sobald eine Whatsapp von ihr auftauchte, habe ich sie ungesehen weggedrückt. Hat mich große Überwindung gekostet, ging aber. Ich schaue sie mir erst kurz vor dem Telefonat an, um das Kopfkino nicht frühzeitig anzuschalten.
Die 4 Tage waren einfach toll. Nicht unbedingt wegen Paris, das wir uns mit ca 1 Million Touristen geteilt haben, sondern weil meine Frau die 4 Tage super geplant hatte. Angefangen davon, dass wir in einem winzigen aber sehr schönen Hotel direkt an der Notre Dame gewohnt hatten. Wir machten eine Stadtführung mit einer tollen Führerin, eine geführte Tour durch die Impressionisten im Musee d'Orsay, besuchten die üblichen Must-Sees und entspannten in den Parks. an der Seine oder bei einem Kaffee. So weit, so normal. Was ungewöhnlich und toll war, dass meine Frau von unseren gewohnten Pfaden abgewichen ist. Für mich war das eindeutig durch den Einfluss des Schreiners. Wir zogen nämlich durch zahlreiche Galerien in Montparnasse und Montmartre und erwarben zwei wunderschöne Bilder für zuhause und einen ausgefallenen Deko-Gegenstand. Mit Sicherheit hat meine Frau Insidertipps vom Schreiner oder seinen Künstler-Freunden bekommen, so zielstrebig wie sie die eine oder andere Galerie ansteuerte. Sie fragte mich, ob es ok für mich wäre, wenn sie ihm ein Mitbringsel kauft und hat ein knallbunte, kleine Plastik erworben, von der sie meinte, dass sie als Konstrast zu seinen Holzarbeiten perfekt in seine Wohnung passe. Abends aßen wir dann auch nicht in den Touri- oder Sterne-Restaurants, sondern meine Frau suchte kleine, einfache Bistros aus, in denen zum großen Teil nur Pariser aßen und wir mitten dazwischen an kleinen Tischen leckeres, einfaches französisches Essen genossen. Zwei mal gab es nicht mal ein englisches Menu. Auch da war für mich der Einfluss des Schreiners klar zu spüren. Der Gedanke ist ein wenig skurril, aber er hat wirklich unser Liebeswochenende deutlich zum positiven beeinflusst. Danach tranken wir noch einen oder zwei Cocktails (besonders gut hat uns das im studentischen Quartier Latin rund ums die Sorbonne gefallen) und gingen dann ins Bett. In der ersten Nacht waren wir beide noch übervorsichtig und hielten beim Einschlafen nur Händchen, in der zweiten Nacht bat mich meine Frau sich anlöffeln zu dürfen und in der letzten Nacht brach die verschüttete Leideschaft wie ein Vulkan aus uns heraus. Als meine Frau nur mit Handtuch um die Hüften wie eine Venus-Statue aus der Dusche kam, war es um mich geschehen. Wir sind wie zwei Verhungernde übereinander her gefallen. ich kann mich nicht erinnern, jemals so intensiven 6 gehabt zu haben. Wie die ganzen Tage vorher im Umgang miteinander, waren wir diesmal auch beim 6 genau auf einer Wellenlänge. So fahren wir unter anderem beide unheimlich darauf ab, wenn wir zeitgleich zum Höhepunkt kommen und sie danach mit ihrem Kopf auf meiner Brust in meinen Armen liegt und wir den Herzschlag des anderen spüren. In dieser Nacht ist mir das perfekte Timing zum ersten Mal in unseren 12 Jahren sogar zwei mal gelungen. Ich weiß natürlich, dass nicht jeder Tag so tollen 6 bietet, aber umso schöner, dass die finale körperliche Wiederannäherung für uns beide einfach perfekt war.
Nicht wirklich störende, aber etwas ungewohnte Eifersucht haben völlig ungewohnt zwei Dinge in mir hervorgerufen. Zum einen habe ich bemerkt, dass meine Frau durchaus den einen oder anderen verstohlenen oder auch mal weniger verstohlenen Blick auf andere Männer wirft. Das Muster war immer gleich: Groß, schlank, breite Schultern. Was bei mir Jamaika ist, ist bei ihr offensichtlich die zum Glück seltene Kombination aus schlank, Waschbrettbauch und breitschultrig, muskulös, aber nicht zu muskulös. Schreiner-like eben. Das zweite etwas störende Element war, dass ich das Gefühl hatte, meine Frau wurde ziemlich aggressiv angeflirtet, wenn ich mal ein paar Meter entfernt war oder auch nur mal auf mein Handy geschaut habe. Bisher hat das meist Besitzerstolz in mir ausgelöst, am Wochenende aber eher Eifersucht und Ärger. Irgendwie gelingt es mir noch nicht wieder, über der Sache zu stehen. Ich fühle mich nach wie vor durch die Geschichte mit der Jamaikanerin verunsichert. Fast so, als hätte sie mich abserviert und nicht umgekehrt. Dabei sollte ich eigentlich vor Mannes-Stolz platzen, schließlich wollte ein 12 Jahre jüngeres Model unbedingt mit mir einen Hotelflügel beschallen. Irgend etwas rumort da noch in mir, das ich besser verstehen will. Ich habe meine Frau mal drauf angesprochen und sie hat recht überrascht reagiert. Zum einen sei sie nicht öfter angeflirtet worden als üblich und kann das komplett ignorieren, zum anderen hätte sie schon immer mal einen Blick auf einen schönen Männerkörper geworfen. Daran hat sich nichts geändert, höchstens an meiner Rezeption.
Alles in allem fühle ich mich mit meiner Frau wieder so verbunden, als hätte es die kurze Obsession mit der Jamaikanerin nie gegeben. Ich hoffe, die kommt nicht durch das bevorstehende Gespräch wieder zurück. Wie es mit meiner Frau und mir weitergeht, werden wir heute abend besprechen. Wir wollten den schönen Trip nicht durch das Wälzen von Problemen belasten.
Ansonsten: Donnerstag fängt für die Kids die neue Schule an. Die beiden sind ziemlich aufgeregt und freuen sich drauf. Das Wochenende mit der Doppelbetreuung der Kids durch die neue Au-Pair und die Nanny hat super geklappt. Den Kids hat es Spaß gemacht (auch wenn der kleine die Mama gar nicht mehr loslassen wollte) und die beiden Betreuerinnen fanden die 4 Tage auch klasse. Fun fact am Rande: Nicht nur uns hat der Paris-Trip nähergebracht. Offensichtlich auch die beiden Mädels. Vereinbart war, dass die Ex-Nanny bei uns im Schlafzimmer schläft und die Au-Pair in ihrer Wohnung. Zerwühlt waren aber beide Bettseiten und der kleine plapperte munter drauflos, dass er sich wie bei uns Samstag und Sonntag morgen zwischen die beiden gedrängelt hat, was unsere Ex-Nanny einen hochrotn Kopf hat bekommen lassen. Von der Au-Pair wussten wir bereits, dass sie ausschließlich auf Frauen steht. Das hatte sie uns direkt ungefragt gesagt. Offensichtlich steht unsere Ex-Nanny auch auf Frauen. Da wird leider auch baldiger Liebeskummer anstehen, denn die Nanny beginnt in ein paar Wochen in einer anderen Stadt zu studieren. C'est la vie, c'est l'amour.