Zitat von KBR:@Ricky
Ich bin ja total bei Dir, wenn es darum geht, Initiativen gegen Gesetze zu starten, die man - aus welchen Gründen auch immer - nicht für angemessen oder zeitgemäß hält.
Aber die Auslegung von geltendem Recht davon abhängig zu machen, wie sinnvoll ich es selber finde und damit auch noch zu argumentieren, finde ich einfach befremdlich. Einen Verstoß gut zu heißen, weil man selber der Auffassung ist, dass die Beteiligten ja niemandem schaden oder niemand das Recht hat, ins Schlafzimmer zu gucken, halte ich für eine sehr seltsame Rechtsauffassung.
Natürlich jammern immer irgendwelche Leute darüber, dass ihnen dies und jenes nicht passt, wenn sie dafür weniger vom Kuchen bekommen oder sich aus ihrer gewohnten Umgebung bewegen müssen. Das ist doch nicht erst seit gestern so. Aber dieses Gesetz ist ja in der Tat nun schon diverse Male in der Politik aufgeflammt und besprochen worden, aber - wie gesagt - war es die CDU, die es blockiert hat, wenngleich auch nicht einstimmig. Mich persönlich berührt das Gesetz null. Es ist mir auch ziemlich Wurst. Klar, so lange es besteht, muss man sich auch dran halten. Sonst brauchen wir keine Gesetze mehr. Aber in Frage stellen darf man es sehr wohl.
Zitat:Wenn ich meinem Nachbarn die Kirschen vom Baum pflücke, die er selber nicht erntet, schade ich auch niemandem - selbst wenn er das nicht möchte. Dennoch darf ich es nicht.
Das ist sein Eigentum mit dem er machen kann, was er will. Auch hier ist es kein sinnvolles Gleichnis, weil Du in den Privatbereich einer Person eingreifst. Das tun die beiden wiederum nicht. Sie wollen zusammen sein und ihr Leben leben. Sie bedrängen damit ja niemanden.
Zitat:Und auch diese beiden schaden anderen. Sie schaden ihren Familien, ihren Freunden, ihren Kindern, ggf. künftigen Kindern, denn die Gesellschaft ist grausam und sie verstoßen nun mal gegen geltendes Recht. Der Mann wird sich freuen, wenn sein Sohn heulend nach Hause kommt, weil die anderen Kinder ihn damit konfrontieren, dass sein Vater seine Schwester *beeeeeeeeeep* und wenn er damit gehänselt wird, dass seine Mutter bestimmt auch eine Schwester seines Vaters ist und dass es in seinem Umfeld sowieso jeder mit jedem treibt usw.
Nö, sie schaden den Familien erstmal gar nicht, weil es da nur um deren Ansehen in der Gesellschaft geht. Und das kann man bewerten wie man will. Es ist nunmal keine Anklage wie eine vorgetäuschte Vergewaltigung. Dass das bei den Kindern umgehen kann, wäre in der Tat eine Möglichkeit, wenn sie es denn so publik machen. Aber: Tun sie das wirklich? Oder macht es dann irgendwann ein Anderer? Und dann sind sie Schuld, weil ein Anderer es moralisch verwerflich findet und sie damit bloßstellen will? Sry, aber das ist "Victim Blaming". Das wäre so, als würde ich Dir einen Vorwurf machen, dass Deine Bilder im Netz von jemandem gehackt wurden und online gestellt werden. Dann sagen auch etliche: "Selber Schuld, wenn man so dämlich ist und das macht", ABER der Täter bleibt dennoch der Hacker, denn das ist Deine Privatsphäre. Dieses "Vorsicht vor der allgemeinen Meinung" lehne ich ab.
Zitat:Aber eigentlich treibt mich das Thema gar nicht um. Mich interessiert viel mehr, was so eine Entwicklung mit dem Verhältnis von dem Paar zu den jeweiligen Eltern macht, die offenbar mal Mist gebaut haben im Leben und nun zusehen müssen, wie der Sohn/Bruder die Frau/Schwester angeblich nur durchs Hintertürchen *beeeep*, weil vorne darf er ja nicht. Mich würde viel mehr interessieren, wie in dieser Art betroffene Familien mit der automatisch entstehenden Zerrüttung klarkommen, wie sie das zu lösen und zu heilen versuchen.
Die Katastrophe dort ist ja viel größer als nur die Frage, ob die beiden miteinander pimpern dürfen.
Ist die Familie deswegen zerrüttet? Ich konnte das bisher nicht herauslesen. Aber das mag schon sein. Ich denke aber auch selbst da geht es eher um einen moralischen Anklang als alles andere. Man muss seine eigene Moral und ggf. entstehende Doppelmoralen auch mal hinterfragen... und hinterfragen dürfen.