Zitat von Senta55:MEINE ERFAHRUNG DER KINDHEIT WIEDERHOLE ICH SOLANGE MIT UNTERSCHIEDLICHEN "AKTEUREN "
bis ich erkenne ,dass die schmerzliche Erfahrung mir zur Heilung dient.
Der Heilung von der Erfahrung, von den Eltern nicht gewollt worden zu sein.
In meinem Fall wörtlich zu nehmen. Denn ich weiß schon länger, von meinem Vater ( die Eltern sind übrigens seit über 40Jahren geschieden) dass ich als drittes Kind damals, abgetrieben werden sollte. Auf Betreiben meiner damals sehr unglücklichen Mutter. Die kein weiteres Kind wollte.
Der Versuch, von den Eltern vorgenommen, misslang.
Zitat von Senta55:Zu dem wurde ich als kleines Kind vom Vater damals 2mal fur lange Zeit in eine Klinik gebracht (Habe stark geschielt)und dort "alleine "zurück gelassen. Trauma.
Hast Du Dich schon mal intensiver mit der Thematik Traumawiederholung und Revictimisierung beschäftigt?
Ich versuche es mal aus meinem Gedächtnis zu kramen und irgendwie verständlich zusammen zu fassen.
Menschen reinszenieren oft ihre Traumata, in der Hoffnung, sie auf diese Weise auflösen zu können. Leicht erkennbar zum Beispiel an Frauen, die als Kinder geschlagen wurden und als Erwachsene immer wieder an Partner geraten (bzw. sich diese unbewusst suchen), die schlagen, und/oder die immer wieder zu ihren schlagenden Partnern zurückkehren.
Die Idee ist im Grunde nicht schlecht, auf diese Weise das Erlebte auflösen zu wollen. Das Problem ist nur, dass Traumatisierte sich in ihrem tiefsten inneren Erleben meist selbst als Verursacher oder Schuldige der ursprünglichen traumatischen Situation empfinden. "Ich war nicht liebenswert genug", "hätte ich mich anders verhalten" , "es war im Grunde meine Schuld" etc. - so lauten oft unbewusste Glaubenssätze. Wäre ich irgendwie anders gewesen, dann hätte der schlagende Vater mich lieb gehabt und eben nicht geschlagen. Jetzt mal ganz vereinfacht ausgedrückt.
Wenn nun die traumatische Situation reinszeniert wird, versuchen die Opfer sich anders, also "besser" zu verhalten, alles "richtig" zu machen, um den Täter so zu einem anderen Verhalten zu bringen. Wie gesagt - das alles läuft auf einer sehr unbewussten Ebene ab.
Aus der Erfahrung, irgendwie nicht "richtig" zu sein, es "nicht wert" oder "nicht liebenswert" zu sein folgt dann logischerweise auch oft eine starke Idealisierung und Verklärung des Täters "in Wirklichkeit meint er es ja nicht so", "er will sich ja ändern", "er hat auch liebe Seiten", "im Grunde ist er ein toller Mensch" - denn so korrigiert das Opfer seinen (falsch empfundenen) negativen Selbstwert. Denn wenn der Täter einen eigentlich gar nicht schlagen wollte, es nicht so gemeint hat, dann muss man selbst ja doch liebenswert sein.
In der Reinszenierung des Traumas versucht das Opfer nun, durch sein Verhalten den Täter zu einem anderen Verhalten zu bewegen. Es versucht auf diese Weise auch, die empfundene Machtlosigkeit zu überwinden und sich Kontrolle zu verschaffen. Natürlich wird das kaum gelingen. So wie man als Kind keinen Einfluss auf das Verhalten von (ich nenne es jetzt mal) persönlichkeitsauffälligen Personen hatte, so ist es wohl auch im Erwachsenenalter ziemlich aussichtslos. Erneute Verletzungen und vor allem eine Verstärkung (!) des ursprünglichen Traumas sind die Folge.
Die einzige Lösung liegt wohl darin, sich aus der Abhängigkeit und schädigenden Situation zu befreien, indem man den Kontakt zu der Person abbricht und sich in Sicherheit bringt. Denn genau das war ja als Kind nicht möglich. Als Kind ist man von den Erziehungsperslnen abhängig, als Erwachsener hat man die freie Wahl, mit wem man sich abgeben möchte.
Bei Dir liebe Senta kommt noch hinzu, dass Du ja beschreibst, dass Du schon vor der Geburt nicht gewollt wurdest, und vermutlich war es auch nach der Geburt für Dich spürbar. Dieses Trauma der tiefen Ablehnung fällt also in die vorsprachliche Phase, in der das Erleben von Dir noch nicht benannt werden konnte. So weit ich informiert bin macht es das besonders schwer, im Zusammenhang mit dem Trauma heute erlebte Gefühle sprachlich auszudrücken, beziehungsweise gedanklich einorden zu können.
Ob Du hier nun ein Verlassenwerden reinszenierst, bzw. dessen Verhinderung, oder versuchst jemanden, der Dich (so wie Du bist) gar nicht will, von Deinem Wert zu überzeugen - kann ich nicht beurteilen. Auf mich wirkt es so.
Wie auch immer - vielleicht inspiriert Dich mein Beitrag dazu, Dich mal intensiver mit der Trauma- Problematik zu beschäftigen. Und Dich so selber besser zu verstehen und es Dir zu ermöglichen, in Beziehungen einzutreten, die Dich rundum nähren und glücklich machen.
