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Betrug - verzeihen lernen

alleswirdbesser
Zitat von Taja1976:
Davor habe Ich natürlich auch noch Angst, wenn es irgendwann mal einen neuen Mann in meinem Leben geben würde, ob Ich noch vertrauen könnte.

Das merkst du, wenn es soweit ist. Ich habe tatsächlich kein Problem damit meinem Partner zu vertrauen und dabei hat jeder von uns die größte Freiheit, die es geben kann, da wir nicht zusammen wohnen und niemand Bericht erstatten muss was er macht, wo er ist… auch ausgehen tun wir manchmal getrennt, wobei er mehr als ich. Das war früher, und das vor meiner Trennung von Exmann, nicht wirklich denkbar. Wir lebten zusammen, hatten Kinder, und wenn er mal auf eine Weihnachtsfeier ohne mich ging, war ich schon unruhig und sauer, wenn er zu lange weg blieb. Mein Freund kann die Nacht durchfeiern, ich kann ruhig schlafen in der Zeit. Das war nicht sofort so, aber nach einiger Zeit bin ich bei 100% Vertrauen angelangt. Anfangs trennte er sich sogar kurz von mir, weil ich (so denke ich) anfing zu klammern und er (nach seinen Erfahrungen in der Ehe) das auf keinen Fall mehr wollte. Wir kamen aber wieder zusammen und es sind schon 4 Jahre. Ich glaube er schätzt es sehr eine Partnerschaft zu führen. In der er nicht kontrolliert wird. Er war derjenige, der betrogen wurde, er war aber derjenige, der extrem kontrolliert wurde und sich nach der Frau richten musste. Waren sie zusammen auf einer Party und sie hatte nach kurzer Zeit keine Lust mehr, musste er mit ihr gehen. War er allein weg, rief sie an und forderte, dass er heimkommt. Sowas liefere ich gar nicht erst ab, ich habe auch dazugelernt. Klammern ist Gift. Ich weiß nicht warum, aber ich vertraue ihm, ich kann dazu keine rationale Erklärung geben. Insgesamt hat sich einiges an meinen Einstellungen bzgl. Beziehung geändert, so dass ich tatsächlich anders bin als früher.

x 6 #31


alleswirdbesser
Zitat von HierDerNameNEU:
Betrug ist nicht zu entschuldigen und wer sowas verzeiht hat meiner Meinung nach keinen Selbstwert, sprich, diese Person ist sich selbst so wenig wert, das sie ernsthaft überlegt - und es dann auch macht - zu verzeihen, dass man selbst wie Müll behandelt wurde und nur die zweite Wahl noch ist.

Zu meinen Anfangszeiten im Forum war ich ähnlich eingestellt und konnte nicht verstehen wie man nach dem Betrug noch weiter in der Ehe verbleiben kann, warum. Ich nahm an, dass Geld, Kinder, Hsus, Bequemlichkeit, Gewohnheit dahinter stecken. Durch die vielen auch mal sehr aufbrausenden Diskussionen hier im Forum, vor allem mit Felica und Bernhard, habe ich schließlich auch an ihre Argumente, ihren Weg geglaubt. Und dieser ist weiß Gott nicht einfacher als zu gehen. Mich haben sie damit überzeugt, dass sie nach Aufarbeitung wieder glücklich sind und dass es funktioniert hat. Das ist jetzt natürlich sehr simpel erklärt, das war wirklich ein Prozess über Monate oder gar Jahre bis ich es glauben konnte. In meiner Umgebung sind ein paar Paare, die nach dem Betrug zusammen sind, aber mit Ihnen diskutierte ich nicht und nahm ihnen das nicht ab, von einem Mann wusste ich, dass er weiter betrügt, nur viel vorsichtiger.

Mein Weg wäre es nicht, ich würde gehen. Und mir geht es nicht um das Verzeihen, sondern um mein Seelenfrieden. Ich habe ihn wiedergefunden und der Rest ist mir egal. Ob das verzeihen ist? Keine Ahnung.

x 2 #32


A


Betrug - verzeihen lernen

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Worrior
@alleswirdbesser
Ich verstehe Dich voll und ganz.
Es ist mit einer Leichtigkeit erfüllt und so entspannend wenn der ganze Druck weg ist.
Wenn nicht ständig das Teörfon brummt, man sich nicht ständig erklären muss mit wem und warum man jetzt hier und dort ist und wann das endet.
Wenn man ohne schlechtes Grwissen einen Tag lang mal seinen eigenen Interessen nachgehen kann.
Wenn man nach der Arbeit heimkommt und erst mal Zeit für sich selbst hat.
Um so mehr freut man sich dann auf den Partner, die Zeit mit ihm und die Unternehmungen und gemeinsame Erlebnisse.
Kein stupides aufeinanderkleben 24/7.

x 3 #33


B
@alleswirdbesser
Ich glaube, dass man nur mit Schmerzen wirklich lernt. Und Du hast die Chance genutzt. Ein neuer Blick auf Beziehung, dass man durch die Freiheit auch viel unbeschwerter leben kann. Misstrauen macht einfach nichts Gutes. Wobei ich anerkenne, dass der Grat zwischen Vorsicht und Misstrauen sehr schmal ist, genau wie zwischen Vertrauen und Blauäugigkeit

x 3 #34


alleswirdbesser
Verzeihen ist für mich etwas, was mit dem anderen, dem Betrüger und seiner Tat zu tun hat. Warum sollte dieser Mensch, der aus meinen Leben gegangen ist, mich noch dahingehend beschäftigen? Mein Seelenfrieden ist dagegen etwas, was mich direkt betrifft und somit das Hauptziel sein sollte. Nicht verzeihen was war, sondern damit in Frieden leben was ist.

x 3 #35


alleswirdbesser
Zitat von BernhardQXY:
Wobei ich anerkenne, dass der Grat zwischen Vorsicht und Misstrauen sehr schmal ist, genau wie zwischen Vertrauen und Blauäugigkeit

Das auf jeden Fall, und sollte ich wieder auf die Nase fallen, lasse ich es sein mit den Beziehungen 😉

x 1 #36


B
@alleswirdbesser
Aber genau das ist verzeihen. Das was dir der vdk und dein FG angetan haben, das spielt für dich keine bestimmende Rolle mehr. Das ist Vergangenheit, hat dich mit Sicherheit geprägt und hinterließ Narben.
Aber im hier und jetzt spielt das keine Rolle mehr.

x 1 #37


HeavyDreamy
Ich bin ja auch schon fremd gegangen - 1 Mal.

Ich bin dann von meiner 1. Ehe gegangen und habe mir aber auch gesagt, dass ich sowas nie mehr machen werde.
Ich habe mir selber verzeihen können, da dieses für mich eben ein einmaliger Fehler war, den ich aber ja nie mehr wiederholen möchte.

Jemand, der dauernd fremdgeht - dann schon viel schwieriger.

Was das zusammenleben angeht, ist nichts schöner, als dass jeder seinen Freiraum hat.
Ne eigene Wohnung, wo man sich nach einem gemeinsamen Wochenende oder auch gemeinsamen Urlaub wieder zurückziehen kann, ist Gold wert.

Zitat von Worrior:
Um so mehr freut man sich dann auf den Partner, die Zeit mit ihm und die Unternehmungen und gemeinsame Erlebnisse.

Yes!

x 2 #38


alleswirdbesser
Zitat von BernhardQXY:
@alleswirdbesser Aber genau das ist verzeihen. Das was dir der vdk und dein FG angetan haben, das spielt für dich keine bestimmende Rolle mehr. Das ...

Aber ich könnte nicht sagen, dass es okay war, wie es war. Das war nun mal nicht okay, aber es spielt in meinem Leben aktuell keine Rolle mehr. Verzeihen ist für mich irgendwie gleichzeitig das grüne Licht für die Tat an sich. Und das bleibt rot und wird es immer sein.

x 1 #39


Worrior
Zitat von alleswirdbesser:
Verzeihen ist für mich irgendwie gleichzeitig das grüne Licht für die Tat an sich. Und das bleibt rot und wird es immer sein.

Verstehe ich.
Ich glaube wenn man sagen kann "Du bist wie du bist und hast getan was du tun musstest. Ziehe in Frieden weiter aber du wirst nie mehr Teil meiner Gegenwart oder Zukunft sein" dann ist man innerlich frei und hat sich von dem unnötigen Ballast befreit.
Wenn man den Sperrmüll erst mal rausgestellt hat bringt es nichts ihn nochmals durchzuwühlen ob man vielleicht doch noch etwas brauchen kann.
Auch da muss man loslassen können.
Denn man holt sich damit nur neuen Sperrmüll ins Haus, der dann wieder mühsam entsorgt werden muss.

x 3 #40


alleswirdbesser
Verzeihen wäre für mich dann ein Ziel, wenn man tatsächlich beschließt den Weg weiter zusammen zu gehen. Dann bleibt der Betrüger der Partner, mit dem ich mich weiter beschäftigen muss, der weiter von Bedeutung ist und nicht nur meine Vergangenheit, sondern auch meine Gegenwart darstellt. Da geht es dann nicht nur um mich, sondern auch um ihn und schließlich um ein UNS. Da arbeitet man dann gerne daran, wenn man diese Entscheidung getroffen hat. Für mich eher nicht möglich, aber ich glaube inzwischen daran, dass die anderen das können.

Trennen sich die Wege, so ist der Partner weg und sollte nicht mehr im Fokus stehen. Das primäre Ziel ist in meinen Augen nicht das Verzeihen, sondern das eigene Wohlergehen, der innere Frieden und auch hier ist der Weg lang, dafür der Ausgang nicht ungewiss. Und völlig unabhängig vom Betrüger und seinem Umgang damit.

x 2 #41


FloraVita
Kann man sich in einer traditionellen Beziehung, in der beide ein gemeinsames Zuhause haben, nicht frei fühlen?
Wenn ich mich nach einem gemeinsamen Wochenende vom eigenen Partner erholen müsste, oder er sich von mir... Ob das dann der richtige ist?

#42


B
@alleswirdbesser
Das muss es auch nicht und kann es auch nicht. Ist bei mir nicht anders.

x 1 #43


Worrior
Zitat von FloraVita:
Kann man sich in einer traditionellen Beziehung, in der beide ein gemeinsames Zuhause haben, nicht frei fühlen?

Doch, natürlich ist das möglich.
Solange man sich gegenseitig nicht unentwegt auf der Pelle sitzt, dem Partner Freiräume einräumt für seine Interessen.
Wenn man in der Lage ist sich auch mal mit sich selbst zu beschäftigen und keinen Bespaßer non stop um sich braucht.
Wenn man versteht dass der Partner heute mal nicht mit auf der Couch hocken muss sondern, ins Gym geht, diesen Samstag mal mit den Jungs auf Motorradtour ist oder Sonntags mal zum Stammtisch geht.
Wenn man es unterlässt, obwohl man genau weiß wo der Partner ist, ständig anzuschreiben oder nachzutelefonieren um einen genauen Lagebericht zu erwarten.
Wenn man den Partner nur auf der Arbeit anruft wenn es wirklich wichtig ist.
Wenn man nicht ausrastet weil auf die Sprachnachricht oder Textnachricht nicht innerhalb vom Sekundenbeteich geantwortet wird.
Wenn man dem Partner wenn er, von der Arbeit, nach Hause kommt erst mal Zeit lässt sich umzuziehen und eine Tasse Kaffee zu trinken bevor man ihn mit irgendwelchen Themen belegt.
Man keine Flappe zieht wenn der Partner mal müde ist und früh zu Bett geht.
u.s.w.
Eine Beziehung funktioniert trotzdem wunderbar auch wenn man keine gemeinsame Wohnung hat.

x 2 #44


P
Ich finde, es ist ein riesiger Unterschied, ob ich jemandem um meines eigenen inneren Friedens Willen verzeihe - oder ob es um die weiteren Konsequenzen geht.

Verzeihen ist für mich etwas, was im Endeffekt mit mir zu tun hat. Ich kann die Schmerzen loslassen, abgeben. Kann wieder an anderes denken. Nach vorne schauen.

Das berüchtigte Vergessen, was oft gleichgesetzt wird, ist nach meinem Verständnis extremst davon abhängig, was der/ die andere macht.
Ist es denen peinlich, tut es denen ernsthaft leid, wollen sie auch an sich arbeiten und packen es an - dann ist es eine Frage der Zeit, bis wann man da wirklich Schwamm drüber, weil Beziehung 2.0 vorhanden. Beispiel wäre Bernhard.

Wenn allerdings kaltschnäuzig, ignorant, Schuldumkehr und andere Dinge laufen, die keine Einsicht, Besserung, Erkenntnis oder ähnliches vermuten lassen, dann sollte man - trotz Vergebung/ Verzeihen - zusehen, daß man seine Konsequenzen zieht.
Also ich sollte dann auf keinen Fall vergessen, wie die andere Person drauf ist. Im Gegenteil. Ich sollte deren Verhalten berücksichtigen bei meinen weiteren Überlegungen, wie es weitergehen kann oder soll für mich.
Dabei kommt es drauf an, worum es geht. Nimmt jemand ständig das bereits geschmierte Brot vom Teller sind die Konsequenzen andere, als wenn jemand unregelmäßig seine Nachrichten abhört und damit Termine versauen kann - nur als unbrauchbare Beispiele.

Also Vergeben/ Verzeihen ist nicht gleich Vergessen.
Ersteres ist mein innerer Friede, egal, was der/ die andere macht.
Zweiteres ist abhängig vom Verhalten des anderen.

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A


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