Yolanda_
Mitglied
- Beiträge:
- 5
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 9
- Mitglied seit:
ich bin gerade etwas ratlos und würde mich über euer Feedback zu meiner Situation freuen:
ich (f, 33) habe im Sommer einen Mann (38) online kennen gelernt. Es war von vornherein klar, dass er sich gerade im Scheidungsprozess befindet, mit zwei Kindern (Grundschulalter) - klingt von vornherein etwas erschwert, aber da wir uns auf Anhieb gut verstanden haben, war das für mich nicht ausschlaggebend, ihn weiter kennenzulernen. Innerhalb von 2 Monaten haben wir uns immer öfter getroffen, hatten jeweils tiefe Gespräche, konnten sehr gut gemeinsam lachen, haben schöne Dinge unternommen. Von Anfang an zeigte sich jedoch, dass er in Bezug auf eine Weiterentwicklung sehr vorsichtig war, was ich auch verstehen kann - er war seit dem jungen Erwachsenenalter in einer Dauerbeziehung mit Ehe, aus der letztlich zwei Kinder und ein Haus hervorgegangen sind. Darüber hinaus hat er keine substantiellen Beziehungserfahrungen. Er beschreibt diese Zeit häufig als "goldenen Käfig", in dem er nach und nach auch vom Familienleben "ausgeschlossen wurde". Man habe sich schon seit Jahren auseinandergelebt, weswegen er diese Ehe nach nunmehr 2 Jahren Trennung "gut verarbeitet habe". Aber: die Erfahrung, dass so ein Bund eben scheitern kann, prägt ihn eben.
Ich merke das in seinem Verhalten immer wieder deutlich. Nach 2-3 Monaten hatte ich das Gespräch gesucht, wie wir uns definieren wollen, und da war er schon zögerlich aufgrund seiner Vorerfahrungen. Mittlerweile sind wir aber in der Öffentlichkeit, auch gegenüber unseren jeweiligen Familien, ein Paar, die Treffen stehen noch aus, das finde ich aber nach 6 Monaten auch noch völlig angemessen und möchte ihm da auch gern Zeit geben. Mich hat dieses Zögern aber natürlich, rein aus meinen eigenen Bedürfnissen heraus, etwas verunsichert.
Aktuell gibt es nun eine schwierigere Zeit. Er ist im September in eine neue, große Wohnung gezogen, die auch Platz für seine Kinder bieten soll. Die Wohnung ist wunderschön. Im Oktober hat er mich von sich aus gefragt, ob ich im nächsten Jahr miteinziehen möchte - ich habe gesagt, dass ich mir das für den Sommer, mit Übergangszeit, gut vorstellen kann - zumal wir dann auch ein Jahr zusammen wären und genug Zeit hätten, ein Zusammenleben auszuprobieren. Nun ist es so, dass seit dem Einzug im September diese Wohnung nur spärlich eingerichtet ist; es gibt nur die nötigsten Möbel, mehrere Zimmer stehen leer, das Bett ist nur für eine Person "eingerichtet". Mein Partner ist teils wochenweise auf Geschäftsreise, weswegen ich die Verzögerung absolut verstehen kann, v.a. jetzt für größere Anschaffungen. Es fehlen aber auch kleinere Dinge (z.B. Töpfe, eine 2. oder größere Bettdecke). Dazu ist er absolut unzufrieden mit dem Wohnortwechsel, beschwert sich fortlaufend über die Stadt und hadert mit seiner Entscheidung, an diesen Ort zu ziehen. Zuletzt beschwert er sich auch über seinen Job und die mangelnden Anforderungen dabei. Ich habe in den letzten Monaten weitgehend unterstützt und Verständnis für seine Situation gezeigt und auch gehabt. Ich habe mich angeboten, bei der Möbelsuche und -transport zu helfen, jetzt erstmal auch unabhängig davon, ob und wann ich einziehen würde.
Wann immer wir darüber sprechen, ergibt sich ein ewiger Kreis aus Problematisierung, Beschwerden und fehlender Lösungsorientierung. Es fallen dann Aussagen wie: "Ich habe doch all diese Dinge (z.B. Küchengeräte) schon (in meinem Haus, was jetzt der Ex-Frau gehört), warum muss ich sie nochmal kaufen", "Ich möchte nie wieder Dinge für jemanden tun, und dann geht am Ende alles schief". Gefolgt von Beschwerden wie "Jetzt haben wir hier eine Stunde Essen gemacht, das lohnt sich ja gar nicht / dann riecht es die ganze Zeit nach Essen". Jede noch so kleine Anschaffung muss in ihrem Preis gerechtfertigt und diskutiert werden. An solchen Tagen lässt er seine schlechte Laune ungefiltert an mir aus. Dann macht er auch spitze Kommentare zu mir wie: "Na, du bist es wohl nicht gewohnt, dir selbst ein B. zu holen?" (auf einer Party), die sich auf meine angebliche Privilegiertheit beziehen sollen. Habe ihm schon mehrfach klar rückgemeldet, dass es nicht geht; er zeigt Verständnis, entschuldigt sich, gelobt Besserung - es seien "doofe Witze" seinerseits. Verletzen tut es mich trotzdem. Plus der Umstand, dass ich ihn seit Wochen um ein 2. Paar Bettzeug bitte, aber er hier nicht in die Puschen kommt, es einfach mal zu bestellen. Das ist für mich mittlerweile ein Sinnbild, dass etwas nicht stimmt.
Ich habe ihn wirklich gern und wann immer wir nicht in dieser Stadt sind (z.B. auf Ausflug), ist er wie ausgewechselt und alles ist gut. Es ist so, als ob ihn alles überfällt, wenn er in sein Zuhause zurückkehrt und ihm wieder klar wird, welche Verpflichtungen er hat. Nochmal: ich weiß, dass man in dieser besonderen Situation Geduld und auch Verständnis aufbringen muss. Ich habe dementsprechend auch verschiedene Angebote gemacht - bin sehr pragmatisch - wie man bspw. die Möbelfrage klären könnte. Grundtenor: findet er alles sehr gut, aber von ihm kommt keine Initiative, etwas zu planen oder umzusetzen.
Als es dann letztens so war, dass wir mit Tragetaschen durch den Regen gelaufen sind, seine gerissen ist und er sie vor Wut hat liegen lassen und mich (real!) im Regen hat stehen lassen (er kam zwar letztlich wieder und hat sie geholt, aber dennoch fand ich das schockierend), war meine Geduld ausgereizt. Ich hab ihm gesagt, dass er sich Zeit für sich nehmen und sich ordnen soll, was er möchte, wie das aussehen kann. Für mich persönlich muss ich sagen, dass ich die Faxen langsam dicke habe - nachdem ich gefahren bin, hat er sich pausenlos entschuldigt, wie er sich verhalten hat, ich sei ein lieber Mensch und habe das nicht verdient. Und und und. Mein Eindruck ist insgesamt, er hat mit dieser Beziehungsgeschichte nicht abgeschlossen, da ist noch viel Schmerz, Ärger und Trauer über diese Zeit; was ich verstehen könnte, er verneint das. Er sagt immer wieder: es ist etwas Ernstes mit dir, wir planen jetzt, ich brauche nur Zeit, um mich zu sammeln, ich will eine Zukunft mit dir. Aber jedesmal, wenn wir uns sehen, fühle ich mich "fehl am Platz", er wirkt in seiner Situation wie "festgefahren" und macht Sticheleien mit mir, wirkt selbstabsorbiert. Gesunderweise habe ich langsam auch keine Lust mehr, dass wir uns aufgrund seiner Vergangenheit "einzuschränken" - ich möchte manchmal auch gern einfach unsere Beziehung leben und mal nicht nachdenken müssen, was wir kaufen/anschaffen in Bezug auf seine Ex-Ehe, sondern, dass wir zusammen ein neues Kapitel beginnen.
Mir fällt es derzeit schwer, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse und seine Situation gut zu vereinbaren, ohne, dass ich dauerhaft zurückstecke. Ich bin jetzt erstmal wieder bei mir und möchte ihm und mir mehr Raum geben; unser Kontakt ist gut und wir reden viel und wirklich empathisch miteinander, was unsere Stärke ist.
Ich freue mich über Rückmeldungen zu dieser Geschichte und insbesondere dazu, wie ich mich weiter positionieren sollte, was wichtig wäre auch als Perspektive, ihn zu begleiten, aber auch für mich einzustehen, vielleicht ja auch aus der Perspektive derjenigen, die selbst eine Scheidung durchgemacht haben. Ich danke euch!