Liebe Erdbeerquark,
das ist eine ziemlich komplexe Baustelle, die du uns da schilderst.
Deine Ehe auf der einen Seite, ein Mann, der mir trotz deiner punktuell detailierten, sonst aber eher schwammigen Schilderungen schwer einzuordnen bleibt: er küsst dich nicht, was für dich 19 Jahre lang ein ungeklärtes Rätsel bleibt - als hättet ihr nie darüber geredet, oder über deine blauen Flecken beim Sex, was nach ungewöhnlichen Praktiken klingt, auch hier liest du dich sehr unreflektiert über das, was da eigentlich zwischen euch war oder ist. Dann sein gleichgeschlechtliches Interesse, auch nur angerissen: ist er bi.? Gleichgeschlechtlich? Seine "Öffnung" eurer Ehe - kommt ihm das eher gelegen oder ist das eine Wutreaktion? Seine stark abwertenden Worte darüber, wie dein AM dich seiner Meinung nach sieht ("Loch") - spiegelt er da, wie er dich sieht? Dass er dann noch hingeht, und deiner (!) Familie von deinem Fehlverhalten berichtet, anstatt mit dir gemeinsam zu überlegen, was da passiert ist und wie man damit umgehen könnte... puh, ich finde das alles sehr schwierig und sehe das auch so, dass du da klein gehalten werden sollst. Und dann sagst du wieder, er sei liebevoll und im Alltag klappe es gut zwischen euch. Ich kann das alles nur schwer in ein Gesamtbild bringen, was du von deinem Mann und deiner Ehe erzählst.
Auf der anderen Seite deine Affäre, ein Mann, der ebenfalls wie dein Ehemann bestimmte Eigenschaften zu haben scheint, die ihn "schwierig" machen. Seine Noch-Ehe mit drei Kindern, sein vorheriges Fremdgehen, die Unklarheit in eurem Binnenverhältnis, die sich im Außenverhältnis spiegelt. Viele hier sagten, er stehe nicht zu dir, da er dich nicht öffentlich bekannt gemacht habe in seinem Umfeld. Das denke ich auch, allerdings möchte ich ergänzen, dass du deinerseits ja auch nicht zu ihm stehst. Würde er hier schreiben, würde ich ihm dringend davon abraten, öffentlich zu einer verheirateten Frau zu stehen, welche bei ihrer Familie lebt und mit der er eine Affäre führt, während er selbst (noch) verheiratet ist.
Zitat von Erdbeerquark: Aber im Grunde genommen ist sie es, die mir ganz arg spiegelt dass es so nicht geht.
Das hat mich sehr berührt. Deine Tochter zeigt dir mit ihrem "auffälligen" Verhalten punktgenau, woran es hapert. Sie erlebt in dir eine schwache, zaudernde, unentschlossene und dadurch immer schwächer werdende Mutter. Aber sie braucht wie alle Kinder (manche noch mehr als andere) eine starke weibliche Identifikationsfigur, deswegen reagiert sie so unleidig und wütend auf deine Schwäche. Ihre offizielle und ihre unterbewusste Botschaft an dich ist deutlich, oder liebe Erdbeerquark?
Mein bisheriger Eindruck von deiner Geschichte ist, dass du ein "Händchen" für schwierige Männer hast - aber im negativen Sinne - dass du an sie gerätst aber im Grunde gar nicht weißt wie dir geschieht, weil du ihre Verhaltensweisen nicht verstehst.
Und in diesem emotionalen Chaos willst/sollst du jetzt weichenstellende Lebensentscheidungen treffen? Bisschen viel verlangt, findest du nicht auch?
Ich würde dir raten, erstmal gar nichts zu verändern, sondern dich mal ein paar Tage aus dem Gesamtgeschehen zurück zu nehmen und dich zu
bilden. Ganz viel zu lesen zum Thema Beziehungen, Paardynamik, Dominanz in Beziehungen und auch zu toxischen Partnerschaften, um ein besseres Verständnis für die Vorgänge in deiner Ehe zu erlangen. Dann ganz viel zu lesen zum Thema Affärenbeziehungen! Das kannst du hier im Forum tun, es gibt aber auch im Internet bzw. auch in Büchern viel Wissenswertes dazu zu entdecken. Hier gibt es den Austausch mit anderen noch dazu, das kann sehr wertvoll sein.
Ich bin mir sicher, dass dir in diesem Prozess einige Dinge klarer werden und dass es dann auch leichter wird, deine nächsten Schritte zu entscheiden und zu planen, als jetzt alles mit wirrem Kopf und schmerzendem Herzen in Angriff zu nehmen und später vielleicht zu bereuen, es nicht besser gewusst zu haben.