Hey, jemand hatte mich hier verlinkt.
Ich versuche mal, hier einzusteigen. Mein Mann ist diagnostizierter Borderliner, impulsiver Typus. Bedeutet, dass er eine Impulskontrollstörung hat und damit immer wieder Impulsen nachgibt, auch wenn dies negative Folgen für ihn (und in dem Fall natürlich auch für mich) hat. In unserem Fall war es so, dass er mich sehr oft betrogen hat.
Ich habe und spreche auch heute immer noch mal mit meiner Therapeutin über das Thema Borderline. Und inzwischen ist mir klar, dass dieser Impuls, sich eine andere Frau anzulachen zwar durch diese Störung hochkommt, aber dass die letztendliche 'Tat' eine bewusste Entscheidung seinerseits ist. Es geschieht also wissentlich und willentlich. Sicherlich würde es mir besser gehen, wenn stimmte, was er versucht hat mir weis zu machen. Nämlich, dass er sich gar nicht dagegen wehren könnte. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass er dann ja jedesmal, wenn er in diese Situation kommt, von einer 'fremden Macht' übernommen wird und gar nichts dagegen tun könnte - auf deutsch gesagt: er wäre immer wieder mal unzurechnungsfähig und gehörte damit eigentlich unter dauerhafte Aufsicht gestellt.
Zu diesem Punkt, zu dieser Einsicht zu kommen, hat mir sehr geholfen. Nein, es ist nicht so, dass der arme Mann ja gar nichts dafür kann. Er wusste, was er mir damit antut und hat sich trotzdem immer wieder mal genau dafür entschieden. Will ich das nochmal bzw. wieder haben? Sicherlich nicht.
Aber selbst wenn um man diese und andere schädliche Einflüsse einer Beziehung mit einem Borderliner weiß, so sieht man diese anfangs gar nicht, weil der Schmerz der Trennung alles andere überdeckt. Wie lange war ich bereit, ihn trotz dieses Wissens zurück zu nehmen, wenn er es gewollt hätte... Diese Sucht... So stelle ich mir eine Abhängigkeit von Dro. vor. Man weiß, dass sie ganz schlimm und schädlich für einen sind, will sie aber trotzdem. Ich brauchte 7 Monate, bis
ich diejenige war, die ihm sagte, er möge mich nur noch in Notfällen kontaktieren. 7 Monate in denen er immer wieder Kontakt aufnahm, Situationen kreierte, die dazu führten, dass er zu mir, den Katzen, in unsere Wohnung kommen 'müsste'. Bis ich schließlich so am Ende war, dass ich das abstellen musste. Und erst dann fing es an, dass es mir besser ging. Sehr langsam, aber besser.
Natürlich hat er sich nur eine gewisse Zeit daran gehalten, hat sich spätestens alle 4 Wochen wegen irgendwelcher Lappalien gemeldet. Und auch heute noch - 1 Jahr nach der Trennung - macht er das. Wenn auch weniger intensiv. So bekam ich vor einer Woche eine per WA die Frage, ob ich etwas für ihn hätte. Ein Gegenstand, den man für 50 Cent in fast jedem Laden bekommt. Er hat ein Auto und verdient auch Geld - könnte sich das Teil also innerhalb weniger Minuten beschaffen. Aber er fragt mich. Für mich inzwischen gut zu durchschauen. Das war ein "Hallo, ich wollte mich mal wieder in Erinnerung bringen." Als ich antwortete, dass ich so ein Teil noch irgendwo hier rumfliegen hätte, kam keine Antwort mehr von ihm. Es war also nur ein Vorwand. Genauso wie der, wegen dem er mich ein paar Tage später wieder kontaktierte. Aber dank der Tatsache, dass ich von mir aus keinen Kontakt zu ihm suche, bin ich jetzt in
meinem Leben angekommen. Auch die sehr intensive Therapie, durch die ich seit einem Jahr gehe, hilft dabei, die Dinge endlich so zu sehen, wie sie sind. Aber es war und ist immer noch sehr harte Arbeit.
Ich würde auch nicht unterschreiben, dass ein Borderliner ja doch sowieso immer zurück kommt. Meiner ist bis heute nicht zurück

Nun ist er ja auch ein Jahr bevor er sich trennte, in Therapie gegangen. Wenn man seinen Worten Glauben schenken darf, dann hat er mich verlassen, weil er endlich Verantwortung übernehmen möchte und mich eben dieser Gefahr des betrogen werdens nicht mehr aussetzen will. Klingt fast ehrenhaft. Aber kann ich das glauben? Dieser Mann hat mich in 20 Jahren so oft angelogen und ich tue mich schwer damit, ihm noch irgendwas zu glauben. Seine Aussage, dass er nicht mehr genug Gefühle für mich hat, klingt weitaus glaubwürdiger.
Ich habe 20 Jahre mit einem Borderliner hinter mir. Lass' mich Dir sagen, wie das für mich war, was das aus mir gemacht hat. In meiner Szene (Subkultur) war ich deutschlandweit bekannt. Befreundet mit allen erdenklichen großen Bands, auf jedem Konzert und Festival eingeladen, war beliebt und gern gesehen. Viele Freunde, viel unterwegs, mit Bands gereist. Man kann sagen, dass ich ein richtig erfülltes Leben hatte, dass voll mit Menschen, aufregend und voller Freude war. Von diesem Leben blieb im Laufe der letzten 20 Jahre nichts mehr übrig. Das ging nicht von heute auf morgen, das kam schleichend, so dass ich es gar nicht bemerkte. "Du musst doch gar nicht ausgehen, wir haben uns doch." "Es muss auch niemand herkommen, wir haben es doch auch so schön." Irgendwann glaubt man das, empfindet den aktuellen Zustand als normal. Bis man aus diesem Zustand gerissen wird, die Welt nicht mehr versteht und buchstäblich vor dem Nichts steht.
Ein Freund, den ich als erstes nach der Trennung kontaktierte, der damals mit mir in der Szene unterwegs war und den ich in den 20 Jahren höchstens 4 Mal zufällig und nur kurz z.B. beim Einkaufen traf, war vollkommen entsetzt, als er mich wieder sah. Er hat mich gar nicht wieder erkannt. "Wo ist die starke, unternehmungslustige Frau geblieben, die ich kannte? Was um Gottes Willen ist nur mit Dir passiert?" Tja... das allein war schon harter Tobak, weil ich das da ja noch gar nicht sehen konnte. Nicht verstand, was er meinte. Ich war doch noch immer ich, oder?
Heute weiß ich, dass ich das nicht mehr war. Was hier schon beschrieben wurde, stimmt: man verliert sich selbst, gibt sich vollkommen auf. Ich 20 und Du 2 Jahre. Mein Rat: belasse es dabei. Wenn Du nicht psychisch absolut gefestigt bist, alle Manipulations-Versuche eines Borderliners sofort durchschaust usw., wirst Du persönlich auf der Strecke bleiben. Und das ist ganz furchtbar. Es gibt auch viele Psychologen, die Borderliner nicht mehr behandeln.
Vielleicht schafft mein Mann es, durch die Therapie zu heilen - sofern das möglich ist, da scheiden sich die Geister. Ich wünsche es ihm, denn er ist ja kein Unmensch. Aber das "uns" und auch Teile von mir hat er kaputt gemacht. Und sollte er es jetzt schaffen zu heilen, vielleicht sogar eine mehr oder weniger gesunde Beziehung zu führen, fühlt es sich für mich doch so an, als würde das auf meine Kosten passieren. Denn die 20 Jahre bekomme ich nicht zurück
