Zitat von DieGebrochene: Ich muss mich erst mal beruhigen und das noch aufarbeiten. Bisher war ja nicht wirklich Zeit dafür. Es tut mir gut die Antworten zu lesen.
Tu das bitte und tue es für Dich ohne einen Gedanken an ihn, auch wenn der sich zwangsläufig wieder einschleicht. Aber es geht um Dich, um Dein Seelenheil, Deine Stabilität, die die Kinder brauchen. Denen tut eine innerlich vergiftete Mutter nicht gut.
Du musst nicht mit ihm zusammen bleiben, wenn es Dir unerträglich erscheint, aber mach es dann fair und gehe mit Würde und nicht so wie Du es androhst.
Ich kenne diese Rachegedanken sehr gut. Ich wünschte ihm dass er verunglücken soll, auf der Fahrt zur Neuen. Ich stellte mir vor, ich würde seine Bremsen am Auto manipulieren (als ob ich das könnte) und stellte mir voller Genugtuung sein dämliches Gesicht vor, wenn er fährt und fährt und das Auto nicht reagiert. Oh wie schön, wenn es dann einen Crash an einem Brückenpfeiler gäbe. Herrlich! Und dann sollte er im Rollstuhl sitzen und ich würde ihn ab und an dienstlich sehen wie er nun mit seinem Gefährt umgehen müsste. Tja, Pech für ihn.
Ich stellte mir vor, ein paar schwere Jungs würden ihn vermöbeln, bis er winselnd am Boden liegt und dann käme ich und würde ihm in seine verdammten ... treten, damit er sich nochetent mehr krümmen muss. Ach, wie wäre das schön!
Die neueste Variante war dann, dass ich ihm den Tod wünschte, denn dann wäre er endlich ganz weg. Dahingerafft von einem Hirntumor oder Krebs im vierten Stadium. Und ich würde nicht auf seine Beisetzung gehen, sondern irgendwann später an sein Grab treten, ein paar verwelkte Blumen ablegen oder eher hinschmeissen und ihm im Stillen sagen: Das hast Du nun davon, ich lebe noch und Du liegst dort unten in der Erde, Geschieht Dir recht, Du Schwein, Du elender Verräter!
Hätte es mich glücklicher gemacht, wenn irgend etwas davon eingetreten wäre? Hätte er einen Unfall gehabt, an dem ich Schuld gewesen wäre, hätte ich für den Rest des Lebens Schuldgefühle gehabt. Wäre er gestorben, hätte ich dann triumphiert? Nein, eher geweint weil ich das doch nicht gewollt hatte.
Irgendwann merkte ich dass es mich innerlich mehr vergiftete als zufriedener machte. Und am Ende des Wegs steht die Aussöhnung mit der Trennung und damit dass er halt war wie er war. Kein schelchter Mensch, aber ein zerrissener und Suchender wie ich letztlich auch.
Und ich traf dann eine Entscheidung. Für mich und meinen Mann, den ich so schmählich hintergangen hatte. Ich beschloss eine bessere Ehefrau zu werden und keine halben Sachen mehr zu machen, wie es oft meine Art ist. Und das hat mir letztendlich gut getan, denn es kehrte Friede ein und das ist das was zählt. Mit dem EM, der auch nicht immer so war wie ich ihn mir gewünscht hatte (ganz schön anmaßend, denn ich war ja auch jenseits von perfekt), dem AM dem ich letztendlich ein besseres Leben verdankte und der mir es ermöglichte, mehr Bekanntschaft mit mir selbst zu machen, was auch nicht nur die helle Freude bringt und letztendlich auch mit mir.
Und heute geht es mir gut, richtig gut und ich bin froh, dass ich nichts getan hatte, wofür ich mich hinterher hätte schämen müssen. Das Leben sorgt für Ausgleich, aber nicht so wie wir ihn uns vorstellen. Es gibt in jedem Leben glückliche Phasen und unglückliche und schwere.
Aber seinen verdammten Laptop hätte ich doch gerne in den Strom geworfen, der durch seinen Wohnort fließt. Sein Computer war mein Feind, aber auch das ist Geschichte. Wie er hintenrum mit einer Kollegin anbandelte und ihr die Zähne lang machte. Aber es war ja nie so gemeint, es war doch nur freundschaftlich, er lernt halt gerne neue Menschen kennen, nur dass sie wohl gefühlt schon von einer Beziehung mit ihm geträumt hatte. Fast tat sie mir später leid. Er war auch ein Schuft.
Es ist gut dass er kam, es ist besser dass er ging. Das habe ich aber erst nach vielen Monaten begriffen.
Bei allem was Du tust, bedenke immer das, was möglicherweise am Ende steht. Das Verhalten Deines Partners ist unentschuldbar, aber er hat auch seine inneren Defizite, die ihn beeinträchtigen, steuern und in Handlungen treiben, die unverständlich und unempathisch sind. Das ist keine Rechtfertigung, aber vielleicht der Versuch einer Erklärung.
Von daher verstehe ich Deine Rachegedanken sehr gut, aber sie dürfen nicht das Ende sein, denn Du musst dann mit den Konsequenzen leben. Und wenn Du Dich selbst schäbig verhältst, wird es auf Dich zurückfallen und bringt nicht das, was Du Dir wünschst.