Hallo ihr Lieben,
schon wieder fast eine Woche rum.
Aktuell geht es mir ganz gut, aber die Woche war ein emotionales auf und ab.
Natürlich lässt es mich nicht kalt, dass mein Ex das Haus behalten will. Noch viel weniger kalt lässt es mich, dass ich hier dann ausziehen muss. Ich liebe dieses Haus und den Garten, ich fühle mich so unglaublich wohl in einem Eigenheim. Mich gruselts vor der Vorstellung wieder in eine Wohnung ohne Garten ziehen zu müssen, die Kater dann nur auf einen Balkon lassen zu können und nicht mehr gärtnern zu können. Ich habe den Frühling/Sommer/Herbst hier so genossen.
Ich schaue viel nach Wohnungen/Häusern, es gibt schöne, aber bezahlbares entsprechendes war bisher nicht dabei. Die Dienstwohnung liegt soweit außerhalb, dass ich wirklich Angst vor der Einsamkeit dort habe.
Aber das wäre eine 120qm Doppelhaushälfte mit Kamin, Terrasse und Garten. 3 Zimmer, ein tolles Bad und eben die Erlaubnis den Katzen ein Gehege in den Garten stellen zu dürfen. Aber zu allen meinen Freunden wäre es immer mind. 1h Autofahrt, Bahnfahrten gestalten sich kompliziert.
Gestern war ich auf dem 40sten unserer besten Freundes eingeladen. Mein Ex war auch dort. Wir nehmen uns zur Begrüßung/Abschied in den Arm, er hat sich sichtlich gefreut mich zu sehen, wir haben ein bisschen über die Kater geredet und Fotos angeguckt. Es war ziemlich in Ordnung. Trotzdem hab ich mich bei dem Gedanken erwischt, als ich müde wurde, dass ich mich jetzt früher an ihn gekuschelt hätte und gebeten hätte nach Hause zu fahren. Das hat mir kurz einen Stich versetzt, dass wir nicht mehr zusammen nach Hause fahren. Dann der nächste Gedankengang, dass es ja auch eigentlich bald nicht mehr mein Zuhause ist...
Der neue Mann an meiner Seite ist weiterhin unabschreckbar. Der bleibt scheinbar einfach, wie ich jeden Tag mit Erstaunen bemerke. Wir sehen uns dann wieder nächstes Wochenende.
Ich merken aber auch ganz ganz deutlich, dass die Trennung bei mir alte Wunden wieder aufgerissen hat. Ich dachte, ich hätte meine Kindheitstraumata und die daraus resultierenden Gefühle gut verarbeitet. Was bleibt, ist das unabänderbare Gefühl, dass Liebe und Zuneigung nichts selbstverständliches sind. Das ich diese nicht einfach verdient habe.
Ich hinterfrage keine Sekunde meine Gefühle zu meinem neuen Partner (?, ich brauche eine bessere Bezeichnung hier für ihn, merke ich gerade.), stelle meine Liebe zu anderen Menschen nie auf den Prüfstand. Ich kann bedingungslos lieben und hinterfrag nie ob mein Gegenüber "das verdient hat". Was ich nicht kann ist bedingungslos geliebt zu werden. Ich warte IMMER darauf, dass meinem Umfeld auffällt, wie wenig liebenswürdig ich bin, wie anstrengend und wie viel zu viel ich bin. Ich gehe permanent davon aus, dass all meine Bindungen ein Limit haben, dass sie alle enden werden.
Das führt momentan leider zu einem wilden Mix aus Abfrage von Zuneigung, Unsicherheit und teilweise einer recht schroffen/abweisenden Art meinerseits.
Bei meinem Ex konnte ich mich irgendwann halbwegs entspannen und fallen lassen, aber rückblickend betrachtet nie ganz.
Ich würde jetzt gerade wirklich ziemlich gerne einfach nur frisch verliebt sein, aber diese unglaubliche Panik in mir, sorgt aktuell dafür, dass ich phasenweise am liebsten schreiend wegrennen will. Ich gehe immer davon aus, dass Menschen mich wieder verlassen, nie davon, dass sie bleiben. Und ich weiß, dass ich da manchmal dann sehr unfair bin und es dadurch auch provoziere.
Es ist, als hätte mir die Trennung alles bewiesen, was ich immer befürchtet habe: ich reiche nicht, ich bin nicht liebenswert genug, damit Menschen bei mir bleiben wollen.
Der Mist ist: ich weiß genau woher das kommt. Rational weiß ich, dass ich Liebe genauso verdient habe wie mein jeweiliger Partner, mein Bruder, meine Freunde. Aber es bleibt immer eine gewisse Vorsicht und Überzeugung, dass dem nicht so ist.
Jetzt steht da also ein Mann vor mir, völlig offen, schmerzhaft direkt darin mir seine Gefühle zu zeigen, ganz direkt in seiner Kommunikation, jemand der einfach davon ausgeht, dass man liebt und zurück geliebt wird. Scheinbar ohne Angst. Und ich?
Ich habe einfach nur Angst, dass es wieder weh tut, dass ich es nicht verdient habe. Suche Fehler, beiße mich an Kleinigkeiten fest, statt einfach zu genießen und anzunehmen, was er mir geben möchte. Das ist in Summe ein wahnsinnig schmerzhafter Zustand. Es ist anstrengend, dass immer wieder zu reflektieren und sein inneres System zur Ordnung zu rufen.
Umgekehrt ist es aber vielleicht auch eine Chance, dass ganze endlich mal richtig in der Griff zu bekommen.