@Sienna
ich habe die ja tatsächlich gar nicht geantwortet. Vielen Lieben Dank für deine Worte. Im Großen und Ganzen sehe ich es ja ganz ähnlich.
Der Ex hat Geburtstag...
hier fallen gerade irgendwie viele Dinge zusammen und mir geht es damit nicht gut. Dachte ich schreibe es hier mal runter, dann ist es von der Seele.
Mein Ex hat heute Geburtstag. Ich hänge tatsächlich nicht mehr an ihm als Partner, aber ich hänge tatsächlich noch an dem Leben(sentwurf) das/den wir gemeinsam hatten. Wir hätten heute gemeinsam etwas besonderes gemacht, eine tolle Wanderung, ein leckeres Essen oder einen Sauna-Tag. Ich habe ihm vorhin gratuliert und dabei ist mit eben diese Distanz aufgefallen und dass das alles vorbei ist. Das saß irgendwie schon ...
Ich beginne gerade damit Geld auszugeben. Viel Geld. Ich brauche Teile der Einrichtung neu (Gästebett, Fernseher, Kühlschrank, Aufbewahrungsmöbel etc.), ein eigenes Auto und versuche die Wohnung so katzengerecht wie möglich zu gestalten. Ich habe das Geld, dass ist nicht das Problem. Aber es fühlt sich falsch an, es für eine neue Wohnung auszugeben. Ich will hier ja überhaupt nicht ausziehen ... so macht das ganze dann natürlich auch gar keinen Spaß. Nur ändern kann ich es eben auch nicht ...
Es wird Frühling, der Garten fängt an zu wachsen und schön zu werden, die Kater sind den ganzen Tag draußen, wenn sie können. Und ich muss hier in 2 Monaten raus. Ich will hier aber nicht weg, will den Katern den Garten nicht nehmen, will nicht in einer Etagenwohnung leben, meine Gewohnheiten und mein Zuhause nicht verlieren. Ich werde entwurzelt, die Kater werden entwurzelt und irgendwie ist meine Zukunft eine einzige große Blackbox. Ich schaffe es nicht, darin etwas positives zu sehen.
Auf der Arbeit ist auch viel zu viel los und ich habe aktuell nicht die Kapazitäten, dass aufzufangen. Nächste Woche ist meine Kollegin im Urlaub, was bedeutet, die nächste Woche wird nochmal härter, als die letzte.
Meine Mutter war das Wochenende hier, war gestern mit mir Möbel schauen und es war vermutlich die schlechteste Idee die ich seit langem hatte. Seit dem ich wieder "glücklich" vergeben bin und einen Neustart plane, packt sie wieder ihre narzistisch/sardistisch angehauchte Seite aus. Das fällt, bei meinem aktuell eh sehr gestresstem Nervensystem, auf fruchtbaren Boden und ich bin nach 1,5 Tagen mit ihr einfach nur runter mit den Nerven. Sie hat wirklich alles rausgeholt was geht: ich putze nicht genug, ich mache mir zu viele Gedanken, ich klammere zu sehr an meinem neuen Partner, ich habe mich zu oft im Ton vergriffen meinem Ex gegenüber, die Wohnung ist zu teuer, ich werde das mit dem Auto sicher nicht hinbekommen, ich war als Baby zu anstrengend, habe schon immer zu viel gegessen ...
Und dann sagt auch noch mein Partner unser heutiges Treffen ab, weil er krank ist und nach seiner 24h Schicht einfach nur ins Bett will. Völlig verständlich. Nur hätte ich ihn heute wirklich gebraucht. Und ich bin weiterhin viel zu unsicher, um nicht gleich in Panik auszubrechen. Wir sehen uns dann 12 Tage nicht...
Ich schaffe es einfach nicht, bei sowas nicht direkt so traurig zu sein, als stünden wir kurz vor einer Trennung. Mich verunsichert das massiv. Dabei ist er sonst so sehr dabei mir Sicherheit zu vermitteln. Ich lerne im April seine Eltern kennen, er sehr wahrscheinlich meinen Vater und meinen Bruder, er ist sich sicher, dass wir irgendwann heiraten werden und auch einen guten Kompromiss finden werden, um zusammen zu ziehen. Er hilft mir ganz viel beim Wohnungsthema, ohne sich einzumischen, ist jedes Wochenende hier, hat sich neulich an meinem freien Tag auch frei genommen, damit wir einen Ausflug machen konnten. Wir schreiben jeden Tag, telefonieren regelmäßig, alles was er tut und sagt ist völlig authentisch.
Wenn wir beieinander sind, empfinde ich sehr große Sicherheit und bin völlig ruhig, mein Nervensystem fährt runter und ich habe das Gefühl, dass ich sehr zuversichtlich sein kann, eine verlässliche Zukunft mit ihm zu haben.
Wenn er nicht da ist aber, reagiert mein Nervensystem auf jede Kleinigkeit mit Panik. Dann wiederhole ich die oben genannten Punkte wie ein Mantra im Kopf, so als müsste ich mich selbst überzeugen.
Ich weiß, dass ich unfair ihm gegenüber bin und sage dazu auch nichts, außer dass ich traurig bin, dass wir uns nicht sehen können heute. Ich glaube auch nicht, dass irgendwas an seinem Verhalten "falsch" ist, ich komme nur mit der Form der Beziehung so nicht klar, weil ich das so nie gelebt habe. Er wohnt ja auch "nur" 1h mit der Bahn entfernt (Auto je nach Verkehr ähnlich), aber durch unsere Arbeitszeiten wäre ein Treffen unter der Woche irgendwie nur mit Schlafmangel und Stress verbunden. Also führe ich eine Wochenendbeziehung und komme damit absolut nicht gut klar. Er deutlich besser, er kennt es nicht anders.
Bevor wieder jemand "Rebound" und zu früh einwirft: ja, vermutlich wäre es einfacher gewesen, wenn wir uns später kennen gelernt hätten. Haben wir aber nicht. Wir haben das auch als Paar bereits besprochen. Ich habe trotz all der oben genannten Unsicherheit, die wie gesagt nur auftritt wenn er nicht "da" ist aber auch nicht durchgehend dann vorhanden ist, mit ihm ein völlig anderes Gefühl als mit meinem Ex. Ich fühle mich "gesehen" und unglaublich geliebt, ich kann mir tatsächlich Hochzeit und Kinder mit ihm vorstellen. Gerade letzteres überrascht mich, da ich das Thema für mich eigentlich bereits abgeschrieben hatte. Ich habe das Gefühl an seiner Seite ein sanfterer entspannterer Mensch zu sein. Wir beide sind etwas überrascht über die Intensität unserer Gefühle und wie vertraut sich alles bereits nach 3 Monaten anfühlt. Wenn ich ihn frage, wo auf einmal der Gedankengang einer Familiengründung kommt (als ich ihn kennen gelernt habe, meinte er, Kinder wären nichts, was er fix geplant hat, jetzt hat er schon recht häufig erwähnt, dass er sich Kinder mit mir wünscht) sagt er, dass er sich mit mir einfach sehr sicher ist und dass das Gefühl daher über die letzten 3 Monate gekommen sei.
Bei meinem Ex hatte ich eigentlich immer das Gefühle "er liebt dich, aber noch mehr würde er das tun bzw er wäre glücklicher mit dir, wenn du x/y/z noch besser hinbekämst/weniger depressive Phasen hättest/ weniger Kopfschmerzen hättest". Das Gefühl habe ich mit meinem jetzigen Partner nicht. Dafür überkommt mich regelmäßig das Gefühl, dass ich so viel ungebremste Liebe und Zuneigung überhaupt nicht verdient habe... Ich glaube am Ende, fühlt sich diese "verliebt sein" und jemanden gefunden zu haben, der mit so viel gibt und mir so ähnlich ist, einfach zu gut an, als das ich dem trauen dürfte. Das ist leider ein Gefühl, das mich seit meiner frühsten Kindheit begleitet.
All diese Unsicherheiten führen leider dazu, dass ich meinen "Neustart" oft nicht genießen kann, sondern nur versuche, ihn irgendwie durchzustehen.
Nicht falsch verstehen, es gibt auch sehr viele Tage an denen ich abends auf der Couch sitze, meine Ruhe genieße, die Schmetterlinge im Bauch genieße und sehr zuversichtlich bin. Heute ist aber eben einer der anderen Tage.
Die Trennung von meinem Ex war sicherlich richtig. Daran habe ich mittlerweile keinen Zweifel. Aber der Verlust eines "verlässlichen" Lebensplans und dem sicher geglaubten Weg ist für mich scheinbar weiterhin unglaublich schwierig.
So jetzt habe ich einen kompletten Roman geschrieben, dabei geweint und fühle mich ein bisschen leichter.
Zusammengefasst: ich bin an manchen Tagen unbeschreiblich glücklich und sehr stolz auf mich. An anderen zerbreche ich fast an den neuen Situationen in denen ich mich befinde.