Zitat von leilani:Genau. Empfinde ich auch so. Bei romantischer Liebe geht es meines Erachtens um alles mögliche, aber nicht um Liebe.
Ich denke, da verwechselst Du Verliebtheit und Liebe. Verliebtheit ist tatsächlich ein sehr egoistisches Gefühl. Merkt man schon daran, dass man zu so unschönen Dingen wie Besitzansprüchen, Eifersucht und Verlustangst neigt, wenn man verliebt ist. Das alles sind ja sehr egoistische Gefühle, die gar nichts mit dem anderen zu tun haben. Liebe entsteht ja erst mit der Zeit und vor allem erst nach der Verliebtheit. Man verliebt sich in jemanden, der irgendwas hat, was einem selbst fehlt. Das ist die Natur der Sache. Und je mehr einem selbst fehlt, desto häufiger verliebt man sich. Menschen, die mit sich im Reinen sind, die in ihrer Mitte sind und mit sich und ihrem Leben rundum zufrieden verlieben sich nur sehr selten. Menschen, die eine innere Leere mit sich rumschleppen, verlieben sich andauernd
Liebe ist aber doch was ganz anderes. Und ich glaube nach wie vor an die romantische Liebe - habe auch ein Paradebeispiel dafür in meiner Familie, nämlich meine Eltern. Meine Mutter hatte kürzlich Brustkrebs und ihr wurde eine Brust amputiert. In einem Gespräch sagte mir mein Vater: mir ist es doch egal, ob Deine Mutter eine, zwei oder gar keine Brüste hat. Das ist doch überhaupt nicht wichtig - Hauptsache, sie wird gesund und kann weiterleben. Und die OP zur Rekonstruktion ist total aufwändig und kompliziert, das soll sie sich auf keinen Fall antun.
Eine Stunde später sagte meine Mutter mir: ich lasse den Wiederaufbau auf jeden Fall machen! Wenn der ganze Mist für irgendwas gut sein soll dann dafür, dass Dein Vater in seinem Alter noch mal richtig schöne, stramme Brüste in die Finger bekommt
Das ist für mich Liebe - jeder denkt in erster Linie an die Bedürfnisse des anderen und stellt die eigenen dafür auch mal hinten an. Natürlich muss sich das die Waage halten, wenn immer nur einer zurücksteckt, ist es nicht gut. Aber solange beide bereit dazu sind, für den anderen auch mal Zugeständnisse zu machen, ist es für mich perfekt. (Ich kenne im Vergleich dazu auch einen Fall, wo der Mann seine Frau verlassen hat, weil er ohne Brüste "mit ihr nichts anfangen kann" - O-Ton. DAS ist mit Sicherheit KEINE Liebe)
Zitat von leilani:Er wusste von Anfang an, dass enger Kontakt mit Ex-Partnern für mich ein Ausschlusskriterium ist. Deswegen hat er es mir ja auch verschwiegen.
Du wirfst ihm hier vor, egoistisch gehandelt zu haben. Aber ich finde, dass Du da selber genauso egoistisch bist? Das hat ja mit Liebe auch nichts zu tun, wenn Du jemandem den Kontakt zu einem Ex-Partner untersagen willst

denn der Ex-Partner gehört nun mal zum Leben dieser anderen Person dazu, und wenn man jemanden liebt, dann halt so, wie er ist. Mit Exen, Kindern, Schulden, "Altlasten", schütterem Haar und was weiß ich. Und wenn ich solche Bedingungen stelle, ist das für mich auch keine Liebe
Zitat von leilani:Was sagt mir seine Reaktion: es ging nur um ihn und seine Bedürfnisse. Dass ich mich gar nicht auf ihn eingelassen hätte wenn ich das gewusst hätte - für ihn nicht relevant.
Und Dir ging es halt auch nur um Deine Bedürfnisse - um Deine eigenen Ängste nicht zu spüren, möchtest Du nicht, dass ein Partner Kontakt zum Ex hat. Wenn dieser Ex aber nun mal eben wichtig ist für den anderen, muss man das akzeptieren, wenn man denjenigen wirklich liebt. Also da steht eben Dein Bedürfnis gegen seins, Du erwartest aber, dass er sich Deinen Bedürfnissen anpasst, bist selbst aber gar nicht bereit dazu, das Gleiche für ihn zu tun?
Beispiel: eine Freundin von mir ist mit einem Mann zusammen, der eine offene Beziehung wollte von Anfang an. Er hat das auch von Anfang an so kommuniziert, dass er polyamor ist. Sie hatte keine Erfahrung damit und wollte im Affekt erstmal schreiend weglaufen, dann hat sie sich aber darauf eingelassen, weil sie so verliebt in ihn war und hat gesagt: wir schauen mal, wohin es führt. Das Ergebnis: die zwei sind jetzt seit knapp sieben Jahren glücklich miteinander, er hat immer mal eine "zweite" Frau, die er dann sieht, wenn sie keine Zeit oder keine Lust hat auf ihn, oft treffen sie sich auch mal zu dritt. Und es funktioniert super, weil sie auch niemand ist, der allzu viel Nähe braucht in einer Beziehung und ihre Freiräume schätzt. Damit hatte sie nicht gerechnet am Anfang, aber es hat sich so entwickelt dass sie heute sagt, es ist bisher die beste Beziehung, die sie je im Leben hatte, weil völlig stressfrei, ohne Druck, ohne nerviges Gejammer, warum sie nicht mehr Zeit hat. Und sie kann all die Dinge, die ihr wichtig sind, ohne schlechtes Gewissen weiterhin tun weil sie ja weiß, dass er in "guten Händen" ist in der Zeit.
Echte Liebe kann auch teilen, meiner Meinung nach. Sie ist nicht frei von Verlustängsten (mein Vater hatte die schlimmsten Verlustängste seines Lebens, als meine Mutter erkrankte), und sicherlich auch nicht frei von Eifersucht. Aber sie ist in der Lage, dem Partner Dinge zu gönnen, die ihn glücklich machen, auch wenn diese Dinge einen selbst vielleicht nicht unbedingt glücklich machen. Ich glaube auch daran, dass jemand, der selbst liebesfähig ist einen Partner finden wird, der ebenso liebesfähig ist. Weil jeder Mensch sein eigenes Konzept von Liebe hat, und diese beiden Konzepte müssen halt zueinander passen. Dann funktioniert das auch dauerhaft. Nur wenn beide unterschiedliche Konzepte haben, geht es halt schief. Weil sich über kurz oder lang der eine oder andere nicht mehr geliebt fühlt, und das ist dann der Anfang vom Ende.