@tesa:
Was du geschrieben hast bezüglich deiner Ex-Freunde (dass du dir nämlich bei keinem wirklich hast vorstellen können zu heiraten und dass das auch richtig so war), geht mir ganz genauso.
Als es bei mir noch vergleichsweise "rund" lief mit der Partnersuche und zumindest das ganz gut klappte habe ich mich ja (in 100% der Fälle) getrennt und die sind ja wiederum alle inzwischen in langjährigen Beziehungen angekommen, meist mit Familie. Einige aber inzwischen auch wieder getrennt.
Eins weiß ich sicher: groß geändert haben sie sich sicherlich nicht, allerdings haben sie Frauen gefunden, die ihre Schwächen tolerieren konnten. Entweder aus Liebe oder aus Torschlusspanik.
Schaue ich mir die Trennungsgründe meinerseits an, waren die aus meiner Sicht wirklich gravierend.
Meine beste Beziehung scheiterte daran, dass der Herr 0 mit Geld umgehen konnte und ich mir es partout nicht vorstellen wollte als Finanzminister zu fungieren, der ihm ein monatliches Taschengeld gibt (von ihm vorgeschlagen) - das geht vollkommen gegen meine Vorstellung einer gleichberechtigten Partnerschaft zweier autarker Individuen.
Ein anderer sah super aus, war aber auf längere Sicht ein unglaublicher Langweiler (deswegen die Trennung) und hing an meinen Lippen, wenn es um Kunst, Literatur und Musik ging. Und fand mich absolut "toll" und so kreativ

was ich überhaupt nicht bin.
Auch keine Augenhöhe. Später stellte sich dann raus (da waren wir aber schon länger getrennt), dass er auch mit der Treue recht sportlich umgeht, O-Ton "das ist pures Leben" und so ein esoterischer Dünnpfiff.
Der dritte war gefühlskalt und nicht konfliktfähig, wollte sich seltsamerweise dennoch nicht von mir trennen.
Seine aktuelle Frau leidet seit der Beziehung unter massivem Übergewicht, woher das kommt - nun ja - habe da so meine Thesen...
Oder wenn ich mir die Beziehungen meiner Brüder oder meines Vaters anschaue, da sehe ich auch in erster Linie eine Art Mutti-Beziehung zu der jeweiligen Dame. Alleine kriegen die nix organisiert, die wären autark nicht lebensfähig. Aber beruflich den Strahlemann markieren mit einer Dame an der Seite, die im Grunde alles macht, inklusive den Herren dauerhaft bestätigen wie unglaublich toll sie sind.
Auf den ersten Blick alles tolle, studierte (bis auf meinen Dad, der war allerdings sehr erfolgreicher Unternehmer) Männer, nach denen sich wohl viele Damen die Finger *beep* - mir reicht das aber nicht.
Und da kommt sicherlich auch ins Spiel, dass es wirklich kaum was gibt, was ich nicht alleine bewältigen konnte. Ich hatte so viele schwierige Situationen in meinem Leben und keine Unterstützung - so dass ich nur die Wahl hatte untergehen oder selbst klarkommen.
Was es mir wiederum unglaublich schwer macht bei meines Erachtens nach Kleinigkeiten großartig Verständnis zu entwickeln.
Ähnlich wie du es beschreibst bin ich im täglichen Umgang auch ein sehr netter und freundlicher Mensch und gehe auf Leute prinzipiell erstmal positiv zu, bin aber sehr radikal im Aussieben, wenn ich den Eindruck habe mir einen Problemfall ans Bein zu binden.
Vor allem wenn es eben schon bei - wie ich meine - Selbstverständlichkeiten hapert. Ich denke da verrechnen sich die Männer bei mir auch gerne. Da ich anfangs sehr offen und erstmal positiv bin, denken die sich wohl "na ja, den ein oder anderen Fehltritt kann ich mir schon leisten" und wundern sich dann wie konsequent ich mich wieder verabschiede.
Die Heulerei und das dementsprechende Drama sind dann natürlich stets groß, gerne werden dann auch an die "großen Gefühle" appelliert, was an mir abprallt.
Ich denke schon, dass es die guten Männer gibt, aber die sind sehr rar gesät und eben meistens in Beziehung. Mit "gut" meine ich nicht "perfekt", sondern Defizite mit denen man leben kann.
Ich hoffe immernoch irgendwann mein Beziehungsideal verwirklichen zu können. Mit einem guten Mann kann ich mir fast alles vorstellen. Aber ich habe eben auch im Hinterkopf, dass sowas ein sehr großes Glück ist und die Alternative bis zu meinem Tod mich mit diesbezüglicher Mittelmäßigkeit herumschlagen muss eventuell größer ist.
Solange kann man nur sein bestes geben, an den eigenen Vorstellungen festhalten und sich anderweitig am Leben erfreuen.