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Das Medikament Opipramol bei Liebeskummer nehmen?

Tamina025

Tamina025

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Hallo Community,

wie man in meinem letzten Beitrag lesen kann, hab ich ziemlich starken Liebeskummer seit etwa 8 Wochen, weil mein (Ex)-Freund nicht weiß, was er fühlt. Wer genaueres wissen möchte, kann meinen letzten Beitrag gerne lesen.

Leider hab ich es immer noch nicht geschafft, ihm nicht zu schreiben. Im Gegenteil, ich teile ihm über WhatsApp meistens mit, wie schlecht es mir geht. Er findet das in Ordnung, denn er ist der Meinung, dass man Gefühle kommunizieren sollte. Ich bekomme diese Woche eine neue Nummer und bin am überlegen, sie ihm erstmal nicht zu geben, um ihm und mir den nötigen Abstand zu geben und vielleicht vermisst er mich ja dann.

Jedenfalls geht es mir seit Wochen dreckig. Ich hab permanent Kopfschmerzen vom Weinen, kann mich auf nichts konzentrieren, wodurch meine Noten am Abendgymnasium leiden, bin total antriebslos, auch Freunde treffen und mit ihnen darüber zu reden bringt keine Erleichterung oder Ablenkung. Ich hab generell keine Kraft, um irgendwas zu machen. Seit Wochen esse ich wenn's hochkommt drei Mahlzeiten in der Woche an je einem Tag und ich friere ständig. Vom Schlafen will ich gar nicht erst anfangen und seit ich einen romantischen Traum von ihm hatte, hab ich regelrecht Angst vor dem Schlafen.

Nun bin ich die ganze Zeit am überlegen, ob ich morgen mal zu meiner Hausärztin gehe, ihr die Situation schildere und sie bitte, mir eine Packung Opipramol zu verschreiben. Ich hab dieses Antidepressiva vor ein paar Jahren schonmal von meiner damaligen Hausärztin verschrieben bekommen, als meine Oma starb. Da ging es mir ähnlich wie jetzt. Die Tabletten haben sehr gut geholfen, da sie mich nichts fühlen lassen haben und ich so besser schlafen und mich konzentrieren konnte. Natürlich weiß ich, dass das keine Dauerlösung sein sollte. Aber für die Klausurenphase die gerade läuft, wäre das wirklich hilfreich. Ich will das Abitur unbedingt schaffen und das mit möglichst guten Noten.

Habt ihr da vielleicht Erfahrungen? Ist es überzogen, wegen Liebeskummer zum Arzt zu gehen und sich als Überbrückung Antidepressiva verschreiben zu lassen und man sollte sich einfach zusammennehmen und sich nicht anstellen? Ich hab große Amgst davor, was meine Hausärztin von mir denken wird.

15.11.2021 19:50 • #1


BitterTaste

BitterTaste


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Hey...
ja ich habe damit Erfahrungen und kann dir nur sagen, dass ICH es nicht ohne meine Ärztin und Antidepressiva geschafft hätte! Alles Gute!

15.11.2021 19:52 • x 2 #2



Das Medikament Opipramol bei Liebeskummer nehmen?

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Anuke

Anuke


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Liebe Tamina ,

bitte gehe zu Deiner Hausärztin.
Sie wird ganz bestimmt verständnisvoll reagieren .
Ich kenne Opipramol - auch mir hat es zeitweise geholfen besser zurecht zu kommen

15.11.2021 19:58 • x 1 #3


DonaAmiga

DonaAmiga


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Anfang dieses Jahres habe ich bestimmt ein Vierteljahr lang jeden Tag geweint - entweder um meinen ersten Forengrund oder um den zweiten.
Ohne irgendwelche Medikamente.
Mit Medikamenten hätte es höchstwahrscheinlich genauso lange gedauert, und zusätzlich fürchtete ich, mir womöglich ein Suchtproblem an Land zu ziehen.
Also Finger weg von solchem Müll.

15.11.2021 20:15 • x 3 #4


Hana-Ogi55

Hana-Ogi55


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Zitat von Tamina025:
Nun bin ich die ganze Zeit am überlegen, ob ich morgen mal zu meiner Hausärztin gehe, ihr die Situation schildere und sie bitte, mir eine Packung Opipramol zu verschreiben. Ich hab dieses Antidepressiva vor ein paar Jahren schonmal von meiner damaligen Hausärztin verschrieben bekommen, als meine Oma starb. Da ging es mir ähnlich wie jetzt. Die Tabletten haben sehr gut geholfen, da sie mich nichts fühlen lassen haben und ich so besser schlafen und mich konzentrieren konnte. Natürlich weiß ich, dass das keine Dauerlösung sein sollte. Aber für die Klausurenphase die gerade läuft, wäre das wirklich hilfreich. Ich will das Abitur unbedingt schaffen und das mit möglichst guten Noten.

Habt ihr da vielleicht Erfahrungen? Ist es überzogen, wegen Liebeskummer zum Arzt zu gehen und sich als Überbrückung Antidepressiva verschreiben zu lassen und man sollte sich einfach zusammennehmen und sich nicht anstellen? Ich hab große Amgst davor, was meine Hausärztin von mir denken wird.

Tut mir leid, dass es Dich so sehr befallen hat.

Es gibt keinen Grund, nicht zu Deiner Ärztin zu gehen. Jeder verarbeitet solche Phasen anders.
Die Ärztin wird Dir zuhören und Dich verstehen und mit Dir besprechen, was für Dich in dieser Zeit jetzt hilfreich wäre.

Du hast ja damit schon mal die Erfahrung gemacht und es hat Dir gut geholfen, von kurzer Medikamenteneinnahme wirst Du weder süchtig, noch ist es Müll. Es ist nicht schlimm, sich Schwäche einzugestehen und Hilfe zu suchen und auch anzunehmen.

Was die Ärztin Dir letztendlich dann verschreiben wird, wird sich ja zeigen. Und nein, es ist nicht überzogen. Es ist eine schwierige Lebensphase für Dich, Du musst Dich nicht zusammennehmen, um so zu tun, als würdest Du Dich nicht anstellen.

Alle Gute für Dich.

15.11.2021 20:23 • x 3 #5


Jetti

Jetti


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Zitat von DonaAmiga:
und zusätzlich fürchtete ich, mir womöglich ein Suchtproblem an Land zu ziehen.
Also Finger weg von solchem Müll.

Antidepressiva machen NICHT abhängig. Auch ich nehme Medikamente, allerdings ist es bei mir Venlafaxin.

Quelle:
https://www.limes-schlosskliniken.de/machen-antidepressiva-abhaengig-der-sinnvolle-einsatz-von-antidepressiva/

Schauen wir uns einmal die häufigsten Vorurteile über Antidepressiva an und betrachten diese genauer:
Zitat:"Antidepressiva machen abhängig."


Hier kann es zu Verwechslungen zwischen den oben genannten Sedativa und Antidepressiva kommen. Sedativa (vor allem Benzodiazepine) können eine Abhängigkeit erzeugen, Antidepressiva jedoch nicht. Abhängigkeit bzw. Sucht ist so definiert, dass die Abhängigen ständig eine Erhöhung der Dosierung benötigen. Sie verspüren einen starken inneren Drang, das Suchtmittel zu konsumieren und können den Konsum schlecht kontrollieren. Dies ist bei Antidepressiva nicht der Fall.
Der Mythos kommt zudem durch die Tatsache zustande, dass Antidepressiva nicht von einen Tag auf den nächsten abgesetzt werden dürfen. Ein plötzliches Weglassen der Medikamente kann den Kreislauf und die Psyche durcheinanderbringen und zu ähnlichen Symptomen wie initiale Nebenwirkungen führen. Dies allein ist aber noch kein Kriterium, um von einer Abhängigkeit zu sprechen.

16.11.2021 10:41 • x 2 #6


tina1955


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Ein Medikament kann vorübergehend helfen, lindern oder betäuben.
Aber nach dem Absetzen ist die Ursache immer noch da.

16.11.2021 10:50 • x 4 #7


Hansl

Hansl


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Zitat von Tamina025:
Nun bin ich die ganze Zeit am überlegen, ob ich morgen mal zu meiner Hausärztin gehe, ihr die Situation schildere und sie bitte, mir eine Packung Opipramol zu verschreiben


Ich würde Dir wirklich empfehlen, zu einem Facharzt für Psychiatrie zu gehen.
Psychopharmaka verschreibt man nicht so einfach.

16.11.2021 11:28 • x 3 #8


gabehcuod

gabehcuod


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Zitat von Hansl:
Psychopharmaka verschreibt man nicht so einfach.

Das genau ist das Problem mit den Hausärzten - sie dürfen ALLES, also auch Psychopharmaka, verschreiben.
Aus eigener Erfahrung muss ich allerdings sagen, dass es oft nur ein routinemäßiges Medikationsschema gibt, das nicht berücksichtigt, dass solche Medikamente höchst individuell in ihrer Wirkung sind. Deswegen gibt es auch so viele davon ...

Zitat von tina1955:
Ein Medikament kann vorübergehend helfen, lindern oder betäuben.
Aber nach dem Absetzen ist die Ursache immer noch da.

Jetzt wollen wir doch nicht gleich die ganze schöne neue Life-Style-Medizin in Frage stellen.

16.11.2021 11:35 • x 2 #9


RyanG

RyanG


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Zitat von Tamina025:
Hallo Community, wie man in meinem letzten Beitrag lesen kann, hab ich ziemlich starken Liebeskummer seit etwa 8 Wochen, weil mein (Ex)-Freund nicht weiß, was er fühlt. Wer genaueres wissen möchte, kann meinen letzten Beitrag gerne lesen. Leider hab ich es immer noch nicht geschafft, ihm nicht zu schreiben. Im ...

Mach es. Der Hausarzt wird Dich nicht wegschicken. ADs sind in solchen Fällen sehr hilfreich.
Gerade weil Du aktuell in der Klausurenarbeit steckst, wäre das für mich schon alleine das Argument, für die ADs, damit würdest Du den wichtigen Schritt im Leben erstmal hinter Dich kriegen. Dir geht es aktuell ja auch wirklich nicht gut.

Die Medikamente machen nicht abhängig. Selbst wenn es so wäre, hat Dein Hausarzt da mit ein Auge drauf und würde sie bei Dir wieder langsam ausschleichen.

Ob Dir das Beim Trennungsprozess an sich helfen wird, weiss ich nicht, da ich noch nie ADs genommen habe. Da es allerdins ledliglich Stimmuingsaufheller sind, kann ich mir das schon vorstellen. In Deinem akuten Fall ist das aber zweitrangig.

Ich weiss nicht, warum immer davon abgeraten wird. Sie sind nur ne Notlösung, keine Frage. Aber wo es Sinn macht - und das tut es hier - spricht nichts dagegen mMn.

16.11.2021 11:39 • x 3 #10


Jetti

Jetti


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Zitat von tina1955:
Ein Medikament kann vorübergehend helfen, lindern oder betäuben.
Aber nach dem Absetzen ist die Ursache immer noch da.

Ja, das ist so, stimmt aber trotzdem nur teilweise. Ein Medikament kann durchaus die Basis schaffen, sich mit der Ursache auseinanderzusetzen, was in der akuten Tiefphase meist nur schwer möglich ist. Man geht also schon Schritte, und steht beim Absetzten nicht mehr an der gleichen Stelle wie vorher.

Oft wird ja auch der Punkt angeführt, man stumpfe durch die Einnahme von Antidepressiva ab, verhindere positive wie negative Gefühle. Einfach alles. Das erlebte ich mit einem anderen Medikament auch schon. Meine Ärztin verschrieb mir daraufhin etwas, was zugleich stimmungsaufhellend und antriebssteigernd wirken soll. Ich komme gut damit klar, und vor allem FÜHLE ich auch.

16.11.2021 11:40 • x 3 #11


Jetti

Jetti


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Zitat von Hansl:
Ich würde Dir wirklich empfehlen, zu einem Facharzt für Psychiatrie zu gehen.
Psychopharmaka verschreibt man nicht so einfach.

Da stimme ich zu. Allerdings hatte mein Hausarzt mich direkt dorthin überwiesen. Bei mir lagen damals noch andere Ursachen zugrunde.

Wichtig zu wissen ist auch, dass es nach Beginn der Einnahme etwas dauert, bis eine Verbesserung eintritt. Meist wird von ca. 3 Wochen gesprochen.

16.11.2021 11:47 • #12


Jetti

Jetti


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Zitat von gabehcuod:
Jetzt wollen wir doch nicht gleich die ganze schöne neue Life-Style-Medizin in Frage stellen.

Warum diese Bewertung? Meinst Du, solche Medikamente werden zum Spaß eingenommen?

16.11.2021 11:49 • x 1 #13


gabehcuod

gabehcuod


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Nochmal Butter bei die Fische:
Sämtliche Antidepressiva haben definitiv einen verzögerten Wirkungseintritt von 2 bis 3 Wochen, was die stimmungsaufhellende Wirkung angeht. Daher ist das definitiv nichts für kurzfristige Behandlung depressiver Beschwerden. Moderne AD wie SSRIs wirken kurzfristig zumindest schon mal angstlösend, aber die antidepressive Wirkung kommt ebenfalls erst nach 2 bis 3 Wochen.
Opipramol ist aufgrund seiner Wirkungsweise ein Präparat für die Abend- und Nachtmedikation, da es je nach Dosierung stärker sedierend wirkt. Zu spät und/oder zu viel macht allerdings einen bösen Hangover am nächsten Tag. Wenn es primär kurzzeitig um Schlafprobleme geht, wäre es tatsächlich anderen Beruhigungsmitteln (Benzos oder Z-Drugs) übergangsweise vorzuziehen.

Zitat von Jetti:
Warum diese Bewertung? Meinst Du, solche Medikamente werden zum Spaß eingenommen?

Der Spaß ist Deine Interpretation meine Liebe. Was ich kritisiere, ist die Einnahme von Medikamenten entweder ohne tatsächliche medizinische Indikation oder zur Vermeidung der Auseinandersetzung mit den entsprechenden Ursachen. Ich habe persölich den Eindruck, dass immer häufiger bei jeder kleinsten Befindlichkeitsstörung zu den entsprechenden Pillen gegriffen wird.
Nach S3-Leitlinie Depression ist eine AD-Medikation bei mittelschwerer Symptomatik empfehlenswert und erst bei schwerer Symptomatik definitiv indiziert. Da wird man sich schon was bei gedacht haben ...

16.11.2021 11:55 • x 2 #14


Jetti

Jetti


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Zitat von Tamina025:
Ist es überzogen, wegen Liebeskummer zum Arzt zu gehen und sich als Überbrückung Antidepressiva verschreiben zu lassen und man sollte sich einfach zusammennehmen und sich nicht anstellen? Ich hab große Amgst davor, was meine Hausärztin von mir denken wird.

Anfangs dachte ich auch so. Aber so unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich gehen sie durch Krisen. Das hat nichts mit sich zusammennehmen und sich nicht so anstellen zu tun. Bitte denke nicht in dieser Art und Weise!
Inzwischen gehe ich offen damit um, Medikamente einzunehmen. Erzähle es zwar nicht jedem Menschen ungefragt, z.B. auf Arbeit, aber ich verheimliche es auch nicht. Was könnten sie von mir denken? Von dieser Frage habe ich mich verabschiedet.

16.11.2021 12:08 • x 1 #15



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