Hallo ihr Lieben,
ich habe mir ein paar Einträge durchgelesen und antworte mit einem Auszug, meiner Geschichte, in der Hoffnung, dass es denen, die noch mittendrin sind, Mut macht.
Ich selbst bin gerade einmal 22 und bin vor etwa 1,5 Jahren an einen Narzissten geraten.
Mit "Glück" kann ich sagen, dass das ganze "nur" knapp 1,5 Jahr ging. Aber eigentlich macht es das nicht besser.
Schön war es nur die ersten 2,3 Monate und von einem Tag auf den anderen war alles anders. Es war eine Achterbahnfahrt. Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie erlebt. Natürlich hatte ich auch schon Liebeskummer aber das ist etwas völlig anderes. Viele von euch kennen das Gefühl... Man ist ausgelaugt, kraftlos... Ich fand immer, dass das Wort "Lebensmüde" mich am besten beschrieben hat. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr. Ich liebte ihn, mit allem was ich hatte und mit noch mehr aber es reichte nie. Zu groß war seine Kontrollsucht, seine Sucht danach mich mehr als 100% zu besitzen, sein Misstrauen und Eifersucht, seine Aggressionen und sein Drang nach Aufmerksamkeit von anderen Frauen, wenn er das Gefühl hatte, dass ich ihm nicht gab was er brauchte... Immer wenn ich das Gefühl hatte "Ich kann nicht mehr- Ich muss hier weg" und mich von ihm losriss, dauerte es maximal 3 Tage bis er mich mit seinen Worten wieder ran holte. Ich hatte so oft das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Es war ein ON/OFF. Ein stetiger Wechsel zwischen fliegen und fallen. Lies er mich fallen, wollte ich nichts mehr als wieder zu ihm, ich wollte seine Liebe, so wie ich ihn liebte, ich wollte as sein, was er braucht, das sein was er liebt, das sein, was ihn glücklich macht aber wenn er mich rangeholt hat und mich nach ein paar kurzen Momenten der Liebe, wieder behandelte wie Dreck, fragte ich mich Abends im Bett, neben ihm so oft "Was mache ich hier eigentlich". Ich konnte nicht mehr atmen. Das Seil um meinen Hals zog sich mehr und mehr zu. Inzwischen hatte er mich teilweise auch von Freunden und Familie isoliert. Niemand verstand mein Handeln. "Warum bist du so blöd und rennst immer wieder zurück. Du weißt doch wie er ist" Wie oft durfte ich mir diesen Satz anhören. Wie oft lag ich zuhause, weinend, schreiend, lebensmüde.... und dachte mir-"wieso versteht mich keiner? Wieso komme ich da nicht raus? Wieso hilft mir keiner? Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr."
Irgendwann habe ich es nicht mehr ertragen. Ich konnte mich nicht mehr schlagen lassen, ich konnte mir nicht mehr anhören, was für eine *beep*, *beep*, etc. ich bin. Ich konnte mich nicht mehr anbrüllen lassen. Ich konnte die traurigkeit meiner Mutter nicht mehr sehen. Wie sie vor mir saß und weinte, weil ich seit monaten nicht mehr lachte. Und dann traf ich unbewusst eine Entscheidung, die mich irgendwie rettete... Ich fuhr 3 Tage mit Freunden weg... Obwohl er es mir untersagt hat... In diesen 3 Tagen (okay, es floss Alk.) war ich mehr ich selbst, als das gesamte Jahr davor... Er hat sich innerhalb dieser 3 Tage seine Ex aufgewärmt ... Dennoch als ich wieder kam, wollte ich zu ihm zurück, ich vermisste ihn so sehr. Natürlich lies er sich drauf ein, natürlich kam er und sprach mit mir und natürlich lullte er mich ein. Ich wollte bei ihm sein, ich wollte sein ein und alles sein, seine Liebe ABER immer wenn ich bei ihm war, vermisste ich das Gefühl dieser 3 Tage. Ich fing an mich selbst zu vermissen und das Gefühl des frei seins, was ich diese 3 Tage hatte. Ich vermisste es, ich sein zu können und trotzdem gemocht zu werden. Also fing ich an, wenn er Wochenende nicht da war, mich auf irgendwelchen Partys mit meinen Freunden rum zu treiben, erst heimlich irgendwann offiziell, er tobte, stellte mich vor die Wahl. Das erste mal entschied ich mich für meine Freunde... Er brach den Kontakt ab... Natürlich war ich wieder am Boden, bereute meine Entscheidung fürchterlich, fühlte mich leer und verlassen und wollte einfach nur zu ihm zurück, auf alles hätte ich in dem Moment verzichtet. Aber das Schicksal meinte es gut mit mir... Natürlich rief ich ihn an, entschuldigte mich, flehte ihn an, er soll mir verzeihen, für das was ich ihm angetan hab (zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass ich der Fehler in der Matrix bin) und natürlich war er großzügig genug, um mir zu verzeihen aber ... er war das Wochenende über im Ausland und konnte erst in der darauffolgenden Woche mit mir reden. Für mich war das okay... Ich wusste, wir werden wieder "glücklich". Ich verbrachte den Abend (plötzlich wieder voller Lebensmut, weil mein geliebter Mensch mich auch "vermisste" und mich "liebte"- ich konnte ja nicht ahnen, dass er nun mittlerweile seit einem Monat regelmäßig mit seiner Exfreundin schlief, weil ich ihm "zu wenig liebe gab") mit meinen Freunden. Und Gott sei dank, stand da plötzlich ein Mensch vor mir, der mein gesamtes Leben von da an änderte...
Er verwickelte mich in ein Gespräch. Ich hatte keinerlei Hintergedanken.. Meine Gedanken gehörten ja meinem Narzissten. Aber wir sprachen die ganze Nacht durch und am nächsten Abend sahen wir uns durch einen Zufall wieder und sprachen wieder die ganze Nacht durch. Er war fasziniert von mir...Von mir! Ich war wie ich eben war, hatte nicht vor ihn zu beeindrucken, denn mich interessierten keine anderen Männer. Also erzählte ich von meinen Schwächen und meinen stärken, lachte über Kindische witze, erzählte einfach drauf los. Und er hörte zu und erzählte von sich. Er beeindruckte mich, weil er eine ganz eigene Art hat und doch erinnerte sie mich an meine. Im Nachhinein weiß ich, für ihn war es quasi Liebe auf den ersten Blick... Er sah mich und wollte mich kennen lernen. Für mich war es zu dem Zeitpunkt einfach nur ein Mensch auf einer Party (einer letzten Party, denn nach dem Wochenende wollte ich mich doch nur noch auf meinen Narzissten konzentrieren, so wie es ihn glücklich machte), mit dem ich mich unterhalten habe, weil es sich gut anfühlte einfach drauf los zu quatschen und weil die Veranstaltung auf der ich war, langweilig war. Das habe ich sonst nie gemacht, ich habe mich nicht mit fremden Männern unterhalten, habe jeden abblitzen lassen aber warum auch immer... Diesen nicht und er hat mich gerettet... Ich kann euch nicht sagen, wie er es gemacht hat... Wir haben einfach geredet, Stundenlang, Tagelang, da er mich nicht mehr aus den Augen gelassen hat, er hat unterbewusst einfach gemerkt, dass was mit mir nicht stimmt, er sagte irgendann mal "Ich habe noch nie solche Augen gesehen- die sind so schön und strahlen aber gleichzeitig, ist da so viel trauriges drin"
Ich konnte natürlich noch überhaupt nicht sowas wie Gefühle, Nähe oder sonst was zu lassen aber dieser Mensch hat mir innerhalb von ein paar Tagen gezeigt, dass man eine eigene Persönlichkeit ist, die irgendwo da draußen jemanden wirklich interessiert, die gemocht und geschätzt wird. Er hat mir gezeigt, dass es jemanden gibt, der gerne etwas für einen macht, ohne dafür eine Forderung zu haben, ohne etwas zu verlangen. Er hat mir gezeigt, dass auf liebe Worte, keine bösen folgen müssen. Ich hab dieses Gefühl so sehr genossen, dass ich unglaubliche Angst hatte von dem Gefühl was mein Narzisst auslöste, das Gefühl zu ersticken. Ich wollte das nicht mehr spüren... Ich reagierte an dem Tag von dem ausgemachten Treffen mit meinem Narzissten, aus Angst vor dem gefühl, auf keine Nachricht seinerseits, also fand das Treffen nicht statt...
Das ganze ist jetzt ein paar Monate her... Es fand nie wieder ein Treffen statt, es fand auch nie wieder ein schriftliches Gespräch statt. Es fand auch nie wieder irgend eine andere Art von Kontakt statt.
Von einen Tag auf den Anderen brach ich alles ab, blockierte ihn überall.
Es ist alles wahnsinnig schwer zu verstehen und verarbeiten... Alleine würde ich das auch nicht schaffen. Ich bin in Therapie, diese hilft unwahrscheinlich mich selbst, mein handeln und all das zu verstehen.
Und ich habe diesen Mann... Diesen Mann der mich rettete... Der immer da ist, der all das versucht zu verstehen, der immer Verständnis hat, wenn ich wegen dem erlebten Misstrauisch bin, oder traurig oder ängstlich oder mich zurückziehe, der Mann der alles dafür tut, dass ich vertrauen kann, mich fallen lassen kann oder es zumindest versuche und der, der mir das Gefühl gibt BEDINGUNGSLOS geliebt zu werden. Ich denke noch viel an den Narzissten, rede viel über ihn, sei es mit der Therapeutin oder auch mit "dem" Mann... Auch träume ich ab und zu davon ihm zu begegenen. Aber es tut nicht mehr so weh. Weinen tu ich nur noch bei der Therapie, raus gehen tue ich da aber dennoch mit einem Lächeln...
Das allerschönste ist, dass ich mich immer mehr selbst zurück bekomme, so wie ich mich mochte.
Und dass meine Freunde und meine Mama mich nicht mehr mit diesem verzweifelten Blick ansehen...
Inzwischen habe ich erfahren, dass mein Narzisst mich am Ende der "Beziehung" unendliche Male betrogen hat. Aber auch das tut nicht mehr sehr weh... Er ist krank, ich nicht (mehr).
Was ich euch, den Betroffenen damit nur sagen möchte... Bitte gebt nicht auf... Kein Mensch dieser Welt brauch sowas oder hat sowas verdient. Ihr lebt alle nur ein einziges Mal, dieses EINE Leben müsst ihr genießen, mit allem was ihr habt und das könnt ihr nicht, neben einem solchen menschen, der euch aussaugt, euch isoliert und euch Schmerz antut, der mehr weh tut, als jede Körperliche Verletzung. Kein Schlag von ihm in mein gesicht tat je so doll weh, wie das was in meinem Herzen war aber es geht vorbei... Holt euch Hilfe und scheut euch nicht davor... Das alles kann jedem passieren... Ihr seid nicht schwach, schwach ist nur der Narzisst.