Zitat von Berlinerin91: die depressivkranke Person verurteilen oder sie als verantwortlich für ihre eigene Situation betrachten.
Zitat von Berlinerin91: Außerdem kann man für das Auftreten einer Krankheit im allerseltensten Fall verantwortlich sein.
Ich hoffe nicht, dass mein Beitrag derart aufgefasst wurde. Falls ja, will ich das klarstellen. Nein, ich bin keineswegs der Meinung, dass Menschen mit Depressionen sich das irgendwie selbst ausgesucht haben oder in irgendeiner Form selbst "schuld" dran sind !
Und ja, es ist mir klar, dass es kein Spaziergang ist, sich Hilfe zu holen. Gerade in so einer Situation. Und nein, es ist nicht so, dass ich keinerlei Erfahrung damit habe.
Aber gerade wenn es einem - wie hier tlw. geschildert, äußerst schlecht geht, so schlecht, dass man selbst nichts mehr schafft- dann ist da ein großer Leidensdruck und dieser sollte einem doch zu erleben geben, dass man Hilfe braucht. Und das ist mE oft der Knackpunkt. Es ist wirklich eine Hausnummer sich einzugestehen, dass es so nicht mehr weitergeht und es auch evtl nicht möglich ist, sein Leben so weiterzuführen wie man es gerne täte. Ich verstehe (vllt. zu gut) dass es Angst macht, zb. längere Zeit krankgeschrieben zu sein und Nachteile zu befürchten.
Das ist alles andere als schön. Aber, um das Beispiel nochmal zu bedienen: Wenn ich ein gebrochenes Bein habe ist mir klar, dass ich was tun muss und evtl auch mal eine Zeit krankgeschrieben bin. Bei einer psychiatrischen Erkrankung wird sich das oftmals nicht eingestanden bzw. nicht akzeptiert. Und deshalb ist es mir auch nochmal besonders wichtig klarzustellen, dass ich keinesfalls stigmatisieren möchte, weil gerade die Stigmatisierungen dazu führen, sich Hilfe nicht zu holen.
Zitat von Berlinerin91: sind Depressivkranke oftmals nicht in der Lage zu sehen, in welchem Zustand sie sich befinden.
Da gebe ich dir Recht und das führt in einigen Fällen auch dazu keine Hilfe zu bekommen. Ich kenne aber auch sehr viele Fälle in denen Angehörige Gott und die Welt in Bewegung setzen. Aber der Widerstand des Betroffenen ist zu groß. Und nach meiner Beobachtung liegt das dann weniger an der fehlenden Krankeneinsicht sondern eher am falschen Stolz.
Falls ich damit jemanden unbeabsichtigt auf die Füße trete möchte ich mich dafür entschuldigen.