Zitat von Caecilia:Lieber Kummerknubbel, ich ziehe meinen Hut vor Dir. Auch wenn wir hier naturgemäß nur Deine Sicht kennen: Du wirkst unglaublich empathisch, differenziert und reflektiert. Um es mal drastisch auszudrücken: Ich glaube, 99% der Menschen hätten in Deiner Situation schon das Weite gesucht. Das klingt alles einfach ...
Herzlichen Dank, liebe Caecilia für Deine freundlichen Worte...
🙏 Es freut mich zu sehen, dass es Menschen gibt, die Bemühungen erkennen und ihnen mit Wertschätzung begegnen. In meiner Situation fehlt es mir "im echten Leben" leider u. a. auch daran.
😕 Ansonsten sind Deine Zeilen eine exakte Beschreibung meines Dilemmas - ich war noch nie jemand, der sich beim ersten Anzeichen einer Krise verkrümelt. Ich habe es gelernt, durchzuhalten, mich durchzubeißen und bin anscheinend auch mit einer grundsoliden Stressresistenz ausgestattet. Den Satz "An Ihrer Stelle wären die Meisten längst umgekippt" habe ich mittlerweile zigmal - auch von ärztlicher/therapeutischer Seite - gehört. Allein, was hilft's? "Ewig durchhalten", genau das ist der Punkt - das kann und will niemand und ich auch nicht. Aber
wie lange soll, darf, muss, will, kann ich in so einer Situation verweilen, zumal ohne klare Perspektive? Die *beep* Zahlen sind ernüchternd - rund 50% der Paarbeziehungen mit einem depressiven Partner gehen in die Brüche. Addiert man dann noch die Probleme dazu, die (i) bei Anton und Berta individuell (ii) zwischen L und den Kindern und (iii) zwischen mir und L bestehen und fakturiert dann auch noch die Hausbaustelle mit hinein, dann landet man vermutlich bei einer Erfolgsquote von 20:80 oder schlechter. Und gewiss möchte ich nicht so lange aushalten wie eine liebe Kollegin von mir, die 20 Jahre mit den Depressionen ihres Mannes gekämpft hat - bis er eine Therapie absolviert und sich anschließend von ihr getrennt hat. Jetzt ist er seit 2 Jahren wieder verheiratet und sie mit 62 Jahren alleine. Ich glaube, sowas brauch ich nicht...
😑 Und natürlich hängt mir auch noch meine Beziehungshistorie nach - ich war 9 Jahre verheiratet und habe mich in der nachfolgenden Beziehung rund 8 Jahre an einer emotional instabilen und hoch narzisstischen Frau abgearbeitet. Die Frage nach dem Warum sei vorsorglich beantwortet: Sie war blitzgescheit, sehr erfolgreich, bildhübsch, supersportlich und nach außen total fröhlich und umgänglich - und ich wollte nach meiner Ehe nicht schon wieder etwas gegen die Wand fahren. Also habe ich alle Warnsignale ignoriert und mich bemüht, zum Ende leider auch dumme Fehler gemacht, rückblickend betrachtet aber jedenfalls mindestens 7 Jahre und 10 Monate nutzlos Zeit investiert.
L und ich hatten dann trotz aller Widrigkeiten auf jeden Fall 5 schöne Jahre, aber jetzt? Eben - anstrengend, perspektivlos, deprimierend. Wie lange noch....?
😞 Mit meiner Herkunftsfamilie liegst Du richtig - mangels Kontakt gibt es da keinen Rückhalt (vermutlich gäbe es den aber auch nicht mit Kontakt...
🙄). Ich möchte mich dazu kurz fassen - zu dem Thema könnte man einen eigenen Thread eröffnen - und nur so viel andeuten: Der Umstand genetischer Verwandtschaft schützt leider nicht vor charakterlichen Fehlentwicklungen bei den Eltern.
Mein Sohnemann ist mittlerweile 23 und ein großer, hübscher Bengel (hat mich mit 1,90 Körpergröße um 4 cm outperformt, der Lümmel...
😅). Er macht grad ein Ausbildung als Erzieher in einer Kita, wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sehen uns regelmäßig - auch alleine. Verhältnis zu seiner Mom ist auch gut, also hab ich da wohl ein paar Sachen richtig gemacht.
👍 Ansonsten sehe ich es wie Du - externe Hilfe ist notwendig und ja auch schon sehr umfassend vorhanden. Seit Mittwoch gibt es jetzt nach einem Hilfeplangespräch mit dem Jugendamt die Perspektive, dass Berta in einem Internat (mit angeschlossener therapeutischer Betreuung) untergebracht wird. Sie hat das selbst durch die klare Aussage initiiert, dass sie von L weg möchte - und auch nur 1x im Monat nach Hause kommen will. So traurig die Ursache ist, bietet es vielleicht doch eine Chance für Entwicklung und bringt Entlastung ins System, weil zumindest eine Kampfarena wegfällt - so muss man es wahrscheinlich positiv betrachten.
Anton hat sich dafür ausgesprochen, "erst mal" bei uns bleiben zu wollen; man wird sehen müssen, wie sich die Dinge zwischen L und ihm entwickeln, weil es auch dort viel Konfliktpotenzial aus Überforderung gibt.
Was L und mich anlangt, habe ich ihr schon gesagt, dass wir aus meiner Sicht dringend externe Unterstützung brauchen - zumal es auch mehr als eine Handvoll Dinge gibt, die mir fehlen. Wie in meinem letzten Post geschrieben, lehnt sie das aber ab und ich forciere das nach der Empfehlung meines Coaches auch derzeit nicht.
Objektiv betrachtet muss man unter dem Strich also wohl sagen, dass wir den Rahmen an verfügbaren Hilfsmöglichkeiten bestmöglich ausgeschöpft haben. Mit Blick auf die Kinder bin ich jedenfalls optimistisch, dass die beiden ihren Weg machen werden. Anton ist ein hochintelligenter, quirliger, neugieriger und total süßer Lockenkopf und auch Berta ist ein bildhübsche junge Dame, die weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen ist. Was L und mich angeht, akzeptiere ich im Moment eben noch den Zustand der Funktionsgemeinschaft - auch wenn es mir schwer fällt. Da wird sich zeigen müssen, wie schnell und nachhaltig sie wieder gesund wird - das möchte ich in jedem Fall (auch zum Wohle der Kinder) weiterhin unterstützen, so lange meine Seele und mein Körper das mit tragen können. Ich werde hier berichten...
Liebe Grüße
M.