Kummerknubbel
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nach einigen Jahren als stiller Zuschauer in diesem Forum möchte ich jetzt meine Geschichte aufschreiben - in meiner aktuellen Beziehung laufen die Dinge nach ein paar glücklichen Jahren leider seit einiger Zeit ziemlich aus dem Ruder und alles entwickelt sich so komplex, schwierig und belastend, dass ich mich völlig festgefahren fühle. Vielleicht finde ich hier ja ebenso oder ähnlich Betroffene, vielleicht auch etwas Unterstützung, hilfreiche Anregungen, jedenfalls aber einen Austausch - ich würde mich freuen und wäre dafür dankbar. Vorab bitte ich schon einmal um Nachsicht, dass es recht viel zu Lesen geben wird, um die Hintergründe so weit wie nötig auszuleuchten. Also:
Mitte 2015 habe ich meine Partnerin (ich nenne sie hier "L" für "Liebste") kennengelernt. L hatte sich kurz vorher von ihrem Mann getrennt, lebte aber noch im gemeinsamen Haus mit ihm und zwei Kindern (nennen wir sie hier Anton, damals 2, und Berta, damals 5), die von der Trennung noch nichts wussten. Darum und weil wir beide zu der Zeit nicht unbedingt nach Verbindlichkeit gesucht haben (wir haben uns über eine Website gedatet), hielten L und ich unsere Treffen einvernehmlich inkognito. Ende 2015 schlug das Schicksal hart zu - der Ehemann verunglückte auf einer Geschäftsreise im Ausland tödlich und es herrschte plötzlich Chaos. Trotzdem wollten L und ich an unseren Treffen festhalten, auch wenn wir alles Körperliche natürlich erstmal komplett ausgeblendet haben. Stattdessen habe ich meine beruflichen Kontakte und Kenntnisse genutzt, um die drei in der Folgezeit nach Kräften bei der Bewältigung der vielen Aufgaben zu unterstützen, die in so einer Situation anfallen. Es mag verrückt klingen, aber irgendwo in diesem Durcheinander haben L und ich uns verliebt und beschlossen, zusammenzubleiben - auch wenn alles sehr schwierig war, trotz zahlreicher liebevoller und auch professioneller Unterstützung von außen. U. a. hatte der kleine Anton große Probleme im Alltag, weil er - vermutlich bedingt durch den Verlust seines Vaters - zu dieser Zeit eine Enkopresis/Enuresis entwickelte (an der er bis heute noch arbeitet). Trotzdem haben L und ich es so gut durch diese harte Zeit geschafft, dass sie 2017 mit den Kindern aus OWL zu mir in den Ruhrpott gezogen ist - auch um sich beruflich neu zu orientieren und näher bei ihren Eltern zu sein, die am Niederrhein leben.
2018 haben wir uns verlobt und ein Haus zusammen gekauft, das wir gemeinsam umbauen und renovieren wollten. Leider wurden wir ab 2020 dann voll erwischt von den Corona-bedingten Auswirkungen im Bausektor (drastische Materialpreiserhöhungen, mangelnde Verfügbarkeit von Baustoffen und Handwerkern etc.) und wir gerieten trotz konservativer Planung zeitlich und finanziell ziemlich in Schieflage. In den Folgejahren haben wir unsere kompletten zeitlichen (Wochenenden plus Jahresurlaub) und auch große Teile der finanziellen Ressourcen in den Bau gesteckt; einziehen konnten wir bis heute leider trotzdem nicht. Spätestens seit 2022 hat sich der dadurch zusätzlich entstehende Stress auch auf unsere Beziehung ausgewirkt - es gab zunehmend häufig Diskussionen oder Streit und L wurde immer unzufriedener. Schulische Probleme der Kinder im Covid-Chaos haben sich noch obendrauf addiert. Seit Herbst 2022 zeigten sich bei L dann akute starke Stress- und Erschöpfungssymptome, so dass ihr für Anfang 2023 (seither ist sie auch dauerhaft krankgeschrieben) mit den Kindern eine Mutter/Kind-Kur verordnet wurde. Dort kam es dann zum "großen Knall", als Berta nach der ersten Woche in der Klinik auf einem Balkon stand und drohte, zu springen. Zum Glück hat sich das nicht umgesetzt, aber die Kur musste abgebrochen werden und Berta verbrachte 4 Wochen wg. Suizidgefahr auf der geschlossenen Station einer Kinder- und Jugendpsychiatrie.
L hat das alles leider völlig aus der Bahn geworfen - bei ihr wurde im Frühjahr 23 eine (mittelgradige) Depression diagnostiziert und sie kämpft seitdem mit allen möglichen Ausfallerscheinungen, u. a. bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration. Zwischenzeitlich hat sie zwar einen Therapieplatz, kommt aber nur sehr langsam voran, weil sie zu allem Unglück auch noch an einer Autoimmunerkrankung der Leber (PSC) leidet, die eine medikamentöse Unterstützung so gut wie unmöglich macht. Aufgrund der Schwierigkeiten mit den Kindern und sich verschärfender Erziehungsprobleme werden wir seit Mitte 2022 von einem Team des Jugendamts betreut und sind dort als "hoch belastete Familie" eingestuft.
Die Beziehung mit L hat unter alledem mittlerweile heftig gelitten und hat sich spätestens seit Herbst 2023 drastisch verschlechtert. Die "emotionale Gemengelage" aus fast täglichen, teils heftig eskalierenden familiären und Beziehungskonflikten, den Belastungen aus dem unfertigen Haus(um)bau und der physischen und psychischen Krankheitssymptome von L haben uns zermürbt. Mich belastet zunehmend ihr stark kontrollierender, "funktionsorientierter" und empathie-armer Erziehungsstil und ihre oft konfrontative und wenig wertschätzende Art der Kommunikation den Kindern und mir gegenüber. L hält mir vor, sie "alleine zu lassen", obwohl ich zu Hause überall mit anpacke, alle 2 Wochen komplett im Homeoffice arbeiten kann und in dieser Zeit auch versuche, sie mit den Kindern zu unterstützen. Einfach ist das allerdings bei der Vorgeschichte und mit zwei mittlerweile auch pubertätsgeschüttelten Youngstern nicht, zumal ich beruflich auch so stark eingebunden bin, dass mir häufig Zeit, Möglichkeit und Energie für ein umfassendes und tiefgehendes Engagement bei der Erziehung fehlen. Die Lösung unserer Probleme wird dadurch durchgängig erschwert und immer öfter unmöglich; zielführende und konstruktive Konfliktgespräche können wir kaum führen - häufig endet es mit Angriffen und Vorwürfen gegen mich. Von Gottman's fünf "apokalyptischen Reitern" galoppieren drei fast täglich durch unsere Gespräche (bei Verachtung und Machtdemonstrationen sind wir zum Glück noch nicht). Versuche, Gehör für meine Bedürfnisse zu finden, stoßen bei L auf schroffe Ablehnung bzw. Abwehr/Gegenangriffe. Unser einmal sehr erfülltes und intensives Liebesleben ist völlig eingeschlafen - früher gab es täglich viele zärtliche, intime Berührungen und liebevolle Nettigkeiten, jetzt sind Anfassen und Küssen aus unserem Leben verschwunden.
Ich bin mit der Situation mittlerweile völlig überlastet und überfordert, fühle mich einsam und kaputt, bin todtraurig und sehe kaum noch Lösungsmöglichkeiten für die Art und Vielzahl unserer Probleme. Mit einer zeitnahen Fertigstellung der Baustelle ist nicht zu rechnen - ich sehe allerdings auch nicht, dass sich allein dadurch die bestehenden Probleme in unserer Kommunikation und Paarbeziehung auflösen würden. Über eine Trennung denke ich seit geraumer Zeit nach, habe aber nicht vergessen, dass L "eigentlich" eine wunderbare Frau ist/war und möchte sie nicht verlieren. Zusätzlich habe ich zugegebener Maßen auch Skrupel, sie und die Kinder "mit den ganzen Problemen im Stich zu lassen". L hat vor einiger Zeit gesagt, sie möchte lieber mit mir als ohne mich, davon kommt allerdings nichts bei mir an. Die Beziehung kostet mich seit geraumer Zeit unglaublich viel Kraft und Energie, ohne dass daraus irgendetwas an mich zurückfließt. An meinen Vorstellungen von einer liebevollen, erfüllten und zufriedenen Paarbeziehung lebe ich seit gut einem Jahr komplett vorbei. Inzwischen habe ich mir externe Unterstützung geholt und mich intensiv über Depressionen und deren Auswirkungen informiert - leider lässt sich damit nur meine Seite der Thematik bearbeiten. L ist zudem nicht bereit (und manchmal sicher auch nicht fähig), sich zu beteiligen - sie könne "nicht noch eine Baustelle bearbeiten", sagt sie.
So stehe ich also da und drehe mich im Kreis - so wie jetzt will ich es nicht mehr haben, ob es je noch einmal anders werden wird, kann aber niemand sagen und ich frage mich, wie lange ich noch aushalten kann/muss - vielleicht finde ich hier ja Antworten oder Lösungsansätze.