Zitat von Emily: Ich weiß, dass das wahrscheinlich alles aus meiner Bedürftigkeit heraus entsteht, und wahrscheinlich nichts mit ihm zu tun hat. Aber wie komm ich da raus?
Willkommen in der Leidensgruppe der Parentifizierungsgeschädigten

Als auch Betroffene here are my two cents.
Schritt eins: Meine "Theorie" ist, daß es bei der übermäßigen Rückversicherung, die ja dann doch nie reicht

, um ein sehr altes Verhaltensmuster geht. Werden Kinder parentifiziert, dann löst das na no na ned Überforderung aus. Je nach Kindesalter und Sache für die wir eben nicht altersgerecht Verantwortung aufgebürdet bekommen haben, extreme Überforderung. Darauf reagierst Du als Kind mit Kontrolle, weil in der Kindervorstellung sich der Gedanke festsetzt, daß wenn Du nur alle Gegebenheiten kontrollierst, dann tritt was auch immer ein bzw nicht ein.
Deshalb löst Unsicherheit Überforderung und diese dann Kontrolle aus.
Wenn also das Gedankenkarussell einsetzt, ist es erst einmal nützlich, sich selbst klar zu machen, daß es gerade darum geht, daß Du eine unsichere Situation mit Kontrolle lösen möchtest. Unsere Hyperviliganz macht es zudem noch mal extra schwer, weil schon minimalste Verhaltensveränderungen wahr genommen werden und uns direkt in die Unsicherheit schicken (gehe in das Gefängnis, gehe direkt dorthin, gehe nicht über Los).
Schritt zwei: Nimm das Bedürfnis die Situation kontrollieren zu wollen bewusst wahr und dann ist es an Dir Deine Mittel zur Selbstberuhigung anzuwenden.
Was kann das sein:
Ich spiele manchmal mit Sätzen. Also ich kann das nicht kontrollieren. Ich will das nicht kontrollieren. Kontrolle ist doof. Kontrolle ist ein abstraktes Konzept. Kontrolle ist der Feind jeder Spontanität.
Meistens gelingt es mir, mit einem von diesen Sätzen in Resonanz zu gehen, sprich der spricht die erwachsene E-Claire an.
Je nach dem, was Du für ein Mensch bist, könntest Du natürlich auch andere Gedankenspiele einsetzen. Es gibt Menschen, denen hilft die "was ist das Schlimmste, was passieren kann" Überlegung, andere setzen auf radikale Akzeptanz "es ist, was es ist". Was ich manchmal recht hilfreich finde, ist mit dem Zeitrahmen zu spielen, also zB ich stelle mir vor, es ist ein oder zwei Monate später und frage mich, ob ich mich dann noch an diese Situation erinnern würde.
Wenn Du noch ganz am Anfang der Selbstregulierung in dieser Sache stehst, dann ist es super ratsam, mal für ein paar Monate auf Achtsamkeitsmeditation zu setzen. Ich fand Headspace mega, weil es bekenntnisfrei ist, aber es gibt auch andere. Wenn Du nen Wald vor der Tür hast, dann halt ab in den, aber nicht jeder hat diesen Luxus.
Wo soll es hingehen:
Das Ziel ist, daß Du das Bedürfnis die Situation kontrollieren zu wollen, um die in Dir entstandene Unsicherheit zu lösen, wahr nehmen aber nicht ernst nehmen lernst.
Ist ein bissl wie ein blauer Fleck, der ist da, der tut halt auch, wenn man an den rankommt, weh, aber deswegen muß man jetzt keinen Arzt aufsuchen (also das zum großen Thema) zu machen.
Mach Dir außerdem immer wieder klar, daß Deine Vorstellung von erwachsener Liebe das völlige Gegenteil von kindlicher Kontrolle ist und vielleicht kannst Du in diese Vorstellung von Liebe hineinfühlen.
Und wenn gar nichts mehr hilft, dann greife ich auf die Mittel zurück, die mir auch sonst bei Überforderung, Krankheit oder Trauer helfen. Hühnersuppe, Badewanne, Tiere, Pasta, scripted Reality TV und vor allem mein Bett.
Schon Oma wusste, am nächsten Tag schaut die Welt schon wieder ganz anders aus.
