Das ist dann wohl wieder sowas wie ein öffentlicher Tagebucheintrag. Ich lasse die Hosen runter und mache mich verletztlich. Daher würde mir wünschen, dass nur diejenigen von euch kommentieren, die mir wohlwollend gegenüberstehen (was mögliche Kritik nicht ausschließen soll).
Eigentlich ging es mir mit Schwankungen und den vielleicht nicht ganz untypischen Schmerzwellen im Schnitt doch langsam besser.
Und dann fing es an, dass ich mich extrem triggerbar zeigte...Meist kleinere, aber auch mal größere Ereignisse (gemeint sind nicht die großen Bomben, deren Auslösewirkung für sich steht) katapultierten mich zurück in die schmerzhaftesten Kapitel meiner letzten Liebes- und Trennungsgeschichte. Genau dorthin wohin es mir am meisten weh tut. Großer Schmerz mit klebrigem Gefühl der Wertlosigkeit.
So...seit diesem Postanfangsentwurf sind jetzt ein paar Tage vergangen...
Und ich bin um ein paar Erkenntnisse reicher ...aber zunächst einmal die Bestandsaufnahme:
Es sind jetzt ca. 1 Jahr und 7einhalb Monate her seit meiner großen Kummertrennung, die einer Beziehung der besonderen Art (über mehr als ein Jahrzehnt) folgte. In dieser Beziehung liebte ich über meine Grenzen hinweg, bis ich irgendwann nicht mehr konnte (damit ist nicht das lieben gemeint sondern "alles andere"), dann wurde ich getrennt und das auf eine äußerst üble Art (indem er sich meine zweite wichtige Bezugsperson kaperte, gerade noch unter der Grenze -also kein sexueller Betrug oder ähnliches- um erneut mit dem Finger auf mich zeigen zu können ob meiner Empörung).
Mein X entsprach ansonsten so sehr dem was ich begehrenswert an einem Mann empfinde und ich erlebte sehr viele ausgesprochen schöne, glückliche und bezaubernde Momente und gleichzeitig wurde ich immer wieder über meine Grenzen geschickt - geschickt hauptsächlich von mir selbst, denn ich akzeptierte Grenzübertretungen von ihm, um ihn nicht aufgeben zu müssen. Da passierten die Klassiker, die einige von euch kennen (in Konkurrenz setzen, silent treatment, future faking, Schuldumkehr, gaslighting, breadcrumbing, ..., ) aber immer gerade noch unter einer letzten Schwelle, so dass schnell der Zeigefinger auf mich gerichtet werden konnte, wenn ich mit Schmerz und Empörung reagierte. Auch das werden einige von euch kennen. Genauso sicherlich die Auswirkungen die das auf einen und das Selbstwertgefühl hat. Je öfter man sich trotzdem neu entscheidet für das Bleiben, desto mehr entschuldigt man den Anderen, steigt in seine Schuhe und verliert sich selbst...So pathetisch wollte ich jetzt nicht werden, bekomms aber erstmal nicht anders hin.
So...Vor etwas mehr als 170 Tagen endete eine neue Runde mit ihm nach 3-monatiger Wiederannäherung., erneutem Kontaktabbruch seinerseits (Zitat: er ertrage es nicht was ich von ihm denke) und einem letzten Telefonat ein paar Monate später (Zitat: er ertrage es nicht dass er mir gegenüber so ein A. sei) Für viele nachvollziehbar unverständlich. dass ich damals noch einmal eine neue "Runde" gedreht habe. Für mich war es wichtig, wenn auch extrem schmerzhaft. Ich konnte mich dabei beobachten über das neue Erleben mit ihm, das alte Muster zu erkennen und zuordnen zu können. Ab da wusste ich, ich muss ihn sein lassen. Spürte, dass es jetzt wirklich existentiell ist. Ich kann das jetzt nicht anders ausdrücken, aber ich erkannte und spürte wie es meine Seele und meinen Körper zerfrisst (Pathosende, entspricht dennoch genau dem was ich fühlte/erlebte - und wie es auch mir Nahestehende in leicht anderen Worten spiegelten, ich bekam auch körperliche Probleme). Schlimme Zeit. Unterstützung fand ich durch meine engsten Freunde. Und auch Menschen hier aus dem Forum halfen mir. Ich fand also Weggefährten, Kameraden (weibliche und männliche), sowohl im "realen Leben" wie auch im Forum und in einer virtuellen Gruppe, Das ist so ein Glück im größten Unglück wenn man in seinem Schmerz gesehen und verstanden wird.
Jüngste Entwicklung: Einer brachte mich zum Vibrieren, ich merkte es daran, dass ich ungeplant zu summen anfing und mich glücklich fühlte, kurze Zeit später in mehreren Situationen Eifersucht spürte und dann tagelang getriggert war. Denn ja, ich wurde nicht als Frau gewählt (was klar war, anderes Beuteschema, zwischen uns ging es eh nie darum, Kameradschaft ist unser Ding, eigentlich war doch alles geklärt.) Eine Wucht an alten Erinnerungen meiner X-Beziehung und seiner Trennungen kam hoch. Erinnerungen, in denen ich abgewertet wurde oder mich selbst abwertete um bleiben zu können, das in Konkurrenzsetzen, das Push und Pull und der ganze andere Mist an schädigenden Dynamiken, der alte höllische Schmerz, das Unwertgefühl ...Und gleichzeitig und das ist dann echte Hölle tauchten so viele ERinnerungen an schöne Erlebnisse und Erfahrungen mit X auch wieder hoch (denn diese Beziehung hatte auch Phasen die nicht toxisch waren sondern partnerschaftlich, kooperativ und wunderschön)....all das 1 Jahr und 7,5 Monate nach der Trennung und mehr als 170 Tage nach dem letzten (telefonischen) Kontakt und die alten Gefühle sind eins zu eins wieder da. Und das ohne neuen Kontakt zu meinem X...Na, Danke auch....
Wie möchte ich damit umgehen? Wäre schön die Kameradschaft zu dem Mann halten zu können, der mich genau deshalb zum Vibrieren brachte, weil er genau so kooperativ und auf Augenhöhe mit mir umging wie ich mir das für eine zukünftige Beziehung wünsche und ich dadurch wieder Lust auf und Sehnsucht nach einer neuen Beziehung entwickeln konnte.
Gleichzeitig bemerkte ich trotz dessen auch Angst. Angst, mich wieder einzulassen. Angst, dann wieder richtig feste erneut von einem weiteren Mann verletzt werden zu können. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig seltsam, aber, neben der großen Traurigkeit nicht als Frau gewählt worden zu sein, gab es auch einen Teil in mir der erleichtert war. Erleichtert, das Risiko der ganz großen Verletzlichkeit noch etwas verschieben zu können. Da hab ich jetzt wohl neben Verlustangst, mir auch noch ne Bindungsangst eingefangen...Wtf....
Diamanten im Mist sehen:
- Das erlebte Vibrieren (war noch nicht Verliebtsein oder Verknalltsein, aber dennoch) zeigt mir, dass dieser Teil in mir noch richtig funktioniert. Ich reagiere auf ein gutes Umgehen mit mir und nicht auf schlechtes Umgehen mit mir. Das macht mir Mut. Das ist ja wohl einen Konfettiregen Wert!
- Ich weiss inzwischen, dass die Bindung zu meinem X vermutlich neben Liebe zusätzlich auch aus emotionaler Abhängigkeit (durch diese schädlichen Dynamiken wie silent treatment, push and pull usw.) und durch meinen mich schädigenden Umgang mit seiner Erkrankung bestand, was die Loslösung noch schwieriger machte. Mein Vibrieren zeigt, dass ich (als auch emotional sehr treuer Mensch) wohl weiter gekommen bin in meinem Loslösungsprozess von X. Das wäre eigentlich einen zweiten Konfettiregen wert.
- ich weiss jetzt um die Beschädigung meines Selbstwertgefühles. Sonst wäre ich nicht so triggerbar gewesen. Ich weiss dass es an mir ist, wieder zu lernen mir zu vertrauen und an meinen Wert zu glauben.
- Das Drama ist Teil der Vergangenheit, der Dynamik in meiner X-Beziehung. Ich konnte jetzt von Drama lassen. Dritter Konfettiregen.
- ich kenne wieder meine Wünsche an einen potentiellen Partner (auch wenn es mir gerade jetzt noch schwerer fällt darauf zu vertrauen, dass es da draußen noch jemand gibt der gleichzeitig so zu mir passt wie ich zu ihm)
- ich wurde erinnert, dass ich mich um meine Baustellen zu kümmern habe. Ich möchte mich in jetzigem Zustand keinem Liebespartner zumuten.