An seinem Geburtstag wurde ich aus der Klinik entlassen. Wir gingen Abends noch was essen und ich hatte das Gefühl, dass unsere Freundschaft wieder annähernd so war, wie vorher. Er verhielt sich mir gegenüber wieder sehr freundlich. Doch dies hielt nicht lange, schon in der Woche darauf war er wieder anders. Weil mich das verunsicherte, ging ich etwas auf Abstand. Ich brauchte Zeit, um mich zu sortieren. Er kannte meine Spazier Route und fing mich dort ab. Wir sprachen miteinander, aber er war Eis kalt. Ich sagte ihm, dass mich sein Verhalten verletzt aber er entgegnete mir nur, dass ich nicht immer nur an mich denken soll. Und so vergingen ein paar Wochen und durch dieses ständige heiß kalt wurde ich immer unsicherer. Ich suchte kurz vor Weihnachten also nochmal das Gespräch zu ihm, aber ich drang überhaupt nicht mehr zu ihm durch. Während er mich immer wieder mit Kälte abstrafte, versuchte ich unsere Freundschaft noch irgendwie zu retten. Er fragte mich dann, ob ich denn so nett wäre und seine Wäsche wasche, er wäre die letzten Monate nicht dazu gekommen, weil er so viel Zeit in mich investierte. Und natürlich tat ich dies... Und so brachte er mir einen riesigen Wäscheberg. Oft brachte ich, wenn ich mit in sein Training durfte, Sommerrollen für alle zum Essen mit. Er sagte mir immer, wie sehr er sich immer darüber freut, wenn jemand etwas zum Essen mitbringt. Ich tat oft kleine, neckische Botschaften mit in die Tupper Box. Einmal einen Zettel mit der Aufschrift: "Vorsicht vergiftet" *Zwinkern*. So war unser Humor und er hatte sich immer darüber gefreut.
Nachdem ich seine Wäsche gewaschen hatte, ließ er mich wissen, dass er sie nur abholen werde und dann erstmal Ruhe braucht. Ich akzeptierte dies, fühlte mich aber zugleich auch benutzt. Ich fuhr dann über die Weihnachtstage zu meiner besten Freundin. Noch an Heiligabend telefonierte ich mit ihm und ich sagte ihm, dass ich ein ungutes Gefühl mit uns habe und Angst habe, ihn zu verlieren. Er versprach mir noch am Telefon, dass dies nicht passieren wird. Ich glaubte ihm.
Im neuen Jahr dann trafen wir uns noch ein paar Mal zum Spazieren aber auch da war er Kalt und machte mir nur noch Vorwürfe. Ich bat ihn um ein ehrliches Gespräch, um zu wissen wo wir stehen und woran ich noch bei ihm bin. Als wir uns trafen, gab er zu, dass er nicht nur "nur" Medizinstudent sei, sondern Medizinstudent im Drittversuch, den er zuweilen vor Gericht einzuklagen versuchte. Ich muss gestehen, mich schockte diese Neuigkeit nicht mehr und ich nahm sie nur noch zur Kenntnis. Nach diesem Gespräch, das mir wirklich Hoffnung machte, da es mir ein sehr ehrliches schien, umarmten wir uns noch einmal sehr lange und jeder ging für sich nach Hause. Am nächsten Morgen schrieb er mir eine WhatsApp mit den Worten: Ich will keinen Kontakt mehr zu dir und auf meine Frage, warum antwortete er nur: schade, dass wir es nicht geschafft haben...
Ich stand da, wie ein begossener Pudel und frage mich bis heute, was ich falsch gemacht habe.
