Du wirst so viele unterschiedliche Meinungen finden, wie es Liebesfilme gibt.
Sehr viele Menschen haben sich noch nie Gedanken darüber gemacht, was Liebe eigentlich ist. Vermutlich, weil es natürlich gegeben sein sollte, dies zu wissen - zumindest denkt das die Mehrheit.
Zum einen ist Liebe nicht das gleiche wie Verliebtsein. Wenn Du also von tanzenden Herzen sprichst, bist Du wohl der ersten Falle erlegen: nämlich diese beiden Dinge zu verwechseln. Verliebtsein ist ein Hormonrausch, der einfach nur sicherstellt, dass man lange genug Zeit verbringt, um möglichst viel Sex zu haben, um das kleine Zeitfenster der Befruchtung nicht zu verpassen.
Wirklich tricky ist, dass beim Kennenlernen und Verlieben recht viel Projektion und Illusion am Start ist. Man kennt die Person kaum, lernt sie nur von der besten Seite kennen und die rosarote Wahrnehmungsbrille verzerrt den Blick auf ungünstige oder weniger schöne Eigenschaften. Darum auch das böse Erwachen, wenn der Hormonrausch nachlässt. Die tolle Person ist nun weniger toll und schon da kriegen einige das Rennen. Der Übergang von Verliebtsein zu Liebe ist deshalb so schwer, da die meisten sich nie Gedanken darüber gemacht haben, was Liebe denn nun eigentlich ist.
Nun kommt noch die romantische Einstellung aus Kino und Songtexten und die Monogamieauferlegung der Kirche und schon haben wir den Brei: everlasting love bis das der Tod uns scheidet. Bedingungslos soll man lieben - was für ein Quatsch. Man erwartet immer etwas, das Ego ist nun mal da. Die Kunst ist doch, das Ego auch mal beiseite legen zu können und sich der eigenen Schwächen sowie der des anderen bewusst zu sein.
Ich glaube, bis zu dem Zeitpunkt Liebe ernsthaft zu hinterfragen, lässt man sich von den Kindheitserfahrungen leiten und ggf. noch von der Romantik den Blick leicht vernebeln. Ob man so fündig wird, bezweifele ich mittlerweile stark.
Was Obama beschreibt sind Kriterien, die für die Beziehungsanbahnung gut sind oder wenn man noch nicht lange zusammen ist. Abgesehen von Humor, der sollte schon da sein, aber ob der eine lustiger als der andere ist, ist doch total egal. Ist man aber 10,20 oder mehr Jahre zusammen, hat man die Kinderfrage längst geklärt. Und ob ein ganz normales Paar, mit ganz normalen Eigenschaften, Vorlieben und Berufen nun nach 20 Jahren sich gegenseitig noch so viel spannendes zu erzählen haben - ich glaub, in der Regel eher nicht.
Liebe ist für mich, vertrauen zu können, kommunizieren zu können und gemeinsam an der Liebe arbeiten zu wollen. Denn Liebe ist nicht einfach da wie ein Möbelstück. Liebe ist ein Prozess, eine Entwicklung.
Zitat:Und was er für Qualitäten mit sich bringen?
Ganz ehrlich, geht es hier doch um ein Möbelstück? Der Partner muss passen und das ist sehr individuell. An den Qualitäten eines Partners bemisst sich eine funktionierende Partnerschaft nicht, viel eher sind es die Schwächen und Fehler. Die hat ja jeder und wie man damit umgeht, darauf kommt es an.
Als Basics sollten wohl die gleichen Werte her, vielleicht meinst Du das. Das Nähe-Distanz-Bedürfnis muss stimmen, dafür muss man aber wissen, welches man selbst überhaupt hat. Ich glaube, die Grundlage von allem ist, dass man sich selbst gut kennt und damit meine ich den ungeschönten Blick auf sich selbst. So weiß man, wer wirklich passt und welche Schwächen auch mal bearbeitet werden dürfen mit Hilfe eines Partners.