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Die Macht der Kränkung- was ist von mir übrig?

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Ich hab offenbar durch meine Art einige Forenmitglieder völlig gegen mich aufgebracht. Ich bin hier, wenn es mir am schlechtesten geht und nicht wenn ich fröhlich und top gelaunt bin. Dass ich dann abgestempelt werde als vollumfänglicher Anti-Mensch und so hingestellt werde, als wäre ich damals an allem selbst Schuld gewesen, grenzt echt an seelischer Grausamkeit.

Aber bitteschön- wie es in nahezu allen öffentlichen aber anonymen sozialen Medien so Gang und Gebe ist, wird auch hier gerne brachial draufgeschlagen und übergeberalisiert.

Ich bedanke mich von Herzen bei allen, die Verständnis haben und auch für die Kritik meines oftmals nicht zielführenden Verhaltens. Aber wer mich hier angreifen und beleidigen und vor allem abstempeln will, der soll sich seiner eigenen armseligen Existenz gewahr werden. Ich bin da echt geschockt.

09.03.2021 20:36 • x 1 #241


Nachtlicht

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Zitat von Hopeinside:
Dass ich dann abgestempelt werde als vollumfänglicher Anti-Mensch und so hingestellt werde, als wäre ich damals an allem selbst Schuld gewesen, grenzt echt an seelischer Grausamkeit.


Weißt du, man könnte den Beitrag von @Geheimnis auch anders deuten.

Ich finde, sie schreibt keineswegs um dich abzustempeln oder schlecht darzustellen. Mir als außenstehender Mitleserin ist ziemlich deutlich, dass sie es gut mit dir meint. Tatsächlich schreibt sie meiner Meinung nach auch Dinge aus, über die behutsam nachzudenken für dich lohnend und hilfreich sein könnte.

Denn schau mal, keiner, der hier im Forum gelandet ist mit Herzschmerz, ist ohne eigenen Anteil an seiner Misere.

Wirklich: keiner. Jede Trennung, auch eine noch so schäbige, hat auch Ursachen auf Seiten der verlassenen Person. Und der darauf folgende Umgang mit einer Trennung, hat sogar ganz viel mit der eigenen Person zu tun.

Und alle, die es schaffen mal genauer hinzugucken in die Bereiche, wo es besonders weh tut, und sich selbst anzuschauen und zu reflektieren, können davon profitieren. Denn genau da liegen ja oft unsere Baustellen, die wir nicht so gern wahr haben wollen.

Ich habe deinen Thread nicht mehr von Anfang an in Erinnerung, aber ich weiß noch, dass du dich wirklich ungewöhnlich stark in einer Opfer- und Leidenshaltung befindest. Wie ein Korsett, das du trägst - es engt dich total ein, und es gibt zugleich Halt. Und ich kann mir vorstellen, bzw. weiß aus Erfahrung (mit beiden Seiten, selbst betroffen und Angehörige), wie belastend so ein Verharren im Leid eben auch für nahestehende Menschen sein kann. Insbesondere wenn die Verharrenden bei Klartext so gekränkt reagieren wie du jetzt gerade, weil sie keine angemessene Selbstwertgefühl-Regulation besitzen und sich im Kern ihrer Person bedroht fühlen, wenn ihr Verhalten kritisiert wird.

Diese Problematik wäre daher wirklich etwas, das ich mir, wäre ich an deiner Stelle, mit therapeutischer Unterstützung genauer anschauen würde: die auffällige Negativität, ebenso wie das Katastrophisieren. Nicht alleine dran herumdoktorn, sondern wirklich mit Hilfe von Profis angehen, evtl. mal vorab eine vernünftige Diagnostik durchlaufen. Vielleicht kannst du irgendwann die Chance erkennen, die in der Rückmeldung liegt, welche dir jetzt gerade noch weh tut.

09.03.2021 21:08 • x 2 #242



Die Macht der Kränkung- was ist von mir übrig?

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Hopeinside

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Ich danke dir. Ich hatte zahlreiche Therapien und war in professioneller Hand. Auch stationär. Ich habe noch und nöcher die Gründe bei mir gesucht. Es geht schon 100 Jahre nicht mehr um diesen Mann. Das ist nur klar. Ich habe diesen Thread wieder aufgenommen, weil verlieben nicht mehr funktioniert und das sehr sehr weh tut. Aber nicht, um Schuld oder Quellen oder dergleichen ausfindig zu machen.

09.03.2021 21:16 • x 2 #243


Nachtlicht

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Ok, verstehe.

Zitat von Hopeinside:
Aber nicht, um Schuld oder Quellen oder dergleichen ausfindig zu machen.


Das ist ja eh nur ein Teil des Weges. Die im Gehirn eingetretenen Pfade von Denken und Fühlen umzuleiten, wäre die eigentliche Aufgabe. Mir hat damals eine verhaltensorientierte Therapie sehr geholfen, die Negativität einerseits als Teil von mir zu akzeptieren und andererseits mich auch davon emanzipieren zu können. Sie ist noch da, aber sie beherrscht mich nicht mehr. Das wünsche ich dir auch.

Du bist noch jung. Dass es dich schmerzt, dich nicht zu verlieben, ist eigentlich gut, denn es zeigt dass du nach Besserem für dich selbst strebst und dich nicht aufgegeben hast. Bleibt die Frage, wonach du strebst. Nach einer stabilen, sicheren und etwas langweiligen Liebe, oder nach dieser aufregenden, alles überstrahlenden toxischen Liebe, die im Grunde nur die Kehrseite der Negativität darstellt. Wenn Selbstliebe und Selbstsinn nicht gut ausgeprägt ist, sind wir Menschen leider sehr anfällig für ungesunde Liebschaften. Deshalb kann ich dir nur raten, am Ball zu bleiben und nicht aufzugeben, an diesen Themen zu arbeiten.

09.03.2021 22:44 • x 7 #244


Hopeinside

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@Nachtlicht was du schreibst ergibt sehr viel Sinn. Meine kognitive Verhaltenstherapie fruchtete damals nicht so- aber ich glaube, es wäre- vor allem mit Abstand zu dem damals akuten Schmerz- es wohl wert es noch einmal zu probieren. Danke fürs Teilen deiner persönlichen Erfahrung. Im Moment beschäftige ich mich mit Acceptance and Comittment innerhalb der Verhaltenstherapie. Ist natürlich ne Hürde das große ganze schon wieder bei einem neuen Therapeuten aufzubereiten... geschweige denn überhaupt erst mal einen zu finden...

09.03.2021 22:51 • x 2 #245


Offspring78


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Ich finde es positiv, dass du sagst, du kannst dich nicht wieder verlieben und hast im Grunde damit für dich abgeschlossen. Zumindest, wenn du damit das Verhalten meinst, dass du in der Vergangenheit mit sich verlieben verwechselt hast. Das war sicher keine Liebe, sondern wenn ich recht lese, eher eine Krise derart bedrohlichen Ausmasses/Wichtigkeit, dass es für dich buchstäblich um Leben und Tod ging.
Somit finde ich, hast du definitiv einen grossen Fortschritt gemacht, wenn du sagst, das gibt es für dich so nicht noch einmal.

09.03.2021 22:59 • x 2 #246


Nachtlicht

Nachtlicht


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Danke @Hopeinside und ja, die Hürden sind groß. Das weißt du, weil du sie schon mal bewältigt hast

Was @Offspring78 da schreibt, finde ich großartig im Sinne von Reframing. Das ist eine Technik, die ich persönlich am Anfang als Selbstverarsche empfunden habe, inzwischen aber tatsächlich gezielt und auch oft erfolgreich anwende. Es ist eine sehr interessante Methode, seine Sichtweise und seinen Erlebnishorizont zu erweitern.

10.03.2021 00:16 • x 2 #247


Schlurfi2020

Schlurfi2020


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Zitat von Hopeinside:
Hey Leute. ich hab hier eine zeitlang mitgelesen und war zum Teil schockiert, was den Menschen hier so alles passiert ist. Mit wie viel Dreistigkeit und Kaltherzigkeit hier verlassen wurde, aber auch mit wie viel nun mal menschlicher Schwäche auch die aufrichtig sind, die auf der anderen ...


Hallo @Hopeinside !

6 Monate sind ja noch eine recht kurze Zeit ..

Weißt Du, die größte Wut, die ich hatte, als ich den Betrug meiner Exfrau aufdeckte, war jene auf mich selbst. Wir hatten schon lange keine schöne Ehe mehr, viel Streit, wenig Gemeinsames, sie veränderte sich sehr, zu meinem Leidwesen in einen Menschen, den ich später mal nicht mehr mochte. Sie war schneller mit einer Affäre, Gedanken dazu machte ich mir schon, nur gab es keine passende Frau. Da war ich zu spät.

Die Folgezeit war natürlich davon geprägt, aber später irgendwann habe ich realisiert, dass es unumgänglich war, ich nur zu langsam war. Nach einer längeren Karenzzeit hatte ich neue Anläufe genommen (meine Exfrau war gar eine Sandkastenliebe, die Scheidung empfand ich als persönliche größte Niederlage meines Lebens - bis heute.), eine andere Frau kennenzulernen. Das geschah auch, aber es wurde nur noch schlimmer, die Frauen veränderten sich in einer Art und Weise, wie ich sie als feste Partnerin nur noch ablehnen konnte. Bis vor wenigen Tagen hatte ich mich nicht mehr verliebt - das waren über 20 Jahre. Dafür hatte ich eine Affäre nach der anderen. Ich genoss meine Freiheit, den 6, denn zu mehr waren die Frauen zu jener Zeit für mich nicht zu gebrauchen. Ich fand keine Frau, mit der ich mir auch nur ansatzweise vorstellen konnte, etwas Festes zu machen.

Dann vor ein paar Tagen bekam ich Besuch von einer Arbeitskollegin, die ich schon längere Zeit ins Visier nahm. Sie wollte sich meine Wohnung ansehen (sucht im selben Block nach einer Wohnung, bekam aber derzeit keinen Besichtigungstermin, war auch keine Wohnung frei). Sie wollte nur kurz bleiben, am Ende waren es vier Stunden. Ich versuchte natürlich ihr näher zu kommen - keine Chance, ich bekam einen Korb erster Sahne. Und wieder einmal bestätigte sich meine Erfahrung der letzten 25 Jahre: Öffnet der Schlurfi sein Herz, kommt nur noch Schmerz. Der Korb an sich tat nicht weh, sondern die Tatsache, dass wenn ich mich mal ordentlich vergucke, ich garantiert auf die Nase falle. Wie auch hier wieder.

Die Moral von der Geschichte: Frauen und ich, Verlieben, feste Beziehung - kann ich getrost vergessen. Ich verliebe mich wirklich nur alle Jubeljahre, sehe in Frauen - sorry - eher meistens nur Erfüllungsgehilfinnen in Sachen 6 - für mehr reicht es nie. Mein Herz lebt zwar noch, aber der Wall ist wieder hochgezogen und verstärkt worden. Ich traue keiner Frau, kaum eine kann meine Vorstellungen erfüllen und ich habe absolut keine Lust, mich zu ändern oder anzupassen. Ich muss die Frauen ja auch so nehmen, wie sie sind. Also gleiche Bedingungen bei beiden Geschlechtern. Emanzipation, Feminismus, Tag der Frau - also BITTE - wie leben doch nicht mehr im Mittelalter und sooo schlecht geht es den Frauen im Vergleich zu den Männern ja nun wirklich nicht. Vieles, fast alles, hat sich angeglichen und gewisse Unterschiede wird es immer geben, wir sind ja nun mal unterschiedlichen Geschlechts. Aber die Kränkungen, von denen Du eingangs sprachst, sind geschlechterunspezifisch und beide Seiten können Engel wie auch Teufel sein.

Der einzige, für mich persönlich, sinnvolle Lebensstil ist das absolute Alleinleben, bestenfalls noch Affären, ONS o.ä. Ich wollte von Affären und so weg, es hat sich leider gezeigt, es führt in meinem Leben kein Weg daran vorbei. Es ist sowas wie mein persönlicher Kreuzzug - gerichtet gegen mich, weil ich mir bis heute nicht verzeihen kann, dass mich meine Sandkastenliebe betrog und verließ. Das wird ewig an mir fressen und nagen und hat mich auch ein Stück weit krankgemacht - vor allem organisch. Diese Frau war mein Ein und Alles und ich verteufle mich, es nicht gerettet zu haben. Aber wenn ich dann auch sehe, wie sich alles entwickelt. Änderungen - schön und gut, in Maßen okay, im Absurden absolut abgelehnt.

Ich bin raus aus dem Spiel der Liebe, weil eigentlich heißt es Spiel der Hiebe.

Was kannst Du gegen die Kränkung tun? Im Prinzip nichts, denn die Zeit ist das einzige Heilmittel. Und als Frau kann man es eventuell schneller wieder richten, denn sie haben es - leidlicherweise - deutlich leichter, einen neuen Partner zu finden, weil Frauen viel zu sehr nach Gefühl gehen und trotz Emanzipation der Mann ja es letztlich immer richten muss, die Frauen lehnen sich zurück und wählen aus. Müsste mal umgekehrt sein, aber Emanzipation und so sind kein Indikator für demokratische gerechte Verhältnisse, sondern begünstigen nur eine Seite - die der Frauen.

Also ich als Mann kann mir diese Kränkung natürlich ewig antun oder lernen und dem ganzen Wahnsinn Adieu sagen. Das habe ich getan, ich glaube weder an Liebe, noch Zuneigung. Menschen sind berechnende, kalte und egoistische Wesen, die immer nur ihren Vorteil suchen, während meiner Affärenzeiten war ich auch so drauf. Für mehr reicht es zwischenmenschlich nicht nach meinen Erfahrungen und ich mache heutzutage nur noch mein Ding. Ich freue mich für Menschen, die Besseres erleben und haben, aber das Gros der Menschheit ist vermutlich auch oft am Kränkeln, Meckern, und und und.

Ich wünsche Dir, dass Deine Kränkungsgefühle bald vergehen und Du, wie auch immer, wieder unbeschwert die Tage und Nächte genießen kannst. Glaube mir, die Zeit wird es richten.

Alles Gute

10.03.2021 00:25 • x 2 #248


Hopeinside

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Refraiming und auch Affirmationen hab ich auch immer eher für Humbug gehalten. Zwar glaube ich mittlerweile dran, aber mit der Umsetzung klappts noch nicht so richtig...Ich wäre zwar froh, wenn es bei mir so wäre wie Offspring schreibt, aber wenn ich jemanden kennenlerne, den ich zwar mag, aber direkt merke, mehr werd ich nicht spüren, dann geht es ja nicht nur um mich... wenn mein Gegenüber mich nämlich mögen sollte und ich hab nur diese lauwarme Sympathie zu bieten.... ist das nicht irgendwie unfair? Ich hatte die Situation ein paar mal. Irgendwann war ich dann aber nicht mal mehr in der Lage, mich überhaupt mit jemandem zu treffen. Konnte ich ja herrlich hinter der verdammten Pandemie verstecken, aber eigentlich ist es im Grunde primär die Vermutung, dass es sich doch wieder nur ziemlich leer anfühlt. Und das hat mein Gegenüber dann ja auch absolut nicht verdient!

10.03.2021 00:28 • x 1 #249


Hopeinside

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@Schlurfi2020 wow... dieserlei Abwärts-Spiralen-Bitterkeit kenn ich so nur von mir selbst. Wahrscheinlich trifft es mich deshalb so, weil es nach Außen hin echt auch Unverständnis hervorrufen kann. So als müsse man den anderen Schütteln und sagen "hörst du dir zu?". Aber bei mir ist es ja genauso.
Ich finde man merkt bei dir aber auch deutlich einen gewisse Misogynie. Ich versuche sehr, das negativ Bild meines Ex nicht auf andere Männer zu projezieren. Gelingt mir natürlich auch nicht, aber ich arbeite dran. Es tut mir von Herzen Leid, dass es dir so geht, wie es dir geht, aber dein Frauenbild hat da wohl auch nen großen Anteil dran. Ist selbstverständlich nur eine Vermutung. Ich dank dir für deine ehrlichen Worte.

10.03.2021 00:38 • x 2 #250


Offspring78


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Wenn es sich leer anfühlt, ist es ja offenbar zumindest auch nicht mehr gefüllt mit allerlei Hass, Sehnsucht nach dem blöden Ex, Projektionen (siehe Schlurfi) usw
Leer ist also schonmal nicht ganz so übel, finde ich.
Mit leer lässt sich arbeiten.
Leer ist ein Raum, der potentiell bereit ist für neues.
Leer lässt sich füllen mit langsamen zarten Aufbau neuer Beziehungen.
Wenn man das möchte.
Unfair gegenüber deinen Verehrern ist das mitnichten.
Unfair wäre, wenn da keine Chance für diese wäre, von dir quasi als leeres, noch unbeschriebenes Blatt wahrgenommen zu werden, sondern ihnen von dir eine unschöne Erfahrung aus der Vergangenheit übergestülpt werden würde.
Leer finde ich gut.

10.03.2021 00:59 • x 4 #251


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@Offspring78 ich bin oftmals so stur in meinen festgefahrenen Ansichten, weil ich glaube, ich hätte die Therapie Weisheiten längst mit Löffeln gefressen und mich könnte keine Erkenntnis mehr erreichen. Aber was du schreibst stimmt mich tatsächlich nachdenklich. Ich hab 2018 einer lieben Bekannten hier aus dem Forum, der ich lange noch schrieb, auch mal gesagt "Leer bedeutet Platz für Inhalt", aber offenbar hab ichs dann selbst wieder vergessen bzw. verworfen. Aber das ergibt wirklich Sinn, dankesehr!

10.03.2021 01:07 • x 2 #252


Hopeinside

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@Schlurfi2020 Ach... und der erste Beitrag war von 2018... es sind also 3 1/2 Jahre und keine 6 Monate....

10.03.2021 01:12 • #253


Offspring78


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Ich denke, du bist auf dem richtigen Weg.
Nicht aufgeben, nur weil er vielleicht ein ganzes Leben lang dauert;-)

10.03.2021 01:15 • x 2 #254


DerBote


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@hopeinside:
Darf ich dir einen völlig anderen Ansatz anbieten? Deine therapeutischen Versuche werden vermutlich auch weiterhin allesamt scheitern. Und ich stelle jetzt einfach folgende Vermutung auf: Du machst Therapien, weil du den Schmerz und die Enttäuschung loswerden willst.
Durchaus verständlich. Wer will schon leiden?
Aber was wäre, wenn du aufgibst den Schmerz beseitigen zu wollen? Was, wenn du dich der Enttäuschung völlig hingibst? Wenn du dich traust, also dir selber zutraust, dass du den ultimativen Schmerz überlebst?

Ich verrate dir ein Geheimnis: Bei der Liebe zu einem Mensch ist die Enttäuschung immer mit inbegriffen. Kein Mensch kann dich mit Glück und Liebe füllen.
Ich weiß. Das haben wir alle schon mal gehört. Aber wir verstehen es nicht wirklich.

Je mehr du erwartest und erhoffst, desto eher wird das Gegenteil davon eintreffen. Denn wenn du nach Liebe und Anerkennung schmachtest, wird sie dir niemand geben wollen. Denn ein anderer Mensch möchte seine Liebe gerne und freimutig verschenken. Nicht weil du an ihm rumzerrst, und um diese Liebe bettelst.

Das wäre dann auch deinerseits keine Liebe. Du willst nicht verschenken, du willst haben und besitzen. Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Geborgenheit usw. Du bettelst um das, was du dir selbst nicht geben kannst.
Wenn du es also selbst nicht besitzt, wie verschenkst du es dann? Geht nicht.

Aber zur Klarstellung. Nach einer Trennung haben wir diese Gefühl der Demütigung ja quasi alle.
Die Frage ist also vielmehr: Warum gelingt es mir nicht den Fokus von meinem Gegenüber auf mich selbst zu lenken? Mich also selbst zu fragen, warum ich so von meiner eigenen Quelle des Glücks abgeschnitten bin, dass ich diese Ersatzliebe von Anderen stets einfordere.
Wo bin ich geblieben? Wer bin ich? Wo in mir entsteht Glück, Liebe und Freiheit?

Diese massive Enttäuschung, die du erlebt hast, kann dir ein sehr wertvoller Wegweiser für dein weiteres Leben sein.
Das bedeutet nicht, dass du frei von jeglicher Trauer wirst, aber du kannst zumindest eine Transformation in Gang setzen. Für dich!

Wenn du deinen Ex konservierst, und ihn als den heiligen (und doch sündigen) Grahl anhimmelst bzw. verfluchst, wirst du immer glauben, er hätte etwas mit deinem Glück oder Unglück zu tun.
Damit machst du dich völlig abhängig. Glück und Leid waren bereits in dir verborgen, und wurden so nur ans Tageslicht gebracht. Verstehst du?

Ich wünsche dir alles Gute!

10.03.2021 02:21 • x 4 #255



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